[Rezension] Das Diamantenmädchen – Ewald Arenz

[Rezension] Das Diamantenmädchen – Ewald Arenz

11. Juni 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Um Reparationsforderungen der Alliierten zu umgehen, erhält Diamantenschleifer Paul van der Laan von der deutschen Reichsregierung den Geheimauftrag, eine Reihe kostbarer Rohdiamanten für den verdeckten Verkauf auf dem internationalen Markt zu schleifen. Lilli Kornfeld, Journalistin für die Berliner Illustrierte und eng verbundene Freundin seit Kindheitstagen, hat den Kontakt vermittelt. Zu gleicher Zeit wird ein ermordeter Schwarzer auf dem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz gefunden – neben seiner Leiche liegt ein Rohdiamant. Die Berliner Kommissare Schambacher und Togotzes nehmen die Ermittlungen auf und stoßen schon bald auf das Diamantenmädchen … Ewald Arenz zeichnet in seinem neuen Kriminal- und Liebesroman in duftig leichten Farben eine Kindheit im wilhelminischen Berlin der Zeppeline, der heilen bürgerlichen Welt des Grunewalds und der Matrosenanzüge. Als Gegenstück entfaltet sich das facettenreiche Bild des betriebsamen, glanzvollen Berlins der 20er-Jahre, das niemals schläft, in dem Politik und Verbrechen eng verflochten sind und das doch gleichzeitig kultureller Mittelpunkt Europas ist.

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Rezension:

Bei diesem Buch geht mir auch noch Stunden nach dem lesen das Herz auf. Ich wurde von Ewald Arenz in das Berlin der 20er Jahre entführt und auch immer wieder in die Zeit vor dem 1. Weltkrieg – in die Kindheit von Lilli und Wilhelm Kornfeld und dem Nachbarn Paul van der Laan. Es wird stetig ein wenig zwischen den Zeiten hin und her geswitcht, aber immer so, dass es passt.

Das Ganze startet mit der Begegnung von Schubert und Lilli bei einem Pressetreffen mit einem Emir und dem Erlebnis einen echten lebendigen Panther richtig nahe zu sehen. Er fragt nach, ob sie einen Kontakt mit einem Diamantenschleifer herstellen kann, da sie ihm ja bei einem vorhergehenden treffen davon erzählt hätte. Sie stellt also den Kontakt zu ihrer Jugendliebe Paul her, der eigentlich nur wegen Lilli diesen Auftrag annimmt.

Zeitgleich wird ein Schwarzer über einem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz hängend ermordet aufgefunden. Die Kommissare Schambacher und Togotzes werden mit der Suche nach dem Mörder beauftragt. Bei dem Toten wird ein Rohdiamant gefunden und durch Zufall gerät der Kommissar Schambacher beim auch an Lilli, die auch noch eine Reihe für die Berliner Illustrirte Zeitung schreibt. Dort hatte sie einen Artikel mit Bild veröffentlicht, auf dem besagter Schwarzer als Schlagzeuger zu sehen ist.

Zwischen Schambacher und Lilli entwickelt sich eine Affäre. Dabei wird er auf den Anhänger aufmerksam, den er auch bei dem Toten am Theater gefunden hat.

Dies alles gewürzt mit kleinen Zeitensprüngen in die Kindheit und Jugend von Paul, Wilhelm und Lilli und die Geschichte der berühmtesten Diamanten ergibt einen guten historischen Krimi, in dem man das Gefühl bekommt, man bewege sich in den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Es knistert immer wieder an verschiedenen Orten und zwischen verschiedenen Personen. Ich hatte den Eindruck, dass ich immer mehr in das Berlin der 20er Jahre eintauchen konnte.

Am Anfang dachte ich mir, warum immer wieder die Zeitensprünge, aber irgendwie würzen sie den Roman und machen die Personen Lilli und Paul greifbarer. Man merkt deutlich, dass der Mensch nicht nur das hier und heute ist, sondern auch durch seine Kindheit geprägt ist.

Nebenbei erfährt man viel über Diamanten und ihre Geschichte und auch über das Diamantenschleifen, worauf es ankommt, was Einschlüsse sind und ähnliches. Eine andere Schiene berichtet über auch über die Soldaten an der Westfront im 1. Weltkrieg und bietet Hinweise, wie diese sich gefühlt haben könnten. Ewald Arenz schafft es, auf den 300 Seiten eine besondere Tiefe zu erzeugen. Mir sind die Personen wirklich sehr ans Herz gewachsen. Irgendwie hat mich der Roman auf das Berlin der 20er Jahre und Diamanten und noch einiges mehr neugierig gemacht.

Dazu noch ein guter Druck, eine stabile Bindung, gutes Papier und ich für meinen Teil war zu 100% begeistert. Ich kann den Menschen, die von „Babylon Berlin“ begeistert waren dieses Buch wirklich wärmstens ans Herz legen.

Verlag: ars vivendi

ISBN: 978-3-7472-0043-8