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Holy Freaks – JOANNIS STEFANIDIS

978-3-426-78819-6_DruckInhalt :

Oder wie Shiva mir die Braut ausspannte

Alles beginnt mit einer wunderschönen Hippie-Prinzessin, die Joannis Stefanidis im Menschengewimmel von Bombay trifft. Ebenso wie sie ist er nach Indien gekommen, um Heilung zu finden, doch zuerst lernt er, was es heißt, den Schmerz zu besiegen. Stefanidis’ Reisen sind Jagden nach Glück und Erfüllung, führen von Meditationszentren in Sri Lanka über Singapurs Prunkpaläste bis in die Slums Kalkuttas. Er begegnet Endorphin-Junkies und Schmerzfressern, Schamanen und kiffenden Super-Yogis. Und wie nah sich das Erhabene und das Profane zuweilen kommen können, weiß Stefanidis spätestens, wenn er mit einem Koffer voll Viagra auf dessen rechtmäßigen Besitzer wartet.

In „Holy Freaks“ erzählt Joannis Stefanidis von Wundern und Weisheit, göttlicher Erfahrung und menschlicher Fehlbarkeit.

 

Rezension :

Es gibt ja Bücher, wo ich im ersten Moment denke, das wird mal wieder einfach nur ein Buch zur Unterhaltung und nicht zum Nachdenken. So dachte ich am Anfang auch bei dem Buch Holy Freaks. Ich dachte, da geht es nur um die Freaks in Indien oder sonst wo.

Bei den ersten Kapiteln, musste ich dann immer wieder über die Holy Freaks lachen. Mag es da um den Typen gegangen sein, der einfach nur den einen Arm nach oben hält. Oder der, der sich angeblich nur von der Sonne ernährt. Oder der Schmerzfresser oder wer es auch immer gewesen ist, dem Joannis Stefanidis auf der Reise begegnet ist. Es gibt dann doch immer wieder Punkte, die einen zum Überlegen zwingen. So die Begegnung mit Amy, die Frau die ihm bei der ersten Begegnung vollkommen den Kopf verdreht hat,  die aber in eine andere Richtung gereist ist und dort ihren Mann kennengelernt hat.

Mit ihr  pflegte er einen losen Emailverkehr und wurde sogar zur Hochzeit der beiden eingeladen.

Seine Begegnungen mit besonderen Personen, wie z. B. den Menschen mit dem Bettelelefanten, den er in Bangkok kennengelernt hat, wo gerade mal wieder die Rothemden gegen die Gelbhemden gekämpft haben und er nicht mit dem Flugzeug woanders hinfahren konnte, waren faszinierend

Dies sind alles Menschen, die den Autoren wahrscheinlich auch geprägt haben, da er mit offenen Augen und einem offenen Herzen unterwegs war., und so den Menschen die ihm begegnet sind, auch als solcher zu erkennen war. Mag es nun an der Art und Weise, wie er gelernt hat zu Meditieren gelegen haben, oder doch an den Bewusstseinserweiternden Mitteln, die er in Peru zu sich genommen hat unter Aufsicht eines Schamanen, alles hat ihn menschlich weitergebracht

Dies alles sind Punkte, die einem manchmal zu denken geben und manchmal wirklich erheitern. Aber und das muss ich nun mal aus meiner eigenen Erfahrung mitteilen, diese Dinge kann man auch dann erleben, wenn man hier offen auf Menschen zugeht.

Ich habe mich auf jeden Fall des Öfteren auch ein wenig dort wieder gefunden, wie den Augen von Amy, wo ich auch an Frauen gedacht habe, die mich bei meinen Reisen immer mal wieder kurz oder länger um den Verstand gebracht haben.

Alles in allem ein Buch, welches man gerne mal zwischendurch lesen kann, worüber man auch gerne mal lachen kann, aber es ist auch ein Buch, was einem andere Kulturen und Glauben etwas näher bringt. Auch wenn man es am Anfang vielleicht nicht so ganz glauben möchte, aber mich hat es dann doch im Nachgang ziemlich bewegt, auch wenn ich das am Anfang nicht so unbedingt für möglich gehalten habe.

Verlag: KNAUR

ISBN: 978-3-426-78819-6


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Interview mit Emanuel Bergmann (incl. Hör- & Leseprobe)

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  1. Herr Bergman, Ende Februar 2016 erscheint Ihr Debüt-Roman Der Trick, dessen Hauptfigur ein Bühnenzauberer ist. Können Sie selbst zaubern?

Nein, ich bin ein Tollpatsch. Wenn ich einen Hasen herzaubern würde, würde er mir wahrscheinlich in den Finger beißen und weghoppeln. Als Kind war ich aber von der Zauberkunst sehr fasziniert. Das ging uns wahrscheinlich allen so. Mein Vater hat mir, als ich noch sehr klein war, einen Trick gezeigt, bei dem er scheinbar seinen Daumen von der Hand abgetrennt hat. Davon träume ich heute noch! Ich habe meine Eltern bekniet, mir einen Zauberkasten zu kaufen, und dann mussten meine Verwandten ständig meine miserablen Zauber-Aufführungen ertragen. Als mein Vater mir dann gezeigt hat, wie der Trick mit dem Daumen funktioniert, war das noch faszinierender. Es war keine Entzauberung, sondern die Einsicht, dass es Mechanismen hinter den Mysterien gibt, hinter die man erst kommen muss.

 

  1. Ihr Roman hat zwei Erzählstränge: Da ist einerseits die Geschichte von Mosche Goldenhirsch aus Prag, der Ende der dreißiger Jahre in Berlin ein berühmter Zauberer wird unter dem Namen „Der große Zabbatini“. Und andererseits die Geschichte des elfjährigen Max, der im heutigen Los Angeles lebt und dem alt gewordenen Mosche begegnet. Die eine Geschichte spielt in Europa, die andere in den USA. Welche Geschichte stand am Anfang des Romans, womit haben Sie angefangen?

Ich wollte eine Geschichte schreiben, die beides in sich vereint, weil ich in mir selbst einen Widerspruch verspüre. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebe aber seit über zwanzig Jahren in Los Angeles. Auf der einen Seite spielt sich mein Leben also hier ab, in einer amerikanischen Stadt voller Chaos und fremder Kulturen, auf der anderen Seite fühle ich mich immer noch verwurzelt im alten Europa, wo man ständig auf die Relikte, Monumente, Ruinen der Geschichte stößt. Wenn ich in Kalifornien bin, fehlt mir Deutschland immer sehr. Aber wenn ich dann in Deutschland bin, geht mir nach einer Weile alles auf den Keks. Die Deutschen halten es für eine Tugend, schlechtgelaunt zu sein. Ich habe immer das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen. In dieser Kluft wollte ich die Geschichte ansiedeln.

 

  1. Wie entstand die Idee zu diesem Roman?

Da gab es ganz verschiedene Impulse. Unter anderem habe ich in einem jüdischen Monatsmagazin hier in Los Angeles einen Artikel über die Zauberkünstler im Berlin der dreißiger Jahre gelesen, den ich unglaublich interessant fand. Ich kenne das Milieu der Zauberer in Los Angeles ganz gut und war überrascht, wie ähnlich das damals war, und dachte mir, das wäre ja eine wunderbare Brücke zwischen den beiden Welten: das Milieu der Zauberei, und dazu der Gedanke der Emigration. Außerdem hatte ich damals einige Filme über Zauberkünstler gesehen habe, die ich sehr schlecht fand, klischiert, unglaubwürdig. Die Geschichte, dir mir vorschwebte, gab es einfach nicht, weder als Buch noch als Film. Also musste ich sie selber schreiben.

 

  1. Wie kommt es, dass Sie sich in der Zauberszene so gut auskennen?

Meine Exfrau war einige Zeit die Assistentin eines Bühnenzauberers, dadurch kam ich in das Milieu hinein. Ich habe viele Zauberer kennengelernt, alte und junge. Ich war häufig im Magic Castle, das ist ein Klub, der auch im Roman vorkommt. Da sitzen die Zauberer, erzählen sich Anekdoten aus vergangenen Zeiten oder giften sich an. Ich habe dort mal ein Duell der Magier miterlebt, zwei betrunkene Zauberer haben sich an der Bar gegenseitig angepöbelt. Zabbatini basiert unter anderem auf einem steinalten Varieté-Künstler, den ich mal auf einer Bühne in einem heruntergekommenen Theater in Downtown Los Angeles gesehen habe. Seine Show war ziemlich dämlich, er wurde vom Publikum völlig ignoriert. Und er tat mir leid.

  1. Und wie kam die zweite Hauptfigur des Romans, der elfjährige Max, ins Spiel?

Max bin im Grunde ich selbst. So war ich als Kind. Leichtgläubig und stur wie ein Bock. Es hat sich nicht viel geändert. Außerdem gibt es kein dankbareres Publikum für Zauberer als Kinder. Als Kind glaubst du noch an Wunder, an den Weihnachtsmann, an den Osterhasen. Die Eltern von Max stehen kurz vor der Scheidung, und der Junge ist fest davon überzeugt, dass der Große Zabbatini sie mit einem Liebeszauber wieder zusammenbringen kann. Beide Charaktere, Max und Zabbatini, haben jahrelang irgendwo in meinen Gedanken vor sich hingeschlummert, und eines Tages waren sie einfach da, völlig greifbar. Manchmal erscheinen mir meine Figuren im Traum und sprechen mit mir. Besonders Max hat mir eine Weile lang keine ruhige Nacht gegönnt, er hat ständig gequengelt.

 

  1. Wie sind Sie nach Los Angeles gekommen?

Mit dem Flugzeug und zwei schweren Koffern. Ich war zwanzig, ich wollte hier Film studieren. Ich sollte bei einem Bekannten übernachten, aber der hat das vergessen und war nicht da. Ich bin mit meinen Koffern durch die Stadt gelaufen, saß stundenlang in irgendwelchen Coffeeshops und war am Verzweifeln. Irgendwann ging ich in ein Motel am Sunset Boulevard, der Mann am Empfang hatte Mitleid mit mir, ich durfte dort eine Nacht bleiben, obwohl ich das Zimmer nicht bezahlen konnte. So fing es an. Es war eine aufregende Zeit. Ich habe viele Jahre am Rande der Filmindustrie gearbeitet und mich so durchgekrebst. Film hat mich, genau wie Zauberei, seit meiner Kindheit fasziniert. Aber im Laufe der Zeit musste ich einsehen, dass mir für das Filmemachen die Begabung fehlt. Außerdem ist Schreiben viel schöner. Beim Film muss man immer mit Widrigkeiten kämpfen, da hat man wieder das Problem der weghoppelnden Hasen. Aber wenn man schreibt, dann kann man einfach ins warme Wasser springen und sich treiben lassen. Man kann machen, was man will, es gibt keine Grenzen. Die einzige Grenze ist die eigene Vorstellungskraft, und die ist unerschöpflich.

  1. Gibt es Parallelen zwischen der Zauberei und der Literatur?

Beides dient der Verzauberung der Wirklichkeit. Es gibt in dem Roman eine Szene, wo erklärt wird, dass ein Zaubertrick wie eine Geschichte strukturiert ist. Geschichtenerzählen und Zauberei sind beide eine Form der Lüge. Eine Lüge, die wir brauchen, um nicht am Leben zu verzweifeln. Im Roman heißt es: eine schöne Lüge. Das beschäftigt mich sehr, das Thema der notwendigen, der schönen Lüge. Das Leben ist grausam, das Leben hat keine Struktur, wir alle kennen Schmerz, wir alle kennen Verlust und Verzweiflung. Und das Schreckliche ist, dass es so sinnlos ist. Es gibt keine höhere Erkenntnis, es gibt keine Belohnung, keinen Lutscher am Ende wie beim Zahnarzt. Deshalb müssen wir aus diesem Leid, in dem wir uns befinden, eine narrative Struktur erschaffen, eine Geschichte. Weil wir sonst am Chaos verzweifeln würden. Unser Lutscher ist die Lüge.

Hörprobe :

 

Leseprobe :

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