Das Herrenhaus im Moor – Felicity Whitmore

Das Herrenhaus im Moor – Felicity Whitmore

31. Januar 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Schatten über Lynybrook Hall

Ein verfallenes Herrenhaus wird für Laura Milton zum Schlüssel in die Vergangenheit. Denn das Schicksal der Lady Victoria Milton wirft seine Schatten bis in die Gegenwart … Exmoor, gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die 20-jährige Victoria wird bald ein ansehnliches Vermögen erben. Doch ihr Vormund Richard hat seine eigenen Pläne mit ihrem Geld und verbannt sie in eine Anstalt für Geisteskranke – aus der Arthur, einer von Richards Bediensteten, ihr zur Flucht verhilft. Als sich Victoria, fest entschlossen, ihr Erbe wiederzuerlangen, nach Jahren aus der Deckung wagt, ist ihr Schicksal besiegelt.

Rezension:

Wenn es Menschen gibt, die behaupten, dass man ein Buch nur nach dem Text hinten auf dem Umschlag oder wegen des Buchtitels kauft, die lügen doch. Auch das Bild auf dem Cover kann manchmal Emotionen wecken und die Kaufentscheidung beeinflussen. Bei mir war es das Haus auf dem Umschlag, welches mich angelockt hat. Irgendwann bin ich in Irland, Schottland oder England an einem solchen Haus vorbeigelaufen und ich glaube, auch in ein solches verfallenes Gebäude mal mit meiner Pfadfindergruppe eingekehrt, da uns das Wetter dazu gezwungen hat. Das alles schoss mir durch den Kopf als ich das Titelbild sah und plötzlich hatte ich das Buch in der Hand.

Soviel nun zu den Emotionen, die mich sicherer Hand zu dem Buch haben greifen lassen. Teilweise haben sie auch beim Lesen das Ganze mit Gerüchen und Geräuschen in meiner Fantasie mit Leben gefüllt.

Aber der Anfang ist in Köln 2017, wo der Mann von Laura, Frank Milton, bei einem Autounfall umkommt. Offiziell ist es Bremsversagen, nur Laura glaubt den Ermittlern nicht, denn sie hat an diesem Tag eine fremde Gestalt von Franks Auto wegrennen sehen. Außerdem hat sie hat einen Brief von einer Exfreundin in Franks Sachen gefunden. Dies lässt den Unfall in einem anderen Licht erscheinen und die Spur zeigt nach Exmoor.

Nebenbei lernt man die Ururgroßmutter von Frank kennen, nämlich Lady Victoria Milton, die 1898 von ihrem Vormund in eine Anstalt für Geisteskranke eingewiesen wurde.  Wie durch Zufall war dies Lynybrook Hall, ein Herrenhaus, welches ihrem Vormund Richard gehört.

Man lernt so einige Methoden kennen, wo man sich wirklich fragt, wie lange würde ich das durchhalten ohne bescheuert zu werden, oder komplett gebrochen zu sein.

 Wie wäre es z.B. mit der „Therapie“ des Ertrinkens, in der man in einer Art Sarg gefesselt liegt, langsam im Wasser versinkt und dann irgendwann rausgeholt wird. Manche der Bewohner sind dabei nicht mehr zurückgekehrt. Erinnert stark an Waterboarding, was durchaus als Folter zählt. Oder man steht Stundenlang an einem Tisch und zählt Kastanien und man darf sich nicht mit den Mitbewohnern unterhalten, alles passiert den ganzen Tag über schweigend.

Dem allem ist Laura auf der Spur. Sie lernt dort Franks Verwandte kennen, die in Milton Castle in Dartmoor leben. Je mehr sie an irgendwas kratzt, desto verworrener wird alles.

Dieses Buch ist ein echter Schmöker, der einen so richtig fesselt. Manchmal muss man ihn zur Seite legen, da man das Gelesene erstmal verdauen muss. Man versteht immer mehr, warum psychiatrische Krankenhäuser bei älteren Menschen noch immer einen sehr schlechten Ruf haben, denn da kann man wirklich nur Angst bekommen und betet immer mehr, dass man nie in eine solche Anstalt kommt. Auch wenn solche Therapien heute keinen Platz mehr in der modernen Psychiatrie haben, lebt diese Vergangenheit noch in der Vorstellung vieler Menschen.

Die Autorin zeigt auf, wie manche Familiengeschichten auch noch einen düsteren Schatten auf die heutige Zeit werfen können, auch wenn diese schon weit über 100 Jahre alt sind. Logisch erscheint das Ganze, was sie konstruiert hat, auf alle Fälle.

Was mir richtig gut gefallen hat, war immer wieder das Switchen zwischen den Zeiten einmal 2017/18 oder 1898/99. Mich hat die Vergangenheit noch eine Stufe mehr mitgenommen, als die (quasi) Gegenwart. Die Autorin beschreibt unwahrscheinlich intensiv und schlüssig. Es ist ein Roman für die Tage, in denen man eine Tasse Tee und einen guten Roman mehr wie schätzen kann.

Leseprobe – Das Herrenhaus im Moor

Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-21763-7