Alp Arslan – Verdammt schwer, aber verdammt gut

Alp Arslan – Verdammt schwer, aber verdammt gut

6. Mai 2019 1 Von Markus

Diesmal waren wir zu zweit im Theater und wir kamen in den Genuss einer Uraufführung im Stadttheater Gießen. Es wurde „Alp Arslan“, eine Oper von Richard van Schoor gespielt. Das Stück versteht sich als ein Requiem für Aleppo mit einem Libretto von Wilem Bruls. Es ist die erste abendfüllende Oper, welche im Auftrag des Stadttheater Gießen geschrieben wurde.

So eine gewisse Nervosität war bei mir schon zu spüren, da es ja eine Uraufführung war. Die Musik war schon etwas moderner und ich fragte mich schon vorher, ob mir die Musik gefallen könnte, ob ich dem gesungenen Wort richtig folgen kann, oder ob es mir so schwerfällt wie früher z.B. beim „Freischütz“. Werde ich der Handlung folgen können und wie sehr spricht mich das Stück an, ist das Bühnenbild zu modern und passen die Kostüme?

Dies alles sind Fragen, die ich mir schon vor der Oper gestellt habe und auf die ich im laufe des Abends antworten bekommen habe. Fange ich mal bei der Musik an. Am Anfang habe ich mir etwas schwergetan, zum einen mit den Dissonanzen und der Falsettstimme von Denis Lakey als Loulou, dem Eunuchen und mächtigen Berater von Alp Arslan dem Sultan von Aleppo, gespielt von Daniel Arnaldos. Ich hatte ich mir am Anfang etwas schwer getan mit Loulou, nicht, weil ich das was er gesungen hatte nicht verstanden habe, sondern weil mein Gehör sich einfach an die Stimme gewöhnen musste.

Der im Sterben liegende Ridwan war etwas schwer zu verstehen, da das Orchester etwas lauter war als er. Was aber irgendwie auch klar ist, da Ridwan ja im Sterben lag. Ich fand ihn ein wenig zu leise, Heike fand es klar und verständlich, da sind wir wieder bei der Bewertung. Jeder empfindet es anders und Musik, im besonderen Opern, kann man nur schwer objektiv beurteilen. Man hat immer eigene persönliche Empfindungen und dies wird auch immer so bleiben und es ist gut so.

Rena Kleifeld als Alp Arslans Großmutter und Marie Seidler als seine Mutter hatten für mich teilweise eine sehr starke Bühnenpräsenz. Glasklare Stimmen obwohl sie auch recht hohe Stimmen hatten. Egal bei wem, ich konnte immer den Text sehr gut verstehen, ohne dass ich ständig auf die Bildschirme sehen musste. Es war für mich einfach schön zu hören und auch die Mimik der Personen auf der Bühne waren sehr gut zu erkennen. Bei Loulou war ich am Schluss fast der Meinung, dass da leichte Tränen zu sehen waren.

Auch der Chor des Stadttheaters ist einfach nur schön zu hören und hat eine wunderschöne Klangfarbe, die mich wirklich sehr beeindruckt hat.

Stadttheater Giessen ALP ARSLAN (UA) Oper von Richard van Schoor | Libretto von Willem Bruls | gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und KunstMusikalische Leitung: Jan Hoffmann / Martin Spahr Inszenierung: Cathérine Miville Bühne und Video: Marc Jungreithmeier Kostüme: Monika Gora Chor: Jan Hoffmann Alp Arslan: Daniel Arnaldos Loulou, Eunuch: Denis Lakey Bent Yaghisiyan (Mutter): Marie Seidler Großmutter: Rena Kleifeld Tughtakin, Emir von Damaskus: Tomi Wendt Ridwan (Vater): Tuncay Kurtoglu Mit: Chor des Stadttheater Giessen / Philharmonisches Orchester Giessen Foto: Rolf K. Wegst Nutzungsrechte beim Urheber

Komme ich nun noch mal zur Musik. Das mit den gewollten Dissonanzen habe ich ja schon erwähnt.  Aber ein besonderes Highlight waren die syrischen Musiker, die dem Ganzen eine besondere Note gegeben, und die Musik des philharmonischen Orchesters wunderbar ergänzt haben. Wobei mir da vor allem der syrische Sänger in Form von Ghays Mansour sehr gut gefallen hat, insbesondere als er oben im Rang stand und es so geklungen hatte, als würde er auf einem Minarett stehen. Das hat wirklich einen besonderen Touch gehabt.

Was die Handlung betraf, konnte ich dem ganzen sehr gut folgen, auch wenn ich die Story ja noch nicht kannte. Was aber auch am Bühnenbild lag. Es kam schon am Anfang für mich gut rüber, als man sich im Epilog in der Wüste zusammen mit Loulou wiederfand.

Eigentlich war es ein relativ einfaches Bühnenbild, aber durch die Videobilder und die Drehbühne, wechselt man laufend den Ort. Man war in der Zitadelle von Aleppo sein, der syrisch-orthodoxen Kirche oder beim Abschied des Eunuchen wieder auf der Zitadelle oder in der Stadt von Aleppo. Es ist immer Bewegung auf der Bühne und teilweise wechselt das Bild recht schnell.

Stadttheater Giessen ALP ARSLAN (UA) Oper von Richard van Schoor | Libretto von Willem Bruls | gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst Musikalische Leitung: Jan Hoffmann / Martin Spahr Inszenierung: Cathérine Miville Bühne und Video: Marc Jungreithmeier Kostüme: Monika Gora Chor: Jan Hoffmann Alp Arslan: Daniel Arnaldos Loulou, Eunuch: Denis Lakey Bent Yaghisiyan (Mutter): Marie Seidler Großmutter: Rena Kleifeld Tughtakin, Emir von Damaskus: Tomi Wendt Ridwan (Vater): Tuncay Kurtoglu Mit: Chor des Stadttheater Giessen / Philharmonisches Orchester Giessen Foto: Rolf K. Wegst Nutzungsrechte beim Urheber

Aber es ist immer klar, was da gerade passiert, vorausgesetzt man lässt sich darauf ein und folgt dem Geschehen. Was die Kostüme der Schauspieler betrifft, sind sie immer passend gewählt und passend ohne zu alt zu sein oder einfach nicht passen zu wollen, weil die Inszenierung zu Modern gewählt wurde. Ich finde das Cathérine Miville da einen guten Job gemacht hat, denn das Zusammenspiel mit den Bühnenbildern von Marc Jungreithmeier war schon sehr gut.

Nun komme ich zu meinem Fazit von Alp Arslan. Mich habe anhand der Menschen neben mir gemerkt, dass man angerührt war, aber wie sagte der Mann neben mir: “Das war verdammt schwere Kost aber verdammt gut.“ Und auch ich bin der Meinung, es war verdammt schwere Kost und man sollte es schon gewohnt sein, mit den Dissonanzen, gepaart mit teilweise sehr hohen Stimmen, umzugehen.

Ich für meinen Teil habe gemerkt, dass die Musiker, des Stadttheaters wirklich sehr gute Musiker sind, denn was sie an diesem Abend abgeliefert haben, da kann ich nur meinen Hut ziehen.

Aber, wie gesagt für jemanden, der wenig Erfahrung mit Opern oder neuerer philharmonischer Musik hat und dem nicht so viel abgewinnen kann, der wird dabei auch Schwierigkeiten haben!

Die Thematiken, die in dem Stück angesprochen werden, die Leistungen der Sänger, Musiker und der Menschen hinter den Kulissen kann man nicht hoch genug ansehen. Dass es eine Uraufführung in unserem Stadttheater gibt, ins besondere im Bereich Oper, finde ich ein besonderes Wagnis, welches man mit dem Besuch des Stadttheaters honorieren sollte.

Ich für meinen Teil habe kurze Gespräche nach der Oper geführt und gefragt und man war einer Meinung, es war schwer, aber verdammt gut, wobei ich eine Einführung in die Oper mir gewünscht hätte, ähnlich wie die Einführung in die Sinfoniekonzerte. Gerade bei einer Uraufführung. Aber dies ist Kritik auf sehr hohen Niveau. Mich zumindest hat die komplette Inszenierung fasziniert, vor allem, wenn man den geschichtlichen Kontext sieht, der sich in vielen verschiedenen Situationen auf der Bühne präsentiert hat.

Und so waren es 100 Minuten, die sehr schnell vorbei gingen. Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch im Stadttheater Gießen. Irgendwie hat es mich nun endgültig gefangen genommen. Also wie wäre es, wenn auch sie es einfach mal probieren. Es muss ja nicht gleich die ganz harte Kost für Einsteiger sein. Es gibt für jeden etwas Passendes. Ich finde jedes Stück lohnt sich sicherlich, wegen der Atmosphäre und dem was einem auf der Bühne geboten wird. Alp Arslan ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Stadttheater Giessen ALP ARSLAN (UA) Oper von Richard van Schoor | Libretto von Willem Bruls | gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und KunstMusikalische Leitung: Jan Hoffmann / Martin Spahr Inszenierung: Cathérine Miville Bühne und Video: Marc Jungreithmeier Kostüme: Monika Gora Chor: Jan Hoffmann Alp Arslan: Daniel Arnaldos Loulou, Eunuch: Denis Lakey Bent Yaghisiyan (Mutter): Marie Seidler Großmutter: Rena Kleifeld Tughtakin, Emir von Damaskus: Tomi Wendt Ridwan (Vater): Tuncay Kurtoglu Mit: Chor des Stadttheater Giessen / Philharmonisches Orchester Giessen Foto: Rolf K. Wegst Nutzungsrechte beim Urheber