Das Streuobstkochbuch

[Rezension] Das Streuobstkochbuch – Arbeitsloseninitiative Gießen e.V.

Klappentext:

Das Streuobstkochbuch. Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Quitte, Walnuss und Wildobst – das Streuobstkochbuch bietet vielfältige Rezepte mit heimischen Obstsorten von herzhaft bis süß. Ob klassische Konfitüre, veganer Kuchen, Suppe, Gratin, Saft oder ein herzhafter Braten – bei den 102 Rezepten ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die Mehrzahl der Rezepte ist vegetarisch, viele sind vegan. Alle Rezepte sind mit Fotos versehen.
Gesammelt und erprobt wurden sie von der Arbeitsloseninitiative Gießen. Der gemeinnützige Verein betreut seit mehreren Jahren eine Streuobstwiese und bietet hier Erwerbslosen ein abwechslungsreiches Beteiligungs- und Beschäftigungsprojekt an. Mit der Pflege der Wiese trägt er gleichermaßen zum Erhalt eines wertvollen Naturraums bei. Informationen rund um Ernte, Lagerung und Verarbeitung der Obstsorten runden den Ratgeber ab.

Rezension:

Streuobstwiesen sind in mehrerer Hinsicht ein besonderes Kulturgut. Zum einen bieten sie vielen tausend Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, zum anderen werden hier auch oft alte Obstsorten erhalten, die wiederum die Geschmacksvielfalt von heimischem Obst bereichern. Mir war ehrlich gesagt nicht bekannt, dass die Stadt Gießen Streuobstwiesen hat und dass die Arbeitsloseninitiative sich um Deren Erhalt und Bewirtschaftung kümmert. Ich finde es toll, dass es so etwas gibt.

Zum Anfang erfährt man kurz etwas über dieses Projekt der Arbeitsloseninitiative Gießen e.V. und die Entstehung dieses Buches. Anschließend wird einiges über die traditionelle Streuobstwiese erklärt. Einige Verweise auf weiterführende Seiten im Internet und regionale Keltereien finde ich sehr hilfreich. Damit ist das Buch nicht nur für den Leser aus der Gießener Umgebung, sondern auch im ganzen deutschsprachigen Raum Hilfreich. Die Rezepte sind ohnehin nicht regional begrenzt. Sie sind sehr übersichtlich nach Früchten aufgeteilt und am Beginn jeden Kapitels wird die Obstsorte kurz vorgestellt.

Vieles hat mich an meine Oma erinnert. Im Sommer war es völlig normal, dass Freunde, die Baumgrundstücke hatten spontan mit größeren Körben Äpfel, Birnen, Pflaumen oder Kirschen in der Tür standen. Dann wurde schnell geschaut, welche Qualität das Obst hatte und was man noch daraus machen konnte. Für meine Oma war es absolut undenkbar, einen Apfel wegzuwerfen nur, weil er eine faulige Stelle hatte. Das wurde rausgeschnitten. Der Rest war ja noch gut. Solche „Plotzäpfel“, sie waren vom Baum gefallen und „aufgeplotzt“ wurde meistens zu Apfelbrei und Apfelkuchen (S. 48) verarbeitet. Im Gegensatz zum Rezept auf Seite 22 haben wir immer die Schale drangelassen und alles durch ein Sieb durchgeleiert. Mittlerweile sieht man solche Passiersiebe sogar wieder in Geschäften. Besonders gut schmeckt das natürlich zu Kartoffelpfannkuchen. Das Rezept von Seite 23 ist Original das gleiche, wie meine Mutter es von meiner Oma übernommen hat. Ich persönlich liebe die Apfelpfannkuchen (S. 28) und den Rote-Beete-Salat mit Apfel (S. 38). Wenn man in den Salat noch etwas Feta reinbröselt, ist es eine komplette Mahlzeit. Viele Rezepte sind klassisch, traditionell, aber es gibt auch einige neue, etwas Ausgefallenere. Das winterliche Curry mit Äpfeln und Erdnüssen hätte ich meiner Oma gerne mal gekocht. Es klingt sehr lecker und steht für nächste Woche auf meiner Liste.

Birnen wurden bei uns meistens eingekocht, wie es auf Seite 56 beschrieben wird. Da hat sich wenig geändert, weil es einfach gut ist. Das gab es oft als Nachtisch im Winter. Er grüne Smoothie von Seite 65 ist auch extrem lecker. Allergiker lassen einfach den Sellerie raus. Schmeckt prima. Wenn man keinen richtig starken Mixer hat, kann man aus den gleichen Zutaten auch einen extrem leckeren Salat machen. Mit einer Vinaigrette wie auf Seite 60 oder 85 schmeckt das richtig gut.

Auch Kirschen wurden meistens eingekocht, weil das entkernen schon recht arbeitsintensiv ist. Aber auch Kirschkonfitüre (S. 71) gab es für den Winter. Quarkauflauf mit Kirschen (S. 76) mochte ich immer besonders gerne. Der Kammbraten mit Kirschsoße (S. 78) klingt sehr lecker und ich freue mich schon auf den Sommer. Mit frischen Kirschen schmeckt es bestimmt herrlich.

Das beste was eine Pflaume/Zwetschge werden kann ist meiner Meinung nach ein Zwetschgenkuchen mit Streuseln (S. 88) oder Pflaumenmus (S. 92), oder wie ich es kenne Quetschehoingk. Je nachdem wie süß die Früchte sind, braucht man manchmal fast gar keinen Zucker. Auch die anderen Rezepte klingen sehr lecker. Auf den Mirabellenkompott mit Mascarponecreme (S. 89) freue ich mich schon. Leider muss ich mit dem Testen noch bis zum Herbst warten. Zwetschgen und Mirabellen sich einfach am besten, wenn sie hier Saison haben.

Die Quittenrezepte hätte ich im Herbst gut gebrauchen können. Da hatte mir eine Freundin einen großen Eimer Quitten gegeben. Klar habe ich ein Quittengelee wie auf Seite 98 gekocht, aber auf Ideen wie Quitten-Süßkartoffel-Suppe (S. 99) oder Chili con Carne mit Quitten (S. 100) bin weder ich noch das Internet gekommen. Hoffentlich hat meine Freundin im nächsten Herbst wieder mehr Quitten als sie verarbeiten kann.

Die Rezepte mit Walnüssen sind auch sehr schön, aber die Rezepte zum Wildobst haben mich besonders gefreut. Holunder ist etwas Tolles und mehr als nur Holunderblütensirup. Holundersaft (S. 131) ist etwas ganz Besonderes und mit Sprudel herrlich erfrischend, wenn es extrem warm ist. Die Brombeerschnecken (S. 126) werde ich gewiss machen, wenn unsere Brombeeren reif sind. Die Importware im Supermarkt ist einfach nicht aromatisch genug. Das würde auch der Idee des Buches widersprechen. Es geht hier bewusst um heimisches Streuobst mit heimischen Sorten. Für mich gibt es zwei gute Gründe regional und saisonal zu kochen, erstens schmeckt es besser, weil die Früchte nicht unreif geerntet werden und zweitens ist es günstiger. Ein Kaiser-Friedrich, oder eine Renette, schmeckt viel aromatischer als ein Granny Smith, der sich auch nicht für Kuchen und Kompott eignet. Wenn Kirschen im Garten reif sind, schmecken sie viel besser und es kostet auch weniger, wenn man öffentlichen Möglichkeiten zum selberpflücken nutzt. Holunder und Hagebutten wachsen auch einfach am Wegesrand. Aber beachten. Pflücken ist nur zum Eigenbedarf gestattet. Man sollte auch dabei immer an die Tiere denken, die auch davon leben.

Insgesamt sind die Rezepte klar strukturiert und einfach beschrieben. Selbst wenn man bisher noch nicht viel mehr als Kartoffeln und Kaffee gekocht hat, kann man den Beschreibungen gut folgen und die Rezepte nachkochen. Ich finde es auch gut, dass zum Ende eines Kapitels darauf hingewiesen wird, welche anderen Rezepte man auch mit diesem Obst statt mit den eigentlich angegebenen machen kann. Insgesamt ein sehr gelungenes Kochbuch, das sowohl altbekannte als auch neue Rezepte für heimisches Obst bietet. Wenn man sich an der Saison orientiert sind die Rezepte auch zudem noch kostengünstig. Brombeeren im Winter sind außerdem weder geschmacklich ein Genuss, noch ökologisch sinnvoll und sie sind obendrein extrem teuer.

Als positiver Nebeneffekt des Buchkaufs unterstützen sie auch Menschen mit einem kleineren Geldbeutel. „Vom Erlös werden Gutscheine erstellt, die an Menschen mit wenig Geld ausgegeben werden, die damit das Buch stark vergünstigt erhalten können.“ (S. 5) Wenn man mit einem guten Buch eine gute Sache unterstütz, finde ich ist das ein sehr starkes Kaufargument! Mit 17 € ist dieses Kochbuch ein Schnapper. Haben sie eigentlich schon alle Ostergeschenke?

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