Was wir verschweigen

[Rezension] Was wir verschweigen – Arttu Tuominen

Klappentext:

„Freundschaft hat nichts mit Recht oder Schuld zu tun. Das wüssten Sie, wenn Sie auch nur einmal in Ihrem Leben jemanden gekannt hätten, dem Sie bedingungslos vertrauen konnten.“

Pori, Finnland. An einem stürmischen Herbsttag wird ein sturzbetrunkener Mann mit mehreren Messerstichen in einem Holzhaus ermordet. Ein typisch finnischer Mord – so der lakonische Kommentar der hinzugerufenen Kommissare. Der Fall scheint zunächst schnell gelöst: Im nahe gelegenen Wald wird noch am gleichen Abend ein verdächtiger Mann festgenommen.

Doch für den Ermittler Jari Paloviita entpuppt sich der Mord als schwierigster Fall seines Lebens. Der Verdächtige war in der Jugend sein allerbester Freund. Und Jari Paloviita verdankt ihm sein Leben …

Rezension:

Dies ist ein Thriller mit dem ich mir schwer tue. Dass Thriller aus Skandinavien immer wieder sehr depressiv sein können, ist allgemein bekannt. Aber mit Jari Paloviita und seinem Freund Antti haben wir eine ganz eigene Kategorie.

Aber nun mal ganz langsam. Antti ist der beste Freund aus Kindheitstagen von Jari, dem Kommissar der Stadt Pori, Antti hat bei einem Gelage einen Mann mit dem Messer umgebracht. Also wie sagt der Klappentext ein “typischer finnischer Mord“. Was das Ganze für Jari schwieriger macht ist, dass es sein ehemals bester Freund aus Kindheitstagen ist, der als Mörder verdächtig ist. Dieser Mann, den Antti getötet hat, ist auch noch der Mobber aus Kindheitstagen. Da stellt sich spontan der Gedanke ein, dass es keinen falschen getroffen hat.

Wie das nun mal so ist, man hat mit seinen Kindheitsfreunden immer eine besondere Verbindung. Für mich ist es auch immer wieder schwierig, gewisse Handlungen von Kindheits- und Jugendfreunden zu verstehen oder ich verzeihe ihnen immer mehr als anderen. Dies liegt einfach an der besonderen Freundschaft.

Man bekommt immer wieder auch die Freundschaft und die Feindschaft bei diesem Buch erklärt, da dieses Buch einmal 2018 spielt also im Heute und jetzt und 1991 also in der Vergangenheit und der Kindheit der beiden. Man lernt auch die Person kennen, die umgebracht wurde, aber auch die Familie von Antti und diese Verbundenheit zu Jari.

Aber man merkt auch diese latent depressive Grundstimmung bei den Beteiligten. Jaris Team bei der Polizei hat auch nicht gerade besondere Sympathieträger. Alle haben mit ihren Problemen zu kämpfen.

Es gibt keinen wirklichen Lichtblick. Da gibt es Jari, der nicht wirklich glücklich in seiner Beziehung ist und vieles mit sich ausmacht, Antti, der auf der Straße oder im Gefängnis lebt und wohl alle Träume, die man als Kind hatte, begraben hat. Da gibt es Menschen mit Waschzwängen oder einem starken Alkoholproblem. Alle sind irgendwie verkrachte Existenzen und ja, dieser Thriller wirkt laufend nach. Er beschäftigte mich auch nachts beim Schlafen und ja, ich kam nicht so schnell vorwärts wie sonst.

Dies liegt zum einen an der düsteren Grundstimmung, aber wahrscheinlich auch an meiner eigenen Grundstimmung, schließlich habe ich dieses Buch während der Coronazeit gelesen, wo man einfach froh ist, etwas Ablenkung zu haben und dann fing auch noch der Ukrainekrieg an, und ich wusste, dass ein paar meiner Bekannten nun im Krieg leben. Dazu noch ein paar Dinge in dem Buch, die man an sich selbst kennt, und dann kann es einen schon runterziehen.

Für mich ein Buch über Freundschaft und die Frage, wie weit will ich gehen und wann will ich nicht mehr schweigen, sondern meinem Umfeld auch mal sagen, ich habe mit dem Fall dies und jenes Problem. Schweigen ist, egal was es ist, wenn es einen bedrückt, nie die richtige Option.

Der Thriller ist sicherlich lesenswert, aber für mich war er in der aktuellen Situation schwer zu lesen und zu verarbeiten. Und ja, ich würde Arttu Tuominen noch eine weitere Chance geben, aber wie gesagt dieser Thriller, dazu Corona und der Ukrainekonflikt, das war für mich sehr schwierig.

Stellt euch bitte einfach die Frage, wie stabil ist meine Psyche und kann ich über 400 Seiten Einblicke in die dunkle Seite der Seele ertragen. Wie gesagt, bei mir war es in diesem Fall schwierig, aber vielleicht fällt es euch, wie vielen anderen, wesentlich leichter als mir.

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