Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann

[Rezension] Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? – Asfa-Wossen Asserate

Inhalt:

Eine persönliche Wortmeldung

Diese Stimme fehlte in der Rassismusdebatte

Die Flüchtlingskrise hat die Ängste und Sorgen in Deutschland vor einer »Überfremdung« neu geweckt. Zugleich werden Debatten über Political Correctness und Rassismus immer heftiger geführt. Die Corona-Pandemie mit ihren Folgen – weltweite Rezession, Zunahme von Armut, Kriegen und Flucht – droht, Konflikte weiter zu verschärfen. Wie können wir vernünftig umgehen mit diesen Sorgen? Der Schlüssel für gutes Zusammenleben, davon ist Asfa-Wossen Asserate überzeugt, ist die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Integration ist ein Prozess, ohne Zumutungen wird es nicht gehen – auch und besonders für jene, die sich nicht integrieren wollen.

Rezension:

Es war irgendwann im Oktober 2021 als Heike ankam und fragte, kennst du diesen Autoren und das Buch? Das was er in einem Interview sagte hat meine Gedanken wiedergespiegelt. Meine Antwort war erst nein, aber irgendwie kam ich dann doch an das Buch. Nachdem ich hier in Gießen bei „Lernwege und Spurensuche über Grenzen hinweg – Entwicklungspolitische Ansätze in der Kommune“ teilnahm, wo es auch um ein Miteinander ging und das voneinander lernen, und dort Menschen afrikanischer Herkunft kennenlernte, die mich vollkommen begeisterten, setzte ich mich dann doch hin und las das Buch.

Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt und schon beim ersten Kapitel hatte mich der Autor, es heißt „Schwarz und schön“. Es ging es um die schwarze Madonna, sowie Heilige im Allgemeinen, die auch schwarz sind oder waren. Ich habe in dem Moment schon so vieles über die eigene Geschichte und meinen Glauben gelernt, dass es sich schon alleine deswegen gelohnt hatte das Buch zu lesen.

In Kapitel 2 ging es um die Begrifflichkeiten Mohr und wie er zum Neger geworden ist. Mohr war noch nie für mich negativ und wird es nie sein. Der Sarotti-Mohr war immer wichtig für mich und ich habe die Schokolade geliebt. Auch bei Namen wie Mohrenstraße oder Mohrenapotheke etc. kann ich nichts Negatives empfinden. Ich kann allerdings sehr wohl verstehen, dass die stereotype Darstellung besonders der Gesichter als sehr kränkend empfunden wird.

Dass manche Menschen denken, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe dümmer seien als andere, da könnte ich gerade mal wieder sauer werden. Zum einen was ich da bei der besagten Fachkonferenz erlebte, ebenso wie dieses Buch, bestätigen einmal mehr, dass man vom Äußeren eines Menschen nicht auf seine Intelligenz schließen kann. Dieser Sprachestil und dieses Wissen von Asfa-Wossen Asserate sind auf einem sehr hohen Niveau. Man muss sich schon anstrengen, um dem ganzen folgen zu können.

Er ist in seinem Schreibstil nie von oben herab, aber es ist immer auch die Sprache der Dichter und Denker. Da kommen dann auch Hegel und Kant zu Wort und er passt sich der Sprache dieser Menschen auch an. Es wird immer wieder die alte Schreibweise von damals verwendet und auch die Ausdrucksweise, wenn sich der Autor in diese Zeiten bewegt. Es ist auch eine sprachliche Zeitreise.

Das Buch klärt so ganz nebenbei ein wenig über die Kolonialzeiten auf und wie sich die Europäer in Afrika verhalten haben. Und nein, auch die Deutschen haben sich nicht mit Ruhm bekleckert, im Gegenteil. Wir sind bei allem was wir machen immer perfektionistisch angehaucht und so auch beim Unterdrücken und Ausrotten ganzer Volksgruppen. Aber in dem Buch wird nie gesagt: seht euch an, was ihr da alles angestellt habt, sondern Asfa-Wossen Asserate klärt auf, wie manche Dinge einfach passiert sind und wie es dazu gekommen ist. Ich glaube, er will einfach dafür sorgen, dass wir unsere Dunklen Zeiten nicht vergessen und das ist leider nicht nur die Nazizeit, sondern auch vorher haben wir uns nicht immer gut verhalten.

Zum Abschluss klärt er auf, dass viele farbige Menschen, oder Menschen mit Migrationshintergrund, sich eher als Deutsche fühlen, denn als Afrikaner, Türke oder was auch immer. Ich hatte das Gefühl, er ist der Meinung, dass wir die Straßen und Häuser nicht umbenennen sollten, nur weil sie „Mohren“ im Namen haben. Oder Worte in Büchern umschreiben, nur weil es der Zeitgeist vielleicht gerade verlangt. Viel besser ist es glaube ich, wenn wir nicht alles so lassen, wie es ist, aber wir sollten es reflektieren, so verstehe ich auch den Autor des Buches. Ich bin der Meinung, dass wir vielleicht einen Teil unserer Geschichte vergessen, wenn wir manche Worte aus unserem Sprachgebrauch tilgen. Wir sollten ein Miteinander pflegen, einen Diskurs führen und uns gemeinsam bei einem Bier, Tee oder was auch immer kennenlernen und so Ängste abbauen. Jeder von uns kann stolz auf seine Kultur sein. Wir sollten einfach wieder mehr miteinander reden, und nicht jedes Koma und jedes Wort auf die Goldwaage legen, sondern mehr auf die Stimme und die Mimik des Gegenübers achten. Ich denke, dadurch kann der Rassismus abgebaut werden, und dann ist es auch egal, ob der Mensch nun Schwarz oder Weiß ist, oder welcher Religion er angehört. Ich kann mich noch gut an einem Tag der Offenen Tür bei einer äthiopischen Kaffeerösterei in Gießen erinnern. Da gab es den besten Kaffee, den ich je getrunken habe. Es gab auch ein Gericht mit Ziege, wenn ich mich recht erinnere in Milch gekocht, und das war so zart und schmackhaft und die Menschen waren so herzlich und warmherzig, dass dort allein dadurch schon Ängste abgebaut wurden.

Nein, man muss keine Angst vor dem Schwarzen Mann haben, aber man muss ihn mit Respekt behandeln, wie jeden anderen Menschen auch. Und ja, ich bin da sicherlich auch nicht immer perfekt, aber wer ist das schon? Es ist wichtig, dass man sich darum bemüht, jedem Menschen den Respekt entgegenzubringen, den man selbst erfahren möchte.

Und genau dies hat mir der Autor wieder nähergebracht. Er hat mich dazu gebracht, meine eigene Einstellung zu reflektieren. Ganz nebenbei wurde mir auch klar, dass Menschen wie der Autor teilweise wohl „deutscher“ fühlen und denken wie wir weißen, die wir Urdeutsch sind. Vielleicht haben diese Menschen unser Grundgesetz mehr verinnerlicht, als wir selbst und tragen es somit auch immer in ihrem Herzen. Also lasst uns Ängste abbauen voneinander lernen und voneinander profitieren.

Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-26314-6

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