Am dunklen Wasser

[Rezension] Akte Nordsee – Am dunklen Wasser – Eva Almstädt

Klappentext:

Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, eine renitente 14-jährige Nichte und der leichtsinnige Bruder den letzten Nerv. Als Fentje beauftragt wird, einen jungen Mann zu vertreten, der des Mordes an seiner Freundin verdächtigt wird, stößt sie auf einen alten, sehr ähnlichen Fall. Fast zeitgleich verschwinden zwei Schülerinnen aus einem nahe gelegenen Internat. Bei ihren Nachforschungen lernt sie den weltgewandten, ehrgeizigen Journalisten Niklas John kennen. Trotz unterschiedlicher Ziele beginnen sie gemeinsam zu ermitteln …

Rezension:

Die letzten Wochen hatten es Bücher nicht immer einfach mit mir. Da war ein Europapokalsieg meiner Lieblingsmannschaft und dann der Tod meiner Oma, also irgendwie war ich gefühlstechnisch nicht so gut drauf und dies habe ich in meinem Leseflow stark gemerkt. Aber irgendwie hat mich das Buch von Eva Almstädt trotz allen anderen Ereignissen ständig beschäftigt. Die Figuren Fentje Jacobsen und Niklas John ließen mich nicht wirklich los.

Und so näherte ich mich immer mehr meinem normalen Flow. Mal war es nur ein Kapitel, dann mal zwei und dann wieder nur eines. Irgendwann bin ich dann in einen Flow gekommen und dieses Buch ließ mich nicht mehr los.

Da ist zum einen der eine Fall, in dem die junge Lehrerin Sabrina von ihrem Freund und Fentje Jacobsen aufgehängt in ihrem Garten gefunden wird. Er wird schnell als der Mörder seiner Freundin abgestempelt, denn Fentje hatte ihn auf einer ihrer Schafsweiden ohnmächtig gefunden.

Da ist ein Pastor, der mit der Lehrerin Sabrina auf Föhr die sprechenden Steine studierte und auf die Familiengeschichte des Reeders Ohmsen gestoßen ist, die nicht wirklich vorteilhaft für den alten Reeder ist. Dieser Pastor stirbt nach dem Sturz von der Treppe zur Empore in seiner Kirche. Er hat sich das Genick gebrochen.

Zwischendurch sind auch noch zwei Schülerinnen aus dem Internat verschwunden, in dem die Lehrerin Sabrina arbeitete. Es ist wie beim Überraschungs-Ei: gleich drei Fälle auf einmal! Dazu eine Anwältin, die einfach die Wahrheit herausfinden möchte und ein Journalist, der sich von Fentjes Gerechtigkeitssinn anstecken lässt.

Dass es bei den beiden auch ein wenig knistert, geschenkt. Dass eine Oma immer wieder versucht, ihre ledige Enkelin zu verkuppeln, kommt mir irgendwie sehr bekannt vor.

Eva Almstädt schickt einen erstmal auf eine komplett falsche Fährte oder viel mehr, es gibt keine wirkliche Fährte. Es ist eher so dieses Gefühl, da ist noch mehr, da ist etwas Dunkles. Es wird einem auch nicht sofort klar, wie das ganze zusammenhängt.

Als dann auch noch der Tod von Clara, Fentjes bester Freundin immer mehr zum Thema wird, wird die Gefühlswelt von Fentje immer verzwickter. Dazu kommt diese latente erotische Spannung zwischen ihr und Niklas. Dies erzeugt einige spannende und auch lustige Situationen.

Überzeugt hat mich zum einen die Sprache, die sowohl warmherzig ist, als auch einen immer wieder Gelegenheit zum Schmunzeln gibt, da man sich auch mal selbst in den Situationen wiedererkennt. Zum anderen überzeugt die Struktur des Krimis. Man wird immer wieder auf falsche Fährten gesetzt, die einen auch bei dem eigentlichen Fall mit der Lehrerin aufs falsche Pferd setzen lässt.

Da sind Familien, wie sie jeder irgendwie kennt. Es gibt diese warmherzigen Familien, aber auch diese reiche Familien, die irgendwie ein wenig kühler sind. Auch wenn es vielleicht ein wenig klischeehaft erscheint, finde ich es zutreffend. Da gibt es Menschen, die berechnend sind, eine Nichte, die es faustdick hinter den Ohren hat und gerade somit ihrer Tante hilft. Es gibt einen undurchsichtigen Kneipenbesitzer, der aber auch das Herz auf dem rechten Fleck zu haben scheint. Es gibt einfach viele gut strukturierte Charaktere.

Es ist ein gelungener Krimi, der einen guten Auftakt in eine neue Reihe bietet. Es findet zwar alles am dunklen Wasser statt, aber es ist kein düsterer Krimi, sondern einfach ein gut zu lesender und wegzusuchtender Roman. Es sind etwas über 400 Seiten und man wird darin intelligent, spannend und humorvoll unterhalten. Gerne mehr davon! Ich hoffe, Fentje und Niklas finden noch oft zusammen. Ich freue mich, noch ein paarmal an die Nordsee zu fahren, zumindest in meiner Fantasie.

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