[Rezension] Einer muss doch anfangen! – Das Leben der Sophie Scholl – Werner Milstein

Einer muss doch anfangen von Werner Milstein

Inhalt:

„Man muss einen harten Geist und ein weiches Herz haben.“ (Sophie Scholl)

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Sophie Scholl ist eine der Symbolfiguren des Widerstands gegen Hitler. Werner Milstein portraitiert anlässlich des 100. Geburtstags am 9. Mai 2021 das Leben dieser faszinierenden Persönlichkeit und fragt, ob ihr Leben jungen Menschen, die nach Orientierung und Sinn suchen, heutzutage eine Hilfe sein kann.

Angereichert mit zahlreichen Quellen, Fotos und Querverweisen ist diese leicht zu lesende Biografie eine Fundgrube für Jugendliche, aber auch historisch interessierte Erwachsene.

Rezension:

Nun sitze ich hier und verdrücke doch noch einige Tränen, hole Luft und beruhige mich mal wieder. Wenn ich solche Biographien lese und dann höre wie, wie sich manche Menschen aktuell über „fehlende“ Grundreche wie Meinungs- und Pressefreiheit beschweren, werde einfach nur wütend, regelrecht aggressiv. Am liebsten würde ich Menschen wie diesen Querdenkern mal wieder entgegen brüllen: „Setzt euch mal mit den Personen auseinander, mit denen ihr euch vergleicht!“. Gut, dass diese Menschen mit ihren Vergleichen nicht recht haben, ist ja bekannt, aber es macht wütend und ist respektlos.

Aber ich wollte mich selbst informieren und als eine Rezensions- und Interviewanfrage bei mir zu Sophie Scholl eintrafen, war ich sofort dabei. Dies aber schon alleine deswegen, da ich gerne mehr über Widerstandsbewegungen im dritten Reich erfahren wollte.

Es gab noch viele mehr, als die Weiße Rose. Für mich als Pfadfinder ist es immer wieder interessant, dass viele Widerstandskämpfer vorher auch in der Bündischen Jugend oder bei den Pfadfindern waren, oder zumindest Verbindungen dazu hatten. Im Falle von Sophie Scholl, war es ihr Bruder, Hans Scholl, der Verbindungen zum dj 1.11. hatte. Und ich bin dann wieder froh, meine Juja zu tragen oder in der Kothe zu schlafen! Für mich ist es oft schlimm, Menschen mit einer anderen Gesinnung in der Juja zu sehen.

Werner Milstein fängt ganz vorne an und erzählt von Sophie Scholls Kindheit. Sie kam wohl aus einem besonderen Haus, in dem viel „entartete“ Literatur gelesen wurde, also Thomas Mann und Hermann Hesse, um nur zwei zu nennen.

Sophies Mutter war sehr christlich, speziell evangelisch geprägt. Ihr Vater war wohl so etwas wie eine gerade Persönlichkeit, der auch gerne für seine Meinung einstand, aber dabei immer versucht hat, für anderen Menschen da zu sein und das beste für andere herauszuholen.

Sophie Scholl und auch ihre anderen Geschwister, bis auf Werner, sind freiwillig in die HJ eingetreten. Ihr Bruder Werner hatte deswegen fast nicht sein Abi machen dürfen. Aber Sophie war mit Feuereifer dabei, sie fand es toll bei dem Bund Deutscher Mädchen, vor allem ihre Leiterin, fand sie gut, da diese einige Bündische Elemente in die Gruppen hat miteinfließen lassen. Da Sophie dies von ihren Brüdern schon kannte, war dies für sie erstmal gut.

Aber sie spürte doch recht schnell, dass nicht alles so toll war und begann dies alles zu hinterfragen, vor allem, weil sie merkte, dass dieses Regime ungerecht war. Da das Haus Scholl eine gewisse Weltoffenheit propagierte, machte sie im Gegenzug positive Erfahrungen mit verschiedenen Künstlern, Schriftstellern und Geistlichen.

Es gibt so vieles über dieses Buch zu berichten: ihre Liebe zu Fritz Hartnagel, die bis zu ihrer Verurteilung andauerte, auch wenn sie diese immer wieder hinterfragt hatte, ihren tiefen Glauben an Gott und an die Freiheit, Freundschaften, die sie immer gepflegt hatte und ihr Drang alles lesen und aufnehmen zu wollen, mag es Kunst sein, Bücher oder Musik, sie war für alles offen.

Sicherlich war sie kein einfacher Mensch, denn sie hat alles immer wieder hinterfragt und hat unwahrscheinlich vieles gemacht. Ich glaube, am meisten liebte sie die Kunst, besonders das Zeichnen. Im Buch sind einige von Sophie Scholl gezeichnete Bilder. Sie sind einfach, aber man muss sie betrachten.

Ich sitze hier und Frage mich, was war das besondere an ihr, warum zieht sie einen so in ihren Bann. Ich habe Fotos von ihr gesehen, die auch in diesem Buch sind. Ich glaube, dass diese Frau mich auch eingenommen hätte, nicht wegen ihres Äußeren, sondern eher wegen des Blicks, der so vielsagen ist, der selbst bei düsteren Bildern etwas aussagt.

Für mich ist es immer wieder faszinierend, was diese Menschen geleistet haben, wie sie versucht haben die Menschen wachzurütteln. Was ich interessant finde ist, dass es oft Menschen waren, die einen christlichen Glauben hatten, oder sich in bestimmten Gruppen getroffen haben. Sie wollten etwas positiv bewegen. Ich finde es wichtig, dass wir uns immer einen gewissen Widerstand erhalten, Dinge hinterfragen, nicht alles als Selbstverständlich hinnehmen und für unsere Meinung eintreten. Lasst uns den 9. Mai nehmen, den Geburtstag von Sophie Scholl, und gedenken wir ihrer. Gedenken wir ihrer, in dem wir unsere Demokratie vor Extremisten jeder Art schützen und lasst uns auch mal Bücher lesen, welche nicht auf den Bestsellerlisten stehen und die uns zum Denken anregen, und wie dieses Buch auch mal zum Weinen.

Verlag: Gütersloher Verlagshaus

ISBN: 978-3-579-07155-8

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