Der Verrat – Ellen Sandberg

Der Verrat – Ellen Sandberg

25. Februar 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Ein Weingut an der Saar. Ein altes Verbrechen. Und eine Schuld, die nie verjährt …

Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia.

Pia hat es gut getroffen. Die erfolgreiche Restaurateurin lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. Da lässt es sich gut verdrängen, auf welch zerbrechlichem Fundament ihr Glück gebaut ist. Doch dann tritt ihre Schwester Nane wieder in ihr Leben und Pia ahnt: Es ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung.

[affilinet_performance_ad size=728×90]

Rezension:

Dies war ein Buch, auf das ich seit Wochen gewartet hatte. „Die Vergessenen“ von der gleichen Autorin hatte mich ja total begeistert. Dann kann aber auch die Fallhöhe für die Autoren enorm sein.

Am Anfang habe ich mir etwas schwergetan, da ich mit der Schwester Pia nicht so richtig warm wurde. Sie kam so kalt rüber wie der Eisberg, der die Titanic rammte. Man hat immer wieder das Gefühl, sie ist einfach nur auf ihren Vorteil aus.

Thomas, der Mann von Pia und seines Zeichens ein erfolgreicher Winzer, kommt mir eher so vor, als lasse er sich von Pia blenden. Obwohl er wesentlich älter ist als sie, erinnert er mich an mich selbst, als ich noch wesentlich jünger war und mich sehr blauäugig in Beziehungen gestürzt habe.

Ich finde, Nane ist eine sehr angenehme Person, ein wenig flippig. Sie ist ein kleiner Kontrollfreak, was aber auch an den Eltern von Pia und ihr liegen könnte. Die dritte Schwester ist eher eine Person, die versucht zwischen den wohl sehr starken Persönlichkeiten von Pia und Nane zu vermitteln.

Es geht immer wieder um den Tod von Henning, weswegen Nane zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde. Ihre Schwester Pia wollte auf Teufel komm raus nicht, dass sich Nane in ihrer Umgebung bewegt, da Nane auch noch die Ex-Freundin ihres Mannes Thomas ist. Aber man hat immer wieder das Gefühl, dass da noch mehr ist, zumal die Tochter von Pia irgendwie viel klarer und sozialer als ihre Mutter ist.

Ellen Sandberg zeigt klar, dass da ein Kampf um das Weingut im Vordergrund steht. Man merkt es immer wieder daran, dass Pia ihre Tochter ständig daran erinnert, dass sie eine Verpflichtung gegenüber dem Weingut und ihrem Vater hat.

Vergeben ist für Pia selbst gegenüber ihrer Schwester ein Fremdwort, und man spürt durch den ganzen Roman immer wieder so einen unterschwelligen Zorn. Gerade ein Obdachloser hat wohl den prägendsten Satz im Roman in einer Bushaltestelle niedergeschrieben, den ich zitieren möchte: „Am Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt“. Ich glaube diesen Satz sollten nicht nur die Personen in dem Roman verinnerlichen, sondern auch andere Menschen in dieser realen Welt.

Es ist ein Roman, der sich gut lesen lässt, auch wenn er zwischendurch ein paar Längen hat. Diese sind aber wichtig, um die Personen näher kennenzulernen und besser zu verstehen. Er ist anders als „Die Vergessenen“ da das Grundthema ein anderes, aber nicht weniger wichtiges, Thema ist. Man merkt deutlich, dass die Autorin sehr gerne auch mal andere Themen anfasst, die ebenso wichtig für uns sein können. So wird man sehr gut und intelligent unterhalten, wobei man sich und sein Verhalten hinterfragen kann.

Verlag: Penguin Verlag

ISBN: 978-3-328-10090-4