Caterina Cornaro

[Oper] Kennt ihr Caterina Cornaro von Gaetano Donizetti?

Dies ist jetzt eine ganz ernst gemeinte Frage, kennt ihr „Caterina Cornaro“ von Donizetti? Also ich für meinen Teil kannte Sie bist jetzt nicht und ja, ich war etwas überfordert, als ich eine E-Mail vom Stadttheater Gießen bekam, so ungefähr mit den Worten, schauen Sie sich doch mal die Oper an! Und nein keine Angst, man bezahlt mich nicht dafür, dass ich mir dieses Stück ansehe.

Ich habe mir also am Freitag vorbereitend noch mal schnell bei einem Streamingservice Caterina Cornaro in einer Version vom BBC Symphony Orchestra angehört. Klang nicht schlecht. Es hat mir sofort gefallen. Diese Musik von Donizetti ging mir sofort ins Ohr. Also gab es schon eine große Vorfreude auf den Abend, aber so ein wenig war der Gedanke, kann das Stadttheater Gießen da mithalten?

Ich bin also mit meiner Lektorin Heike ins Stadttheater gefahren. Die Karten bekam ich von der Presseabteilung des Stadttheaters und wir waren schon etwas knapp dran für die Einführung, die von Ann-Christine Mecke gemacht wurde. So ein bisschen hat man ihr angemerkt, dass sie leicht nervös war, aber sie hat trotzdem so einige Dinge über die Oper von Donizetti sehr gut erklärt, die geschichtlichen Zusammenhänge und auch die Schwierigkeiten, die Donizetti mit dieser Oper hatte. Da sollten bestimmte Teile nicht gezeigt werden, da es zur damaligen Zeit nicht angemessen erschien. Sie erzählte auch, dass die Oper erstmal ein Misserfolg war, und dass der Komponist bei der Inszenierung der Oper leider nicht dabei war. Alles Dinge, die die künstlerische Ausarbeitung etwas schwieriger machten, zumal eine Oper oder Theater im allgemeinen, dass gesellschaftliche Leben einer Stadt mit geprägt hat. Wenn die Uraufführung floppt, warum soll man dann die Oper noch weiter aufführen? Zumal der zweite Versuch einer szenischen Aufführung auch nicht von Erfolg gekrönt war.

Nun gab es vor der Aufführung heute am 26.11.2022 auch noch keine szenische Darstellung von Donizettis Caterina Cornaro in Deutschland, sondern nur konzertante Aufführungen. Also war ich heute bei einer wirklichen Deutschlandpremiere dabei.

Nach zwei Jahren ohne das Stadttheater, war es schon etwas Besonderes, wieder im Großen Haus zu sein. Die Oper fing schon toll an. Es gab einen kleinen Film als Einstieg in die Handlung mit Bilder von Game of Thrones und den Muppets, dazu ein gelungener Text, der einem die Oper und das Leben von Caterina Cornaro nähergebracht hat. Da war sicherlich der ein oder andere Schmunzler dabei.

Wer dachte, dass dies das Highlight war, der wurde in den nächsten Stunden eines Besseren belehrt. Man muss sich vorstellen, dass dort eine Hochzeitsfeier im Gange ist. Caterina Cornaro, gesungen und gespielt von Julia Araùjo, will ihren Gerardo heiraten, der von Younggi Moses Do gesungen und gespielt wird. Diese beiden zusammen sind einfach ein Genuss, so wie sie singen und wie sie es darstellen. Ehrlich, ich bin noch immer Stunden später vollkommen hin und weg. Dazu dieser Opernchor und der Extrachor des Stadttheaters, was für Stimmen sind das denn?! Alleine wegen dieses Anfangs, großes Theater! Es ist eine klassische Hochzeit in eine moderne Form gebracht. Dazu die Musik des Symphonieorchesters und der Gesang, dieser Stimme! Auch diese Mimik von Andrea Cornaro, dem Vater von Caterina, als er seiner Tochter sagen muss, dass der Rat der Stadt Venedig anordnet, dass sie nicht ihren geliebten Gerado heiraten darf, sondern den König von Zypern, ist bewegend. Wie dies Tomi Wendt rüberbringt! ich weiß nicht, wie man es besser machen könnte. Dass die Hochzeitsgesellschaft nicht begeistert war, ist auch klar und so wurde Caterinas Vater mit Essen beworfen. So eine Kuchenschlacht auf der Bühne hat schon was.

Komme ich nun zu diesem Kleid, welches Caterina Cornaro trägt. Es ist extra für dieses Stück angefertigt worden. Wirklich ein absolut klassisches Stück aus edlem Seidenbrokat, der diese anfangs moderne Braut auch optisch in die Zwänge einer archaischen Gesellschaft presst. Alleine wegen dieses Kleides, welches sie trägt, könnte man in dieses Stück gehen, aber das würde dieser Oper nicht gerecht, vor allem nicht dieser Aufführung. Ich habe es selten bis nie erlebt, dass zwischendrin immer wieder applaudiert wurde. Hier schon, weil diese Schauspieler und Sänger einfach grandios sind. Clarke Ruth, der den Bösewicht spielt, der in diesem Stück Mocenigo heißt, der eine faszinierende Stimme hat und dem man auf der Bühne auch den Fiesling abnimmt. Dabei strahlt er sogar diese besondere Faszination des Bösen aus. Man weiß er ist hier der Schurke, aber er wirkt unheimlich anziehend.

Da ist Lusignano, der König von Zypern, den Caterina statt ihres Gerado heiraten soll. Ich hatte so einen schmierigen Typen erwartet, aber irgendwie hat ihn Donizetti, oder Regie und Dramaturgie des Stadttheaters, liebenswert gezeichnet. Oder es lag an dem Schauspieler und Sänger Grga Peroš? Ich kann es nicht sagen. Ich hatte echt, auch wenn ich des Italienischen nicht mächtig bin, mit meinen Emotionen zu kämpfen. Ich habe mich immer mehr auf das konzentriert, was auf der Bühne stattfand, als auf die Übertitel, welche gut lesbar angezeigt wurden und wie es so üblich ist auf Deutsch waren.

Es war für mich nicht möglich, nicht fasziniert zu sein, von dem was da auf der Bühne stattfand. Das lag weniger an dem Bühnenbild, welches eher einfach zu sein scheint, was aber auch trotzdem sicherlich technisch schwierig zu bewerkstelligen war.

Es war dieser Gesang, dieses Schauspiel, welches mich mitgenommen hat, diese Emotionen, diese Trauer, diese Nachdenklichkeit, diese Stärke der Personen oder auch wie der Krieg auf die Bühne gebracht wurde.

Man wusste immer genau, was stattfindet. Es war wie ein guter Film oder gutes Buch mit genau den Tempowechseln, welche man so benötigt um einzutauchen und sich zu verlieren. Die Musik ist zum einen kraftvoll aber auch zart. Das Schauspiel ist auf den Punkt und nie übertrieben. Zu Beginn war eine leichte Anspannung zu spüren, die mir die Sänger und Musiker besonders sympathisch gemacht hat. Das gehört besonders bei einer Premiere dazu und zeigt eigentlich nur die emotionale Verbundenheit der Künstler mit dem Stück.

Vollkommen egal ich bin noch immer wie im Paradies, denn so etwas hätte ich von unserem kleinen Stadttheater nicht erwartet. Denn, und dies wird mir von Minute zu Minute klarer, ich hatte ja Angst, dass unser Stadttheater nicht so gut ist wie das BBC Symphony Orchestra. Ganz ehrlich, was will ich mit diesem Symphonieorchester? Wir haben das Stadttheater Gießen mit einem tollen Symphonieorchester und wirklich richtig guten und tollen Sängern und Schauspielern. Und noch etwas, liebe HR2 Kultur, Klassikradio oder wer auch immer sich dies durchliest: Wie wäre es mal mit einem Besuch im Stadttheater Gießen? Vielleicht kann man ja auch mal dieses Stück ins Radio oder Fernsehen in der Version des Stadttheaters Gießen bringen? Anhand dessen, dass ich heute auch viele Jüngere in der Vorstellung gesehen habe, denke ich, dass dies vielleicht nicht so schlecht wäre. Man muss nicht immer auf die ganz großen Theater schauen, wenn das genauso gute doch so nahe ist. Ich bin glücklich, dass ich diese besondere Oper kennenlernen durfte! Wie wäre es, wenn auch Sie mal vorbeischauen? Es lohnt sich.

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