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Peggy

25. Juli 2016
von Eggi72
Keine Kommentare

Der Fall Peggy – INA JUNG, CHRISTOPH LEMMER

PeggyInhalt :

Die Geschichte eines Skandals

Ein Mädchen verschwindet. Ein Mann wird verurteilt. Ein Skandal beginnt.

Ein Fall, der das ganze Land bewegt: 2001 verschwand die 9-jährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Der geistig zurückgebliebene Ulvi Kulac wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Es gab keine Zeugen, keine DNA, keine Blutspuren, keine konkreten Beweise und vor allem – keine Leiche. Ina Jung und Christoph Lemmer, die über viele Jahre den Fall investigativ recherchiert haben, weisen nun nach, dass die Polizei gezielt auf die Verurteilung von Ulvi Kulac hingearbeitet hat – nicht, weil er der Täter war, sondern damit der Fall endlich zu den Akten gelegt werden kann. Kein Justizirrtum, sondern – schlimmer – ein systematisches Fehlurteil auf Betreiben von Politik und Justiz. Doch es gibt Hoffnung: 2014 wird das Verfahren wieder aufgenommen, auch dank der Recherchen des Autorenduos. Ina Jung und Christoph Lemmer erzählen in diesem Buch den Fall Peggy neu und mit bisher unbekannten Fakten – und decken eine beklemmende Wahrheit auf.

Was seit der Veröffentlichung dieses Buches geschehen ist, erfahren Sie im aktuellen Update „Der Fall Peggy – Die Wiederaufnahme“ – Das eBook ist überall im Online-Buchhandel erhältlich!

 

 

Rezension :

Manchmal bin ich geschockt, was ich nicht so richtig mitbekomme und manchmal ist es einfach so, dass ein Buch einem doch noch mal alles ins Gedächtnis ruft.

Mittlerweile ist Ulvi Kulac ja Gott sei dank aus der Haft entlassen und er hat einen Freispruch ersten Ranges erhalten! Aber wie das alles kam und was für ein Kampf das war, dass habe ich nicht wirklich mitbekommen. Teilweise, weil mich andere Dinge mehr interessiert haben und teilweise, weil mir das Thema irgendwann doch zu viel wurde.

Jetzt aber habe ich das Buch „Der Fall Peggy“ gelesen und ich war geschockt, wie eigentlich die Polizei und die Staatsanwaltschaft und sogar die Richter in diesem Fall gearbeitet haben. Es war wohl so, dass der öffentliche Druck in diesem Fall so stark war, dass sie die Politik als Legislative sowie die Exekutive beeinflusste. Man hat unbedingt einen Täter präsentieren wollen und da kam der geistig zurückgebliebene Ulvi Kulac scheinbar gerade recht.

Alles wurde so gestellt wie es gerade passte. Das Geständnis, welches Ulvi Kulac mehr oder weniger unter Druck untergeschoben wurde, wurde mit wirklich dubiosen Mitteln erzielt. Es wurden Zeugen nicht in die Verhandlung gelassen oder Zeugenaussagen einfach nicht zu den Akten hinzugefügt, um nur ein paar „Kleinigkeiten“ zu nennen.

Alles in allem hat man das Gefühl, dass man auf Teufel komm raus, einen Täter präsentieren wollte, weil man dachte, so kann man das Volk schneller ruhig stellen. Aber irgendwie war es dann doch anders. Das Volk, also wir, war nicht ruhig, sondern hat nicht geglaubt, dass Ulvi Kulac der Täter  ist. Auch wenn Ulvi auf Grund seiner Behinderung auch kein Unschuldslamm ist, aber er ist nun mal nicht der Mörder von Peggy, auch wenn das Gericht und die Polizei einem dies vermitteln wollten. Dafür ist er nun mal leider geistig zurückgeblieben.

Alles in allem ein Buch, welches man auch jetzt einfach mal lesen sollte, auch wenn nicht mehr alles so aktuell ist, vor allem das mit dem Justizirrtum ist ja mittlerweile geklärt worden, wobei da immer ein komischer Beigeschmack bleibt, auch wenn man gerade die Leiche von Peggy gefunden hat und bedenkt, dass Ulvi Kulac endlich aus der Haft entlassen wurde. Manchmal sollte man sich vielleicht einfach mal informieren, und bestimmte Dinge auf sich wirken lassen – und nicht immer alles einfach so akzeptieren, weil die Polizei oder Justiz sagt das ist so, auch wenn man es besser weiß oder wenn man vielleicht selbst in dieser Situation ist.

Ich will sicher nicht sagen, dass die Polizei oder die Staatsanwaltschaft generell so handelt. Sicher nicht! Ich denke, sie machen einen guten Job. Nur manchmal sollte man auch da etwas genauer hinschauen und gerade das wird in diesem Buch doch sehr deutlich.

Das Buch ist auch dafür geeignet, einfach noch mal alles was diesen Fall betrifft von einer etwas intensiveren Seite zu betrachten, oder um einfach noch mal alles was diesen Fall ausmacht in seinem Kopf zu sortieren. Gerade dafür ist dieses Buch zu 100% geeignet.

 

Verlag: Droemer – Knaur

ISBN: 978-3-426-27611-2

 

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Das Haus

21. Juli 2016
von Eggi72
Keine Kommentare

Das Haus der zwanzigtausend Bücher – Sasha Abramsky

Das HausInhalt :

 

Die Liebe eines Enkels zu seinem Großvater, ein Leben für Bücher und ein Salon voller Ideen

 

Ein Haus voller Bücher, in dem Abend für Abend eine illustre Gästeschar lebhaft diskutierte. Als Kind kam Sasha Abramsky dies ganz selbstverständlich vor. Erst viel später wurde ihm bewusst, welcher Schatz sich hinter der unauffälligen Fassade dieser Londoner Doppelhaushälfte verbarg: Sein Großvater Chimen, der 2010 hochbetagt starb, hatte im Laufe seines Lebens geschätzte zwanzigtausend Bücher zusammengetragen und eine der bedeutendsten Privatsammlungen Englands geschaffen – zugleich ein Spiegel der großen gesellschaftspolitischen Debatten des 20. Jahrhunderts.

Voller Zärtlichkeit erinnert sich Abramsky an seinen Großvater und dessen unvergleichliche Büchersammlung – ein einzigartiges Vermächtnis.

Mit Bildteil und einem Nachwort von Philipp Blom.

 

Rezension :

 

Irgendwie lässt mich dieses Buch nicht los. Ich musste es oft weglegen, um dann wieder weiterzulesen. Es beschreibt für mich eindrucksvoll die Liebe des Autors zu seinen Großeltern, die wirklich außergewöhnliches geleistet haben.

Man stelle sich ein Haus mit 20.000 Büchern vor, in denen es um Marxismus, Kommunismus und um das jüdische Erbe geht. Lauter Büchern, die eigentlich in ein Museum gehören, die eigentlich geschützt gehören, aber in einem ganz normalen Haus aufbewahrt und gelesen werden.

Sie wurden von einem Menschen gesammelt, der ganz genau weiß, was in diesen Büchern steht und es auch noch versteht, das ist bei Philosophen, zu denen Karl Marx ja auch, gehört nicht unbedingt leichte Kost.

Sasha Abramsky beschreibt, wie es seine Großeltern geschafft haben, die Bücher zu sammeln, und dann noch daraus ein Haus der Begegnung zu machen, in dem gegessen und geredet wurde.

Über das Gedankengut dieser Bücher hatte in dem Haus seine ganz persönliche Meinung und diese auch ihre Berechtigung. Soweit ich es sehe, war dieses Haus auch nicht nur das Haus der 20.000 Bücher, sondern es war auch ein Haus der Liebe und persönlichen Wärme, wo man ein gern gesehener Gast war und nicht das Gefühl bekam, dass man unwichtig ist. Dies ist zum einen Chimen zu verdanken gewesen, aber nicht weniger wichtig war seine Frau Mimi, die, so glaube ich erkennen zu können, eine wichtige Stütze für den Judaisten und Marxisten Chimen war. Man lernt ganz nebenbei sehr viel über das Judentum und auch über Marx, die Russischen Revolution und die Probleme, die man als Jude auch in Russland immer wieder hatte. Denn auch dort gab es Pogrome.

Alles in allem, ist es ein Buch, welches einem die Geschichte ein wenig näher bringt und auch ein Plädoyer für die Freiheit ist, nicht nur für das gedruckte Wort. Stellt euch mal vor, wie dieses Haus gewirkt hätte, wenn man gesagt hätte, das Haus der 20.000 Titel auf meinem E-Bookreader. Ich denke, dann hätte das Buch nie diese Wärme und Geborgenheit ausgestrahlt.

Apropos Buchdruck, auch darüber erfährt man einiges in diesem Werk. Es wird über die Veränderungen beim Drucken, den Unterschieden im Papier wo es Zentren des Buchdruckes gab, oder wo es früher viele Verlage gab und noch einiges mehr erzählt.

Ich habe vieles gelernt und in mich aufgenommen und habe mir mal wieder selber gezeigt, dass es ab und zu mal wichtig ist, zurück zu den Wurzeln zu kehren, um eine gewisse Lebensqualität beizubehalten, die auch darin bestehen kann, einfach mit anderen zu diskutieren und zusammen zu essen.

Für mich ist es eines der bewegendsten Bücher der letzten Monate, vielleicht auch eines der wichtigsten, da es einem die Geschichte vor Augen führt, die wir doch oft zu sehr vergessen. Es zeigt auch, dass wir immer wieder von andersdenkenden Menschen lernen können und es sinnvoll wäre, diese Leute nicht zu unterdrücken, sie in unserem Land zu lassen und etwas von ihrer Kultur und ihrem Glauben zu lernen.

Viele Dinge, die heute für uns wichtig sind, wären z.B. verlorengegangen, wenn das Dritte Reich es geschafft hätte, die Juden endgültig zu vernichten und zu vertreiben, oder die Autoren aus der Geschichte zu löschen, deren Bücher verbrannt wurden. Auch wenn  es nur ein Buch ist,  über das Haus der Bücher in London, was mir zeigt, dass ich doch auf dem richtigen Weg bin, auch wenn ich nie 20.000 Bücher mein eigen nennen werde.

 

Verlag: dtv – Verlag

ISBN: 978-3-423-28062-4


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