Die hungrigen und die Satten – Timur Vermes

Inhalt:

„Ein großartiges Buch: lustig, böse, traurig!“ KESTER SCHLENZ, STERN

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod.

Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert. Und desto dringlicher stellen sich ihm und den Deutschen zwei Fragen: Was kann man tun? Und in was für einem Land wollen wir eigentlich leben?

Timur Vermes‘ neuer Roman ist eine Gesellschaftssatire, aktuell, radikal, beklemmend und komisch zugleich. DIE HUNGRIGEN UND DIE SATTEN fängt dort an, wo der Spaß aufhört.

„Wenn Timur Vermes‘ Erstlingswerk ER IST WIEDER DA böse, realistisch und komisch ist, so ist sein zweiter Geniestreich böser, realistischer und komischer.“ CHRISTOPH MARIA HERBST

Rezension:

Mir ist echt schlecht, dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Also ich muss Christoph Maria Herbst teilweise widersprechen. Geniestreich, böse, realistisch – ja, komischer wie „Er ist wieder da“ – ich glaube, man kann das nicht vergleichen. Mir ist leicht anders geworden, je länger das Buch gedauert hat.

Der Start, als Nadeche Hackenbusch in Nordafrika im Flüchtlingscamp landet, kam ich mir vor wie bei Big Brother. Was die Starmoderatorin von sich gab, war echt nicht zum Aushalten, genauso wie bei viele Sendungen im Fernsehen, die man sich ansieht und sich fragt: Herr Gott, warum sind die eigentlich berühmt?

Die Qualitätsjournalistin der EVANGELINE, Astrid von Roell, ist auch so eine spezielle Person. Bei manchen Dingen steht man da und denkt, ok so viele Fehler kann man gar nicht machen, wie z.B. der Autor von Krieg und Frieden heißt nicht Leonardo mit Vornamen, sondern entweder Leo, wie er oft in Deutschland genannt wird, oder Lew Nikolajewitsch, wie er wirklich mit Vornamen heißt. Ich finde das hat etwas mit Qualitätsjournalismus zu tun, für den sie ja nach eigener Aussage steht. Aber man muss dann doch ziemlich grinsen und teilweise lachen.

Wobei da gerade die Englischversuche von Nadeche immer wieder zum schreien waren, und mich an Otto mit seinem English for runaways (Englisch für Fortgelaufene) erinnert hat.

Aber wesentlich interessanter war die Denkweise von Joseph Leubl, die wirklich interessanten Ansätze gezeigt hat, die auch in meinen Augen heute richtig und besser sind, als wenn wir uns abschotten. Denn wer will schon hinter einem Zaun leben? Nur damit die Flüchtlinge nicht reinkommen, kann man nicht als Staat sich selbst einschließen, sondern wir müssen andere Lösungsansätze bieten, als an unseren Grenzen den Schießbefehl zu erteilen, oder Zäune unter Strom zu setzen.

Wir müssen wesentlich mehr Reizpunkte setzen, dass die Flüchtlinge nicht mehr zu uns wollen, wie etwa ihre Ausbildung und Infrastruktur unserer annähern.

Der Schluss, des Buches hat mich sehr mitgenommen, so sehr, dass mir es wirklich anders wurde. Diese Dystopie ging mir mehr unter die Haut, als wenn ich einen Thriller gelesen hätte. Es war einfach so nah, so greifbar und ich hoffe, dass viele Menschen dieses Buch lesen und nachdenken – vor allem auch mal Menschen, die die AfD oder anderen populistische Parteien wählen. Wir dürfen nicht mehr nur als Staat denken, sondern wir müssen unsere Lösungen eher Global sehen. Dies ist zumindest für mich Stand Jetzt das, was ich aus dem Buch gezogen habe. Viele Dinge, die dort genannt werden, finden wir heute schon in unserem Leben, was in diesem Buch nur noch etwas überspitzt wurde, so dass man darüber lachen kann. Aber irgendwie schafft es der Autor, dies komplett realistisch erscheinen zu lassen, weswegen es doch richtig Böse sein kann.

Ich bin gespannt, welches Thema Timur Vermes als nächsten anpackt.

Verlag: Eichborn

ISBN: 978-3-8479-0660-5

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