Die Festung am Rhein – Maria W. Peter

Die Festung am Rhein – Maria W. Peter

19. April 2017 0 Von Markus
Die Festung am Rhein – Maria W. Peter

Cow pars­nip gro­wing in an over­grown field in front of a red­brick house in Nor­folk. Eng­land, July 1981. July 1981 Nor­folk, Eng­land, UK

Inhalt:

Eine gigan­ti­sche Fes­tung, ein teuf­li­scher Ver­rat und eine ver­bo­te­ne Lie­be

Coblenz, 1822: Hoch über der Stadt ent­steht die preu­ßi­sche Fes­te Ehren­breit­stein. Als gehei­me Bau­plä­ne von dort ver­schwin­den, wird Fran­zis­kas Bru­der wegen Lan­des­ver­rats ver­haf­tet. Er soll die Plä­ne an die Fran­zo­sen ver­kauft haben – immer­hin war ihr gemein­sa­mer Vater ein Offi­zier Napo­le­ons. Um sei­ne Unschuld zu bewei­sen, ist Fran­zis­ka auf die Hil­fe des stren­gen Leut­nants Rudolph Har­ten ange­wie­sen. Bei der Suche nach dem wah­ren Ver­rä­ter kom­men sich die bei­den näher, als es sich für einen Preu­ßen und eine Halb­fran­zö­sin gehört…

Die Fes­tung Ehren­breit­stein (erbaut 1817 bis 1828) thront bis heu­te hoch über Rhein und Mosel. Zum 200-jäh­ri­gen Jubi­lä­um der Fes­tungs­stadt Koblenz ent­wirft Maria W. Peter ein schil­lern­des Pan­ora­ma der Rhein­pro­vinz im 19. Jahr­hun­dert. Preu­ßi­sche Dis­zi­plin trifft auf rhei­ni­sche Lebens­freu­de.

Rezen­si­on:

Es war mal wie­der an der Zeit, einen his­to­ri­schen Roman zu lesen. Irgend­wie habe ich die­se Gat­tung in letz­ter Zeit echt oft über­blät­tert, also habe ich mich nach län­ge­rem Hin und Her für die Fes­tung am Rhein ent­schie­den. Und was muss ich sagen? Die Autorin wer­de ich mir mal mer­ken.

Da haben wir die Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Rudolph und Fran­zis­ka. Was das gan­ze schwie­rig macht, ist zum einen, das Fran­zis­ka zur Hälf­te Fran­zö­sin ist und Rudolph ein Preu­ßi­scher Offi­zier. Zum ande­ren trägt es auch nicht gera­de zur Ent­span­nung des Ver­hält­nis­ses bei, das Fran­zis­kas Bru­der Chris­ti­an auch noch ver­däch­tigt wird, die Bau­plä­ne der Fes­tung Ehren­breit­stein an die Fran­zo­sen ver­kauft zu haben. Chris­ti­an wird dann auch noch im Mili­tär­ge­fäng­nis gefan­gen gehal­ten und sogar gefol­tert.

Die ein­zi­ge die am Anfang glaubt, dass Chris­ti­an unschul­dig ist, ist Fran­zis­ka, wobei auch sie das Gefühl hat, dass er etwas ver­heim­licht.

Fran­zis­ka zieht bei ihrem Onkel aus, bei dem sie seit dem Tod ihres fran­zö­si­schen Vaters zusam­men mit ihrem Bru­der leb­te. Sie fängt im Haus der von Rülows an zu arbei­ten, da sie das Gefühl hat, dass die­se etwas mit der Spio­na­ge in der Fes­tung zu tun haben.

Rudolph ist mit für den Bau der Fes­tung ver­ant­wort­lich und wird von Cap­tain von Rülow beauf­tragt, die Wahr­heit über die Spio­na­ge her­aus­zu­fin­den. Er wird aber selbst ver­däch­tigt, da er in der Schlacht zu Water­loo zusam­men mit Fran­zo­sen gefun­den wur­de. Es gibt Gerüch­te, dass er eigent­lich mit den ver­hass­ten Fran­zo­sen zusam­men­ar­bei­tet.

Ich den­ke, man merkt auf­grund des kur­zen Abris­ses der Geschich­te, dass eini­ges an Kon­flikt­po­ten­ti­al in der Geschich­te vor­han­den ist. Die han­deln­den Per­so­nen gera­ten lau­fend mit dem Gewis­sen in Kon­flik­te, was ihre Erzie­hung oder Gesin­nung betrifft.

Man merkt auch recht schnell, wie zer­strit­ten das Rhein­land auch unter­ein­an­der war. War man nun für Preu­ßen oder für die Fran­zo­sen, die ja lan­ge Zeit über das Rhein­land geherrscht haben. Dann gibt es da ja noch die ver­schie­de­nen Lebens­wei­sen und die Per­so­nen, die egal wer gera­de an der Macht ist, erst ein­mal ver­su­chen, Pro­fit dar­aus zu schla­gen.

Dann bekommt man so ganz neben­bei noch mit wie alles wegen der Indus­tria­li­sie­rung im Umbruch war. Alles in allem ist es ein sehr gut geschrie­be­ner his­to­ri­scher Roman, wo auch ich mich mal wie­der mit der Deut­schen Geschich­te aus­ein­an­der­set­zen muss­te. Es ging weni­ger um die Lie­bes­ge­schich­te, son­dern mehr um das in sich gespal­te­ne Land und genau die­ser Pro­ble­me, die sich dar­aus erge­ben haben.

Man hat­te immer wie­der das Gefühl, dass genau dies die Absicht der Autorin war und ist. Die Geschich­te hat eigent­lich kei­ne Län­gen, son­dern ist genau auf den Punkt. Man lernt neben­bei etwas. Es ist span­nend, wobei man rela­tiv schnell zumin­dest eine Ahnung hat, wer die „böse“ Per­son im Haus Rülow ist. Wer aber letzt­end­lich der Strip­pen­zie­her ist, dies ist dann doch sehr über­ra­schend.

Also wenn ihr einen gut geschrie­be­nen his­to­ri­schen Roman in die­ser Zeit suchen soll­tet, dann kann und muss ich euch genau die­sen ans Herz legen. Zudem zeigt er auch, dass man trotz­dem noch etwas von dem Gegen­über anneh­men soll­te – egal wie ver­schie­den die Kul­tur ist. Und dies aus­ge­rech­net in unse­rer deut­schen Geschich­te. Viel­leicht soll­ten sich man­che Men­schen auch mal mit ihrer eige­nen Geschich­te aus­ein­an­der­set­zen und nicht von vorn­her­ein sagen, das ist ein Aus­län­der, der ist schlecht für mich.

Ver­lag: Bas­tei – Lüb­be Ver­lag

ISBN: 978–3-404–17519-2


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