[Rezension] Wir waren Glückskinder – trotz allem. Eine deutsch-jüdische Familiengeschichte – Michael Wolffsohn

[Rezension] Wir waren Glückskinder – trotz allem. Eine deutsch-jüdische Familiengeschichte – Michael Wolffsohn 2

Inhalt:

Einmal Tel Aviv und zurück: die Geschichte einer Emigration

Thea Saalheimer war 17, als sie Anfang 1939 vor dem Naziterror nach Tel Aviv floh, wo sie sich in Max Wolffsohn verliebte. 15 Jahre später kehrten die beiden mit ihrem damals siebenjährigen Sohn, dem heutigen Historiker und Nahostexperten Michael Wolffsohn, nach Deutschland zurück. Wie erlebten Thea und ihre Familie den Nationalsozialismus und die Emigration – in ein Land, das ihnen in jeder Hinsicht fremd war? Wieso zogen sie ins Land der Täter zurück?

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Die Geschichte seiner Mutter und die seiner Kindheit erzählt Michael Wolffsohn in dieser Jugendbuchversion seiner ›Deutschjüdischen Glückskinder‹ unterhaltsam, voller erzählerischer Kraft und mit vielen Fakten über den Nationalsozialismus und die Geschichte der Juden.

Rezension:

Nun bin ich ja, was die deutsche Geschichte betrifft, und vor allem die Nazizeit, sehr wissbegierig. Und so bin ich gelegentlich auch einem Jugendbuch mehr als zugetan und irgendwie wollte ich ohnehin gerne mal ein Buch über die Juden im Dritten Reich lesen. Ja, ja, das hat er doch sicherlich schon gemacht. Klar findet ihr hier im Blog das eine oder andere zu dem Thema, aber jedes Buch beleuchtet das Thema anders und ein Jugendbuch hat nochmal einen anderen Stil.

Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es fehlt noch was und dann flog das Buch „Wir waren Glückskinder – trotz allem“ von Michael Wolffsohn in meine Wohnung. Und irgendwie war es dann da und ich wollte dann doch nicht so, ich glaube, das kennt jeder von uns. Gestern war es dann so weit, ich dachte, OK ein Jugendbuch mit einem gewissen Niveau wäre nicht verkehrt.

Und irgendwie passt es ja. Ich hatte in letzter Zeit Sophie Scholl und die DDR in meinem Blog und alles entstand ja aus diesem Trümmerfeld, dem Zweiten Weltkrieg. Ich fing also an, diese Familiengeschichte zu lesen. Erstmal begab ich mich mit dem Autoren in die Welt der Mutter, also nach Bamberg und man lernt diese Familie kennen. Da ist der Opa Justus und Oma Gretl und diese schloss ich sofort in mein Herz. Diese beiden kommen in diesem Buch so rüber wie Oma und Opa halt so sind, warmherzig, liebevoll, aber ab und zu mit der damaligen Strenge. Ich kenne dies noch von meiner Uroma und meinem Uropa. Die durfte ich genau so erleben.

Man lernt Nonnen als Lehrer kennen und das Leben in der Weimarer Republik so kurz vor der Machtübernahme der Nazis. Man lebt in diesem Buch als Jude so neben der katholischen Kirche, da alles irgendwie verwoben war, zumindest bei der Familie Saalheimer. Da war alles irgendwie so ausgelegt, dass man zwar gläubiger Jude war, aber gleichzeitig liebte man die Rostbratwürste in Nürnberg und ja ich kann verstehen, dass man diese Würstchen liebt, genauso wie in Coburg die Würstchen einfach gegessen werden müssen. Also hat Opa Justus Wert darauf gelegt, dass seine Kinder auch den katholischen Gottesdienst kennengelernt haben.

Nicht damit man den „richtigen“ Gottesdienst kennenlernte, nein damit man einfach weiß woran die anderen glauben. Es werden religiöse Symbole erklärt und im Besonderen immer wieder die jüdischen Dinge, wie z.B. den Davidstern.

Der Autor beschreibt intensiv die Gefühlslage der Familie Saalheimer, warum man nicht ausgewandert ist, also zumindest nicht gleich, wie es im Internat war, als Juden nur noch in jüdische Schulen gehen durften. So musste zum Beispiel Thea, die Mutter von Michael Wolffsohn, in Berlin zur Schule gehen, obwohl sie ja eigentlich aus Bamberg kam.

Es ist schwer zu verstehen, wie die Gefühlslage in der Reichskristallnacht war, so als junges jüdisches Mädchen im Besonderen, weit weg von zu Hause und dann die Flucht nach Britisch-Palästina, welches später zu Israel wurde, aber Wolffsohn bringt es einem wirklich näher.

Dann gibt es noch die Familie Wolffsohn, die im Gegensatz zur Familie Saalheimer recht reich ist. Karl Wolffsohn ist unter anderem der Besitzer der Lichtburg Essen und Berlin gewesen, sowie der Scala in Berlin und er war noch Herausgeber einer Kinozeitung. In diesem Fall beschreibt Michael Wolffsohn wie den Juden alles abgenommen wurde und auch wie diese Familie dann geflohen ist.

Auch das Leben in Britisch-Palästina wird beschrieben, die Kriege, die dort ausgetragen wurden, mit den Palästinensern aber auch den Briten. Es wird auch geschildert, wie oft sich die deutschen Juden wegen ihrer Kleidung sagen wir mal „blamiert“ haben. Wie das? Selber lesen!

Ich könnte noch vieles erzählen. Es ist spannend und flüssig zu lesen, wie diese beiden doch sehr unterschiedlichen Familien zusammenfinden und warum sie wieder zumindest zum Teil nach Deutschland zurückgekehrt sind. Mir wurde dieser Konflikt, der in Israel herrscht klarer, auch wenn ich sagen muss, mir ist jeder Konflikt, oder noch schlimmer Krieg, in dieser Welt zuwider!

Der Autor Michael Wolffsohn schreibt angenehm und begibt sich mit Jugendlichen auf Augenhöhe. Er läuft nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch die Gegend, sondern erklärt in einfachen, aber eindringlichen Worten. Es ist für mich ein Buch, welches man lesen sollte, wenn man die Judenproblematik im dritten Reich im Unterricht durchnimmt. Es sind Bilder aus dem Familienalbum integriert, was die Geschichte persönliche und nachvollziehbar macht. Mir hat dieses Buch die Juden etwas näher gebracht und vielleicht werde ich mal einen jüdischen Gottesdienst besuchen, wenn man mich lässt. Mich würde es zumindest sehr freuen, denn ich möchte sie besser kennenlernen, so wie es Opa Justus bei seinen Kindern und dem katholischen Glauben gemacht hat. Ich finde, man sollte auch mal anders glaubende Menschen kennenlernen. Denn ob man nun Christ ist, Jude oder Moslem, man glaubt doch irgendwie an den einen Gott. Man sollte dieses Buch lesen, damit sich die deutsche Geschichte nicht wiederholt.

Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-76331-8

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