Die Kraft des Bösen – Fabio Paretta

Inhalt:

Franco De Santis ist Polizist von Beruf, Neapolitaner aus Überzeugung und Ex-Ehemann wider Willen. Jeden Sonntag fährt er in das Nobelviertel der Stadt, um seinen Schwiegereltern eine glückliche Ehe vorzuspielen. Doch an diesem schwülen Sommertag wird er in den Arbeiterstadtteil Bagnoli gerufen: Der Gemeindepfarrer hat sich erhängt. Franco kennt ihn seit der Kindheit und weiß, wenn er an eines glaubte, dann an das Leben. Gegen den Willen seines Vorgesetzten beginnt Franco zu ermitteln. Doch in einer Stadt, in der der Schein trügt und der Tod Alltag ist, ist die Suche nach der Wahrheit gefährlich …

Rezension:

In letzter Zeit sind bei mir die Krimis ziemlich kurz gekommen. Irgendwie habe ich eher Lust auf Thriller gehabt, wobei ich gut geschriebene Krimis sehr schätze, auch wenn diese nicht so blutrünstig und dunkel sind wie Thriller.

Gut, bei dem Titel „Die Kraft des Bösen“ dachte ich erst, es geht doch stark Richtung Thriller und gerade deswegen, wollte ich das Buch nicht richtig lesen. Ich wollte mal wieder was anderes.

Nun kam der Große Tag. Ich dachte, ach, komm lies es mal an. Ich wollte den Kriminalpolizisten Franco De Santis einfach mal kennenlernen – mehr nicht. Doch dann kam da doch recht schnell der Tote – ein Gemeindepfarrer, der sich im Glockenturm erhängt hat. Schneller als gedacht hatte mich der Krimi in seinen Fängen und ließ nicht mehr los.

Alle wollten es als Selbstmord abtun, nur nicht Franco De Santi. Er glaubt nicht daran, da er den Toten kannte.  Dadurch laufen die Ermittlungen auch nicht so einfach. Da gibt es zum einen Francos Vorgesetzter, welcher ihm laufend Knüppel zwischen die Beine wirft. Und dann gibt es immer wieder die Probleme mit der Familie. Er lebt gerade mit seiner Frau in Trennung, möchte es aber nicht wahrhaben. Die pubertierende Tochter, möchte unbedingt ein iPhone und ein Pferd haben und ihr Vater soll bitte dafür aufkommen. Das ist dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

Also schon genug Störgeräusche, wenn dann da nicht auch noch die Camorra wäre, welche in Italien, und erst recht in Neapel, immer wieder präsent ist, und mit der man sich auch als Polizist scheinbar irgendwie gut stellen muss – auch wenn es in diesem Falle nur ein alter Schulfreund ist, der da immer wieder auftaucht.

Aber viel schlimmer ist natürlich die Kirche, die über den toten Pfarrer möglichst schnell den Mantel des Schweigens werfen möchte. Da noch zwei Frauen umkommen, wird daraus allerdings nichts. Die Sinti und Roma spielen auch noch ein wenig mit. Dies rundet das ganze irgendwie ab und man möchte genauso wie Franco De Santi endlich wissen, warum kommen da Menschen um und wie hängt das ganze denn zusammen? Hat man bei dem Buch die Halbzeit erreicht, hat man so eine ungefähre Ahnung wer es denn sein könnte – und die Betonung liegt auf könnte!

Alles in allem ein Krimi, den man einfach mag, wenn man auf intelligent geschriebene und konstruierte Fälle steht. Das Ende hat so eine gewisse Logik, die einem aber erst zusammen mit dem Team um Franco De Santis klar wird. Man lernt nebenbei einiges über Neapel, vor allem über das Tunnelsystem unter der Stadt, aber auch über den Müll und das Wohnungsproblem der Stadt oder allgemein in Italien, vor allem im Süden des Landes.

Fabio Paretta ist ein Autor, den ich mir merken werde und ich weiß ja, dass das nächste Buch mit dem Polizisten Franco Di Santi schon fast da ist. Ich freue mich, mehr über Neapel und Italien zu erfahren und ein wenig in die Lebensweise einzutauchen. Wobei es mich schon gewundert hat, dass der Autor eigentlich aus Deutschland kommt, aber in Italien bei seiner Frau lebt und so eine Tiefe im Roman erzeugen kann. Dafür ziehe ich schon jetzt den Hut vor ihm,  denn ich denke, der Autor hat es recht gut geschafft das Lebensgefühl in Neapel einzufangen und ganz nebenbei einen intelligenten Krimi zu schreiben, der ein überraschendes Ende hat. Und genau deswegen will man doch einen Krimi lesen.

Verlag: Penguin Verlag

ISBN: 978-3-328-10050-8

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