Die verlorenen Töchter – Hannelore Hippe

Die verlorenen Töchter – Hannelore Hippe

10. Januar 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Das Rätsel um die Unbekannte vom Isdal

Im Herbst 1970 wird in einem Tal in der Nähe von Bergen die verkohlte Leiche einer Frau gefunden. Den Ermittlern gelingt es nicht, die Identität des Opfers festzustellen. Fünfundzwanzig Jahre zuvor, im Sommer 1945, bringt die Norwegerin Åse Evensen ihre Tochter Katrine zur Welt. Weil sie sich mit einem deutschen Besatzungssoldaten eingelassen hat, muss Åse in ein Straflager – und Katrine wächst in einem ostdeutschen Waisenhaus auf. Sie wird adoptiert und erfährt erst 1970 die Wahrheit über ihre Herkunft. Als sie sich auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter begibt, ahnt sie nicht, wie gefährlich diese Reise ist.

Rezension:

Manchmal sitze ich da und frage mich, wie kommen Autoren auf die Ideen zu ihren Büchern. Diesmal eine Autorin, die ich schon mit einer Krimireihe in Verbindung bringe, nämlich die Krimi Serie um die Ermittlerin Grace O’Malley.

Frau Hippe nimmt einen diesmal aber nicht mit nach Irland, sondern in ein anderes Land, welches mich immer wieder reizt, nämlich Norwegen, also einem Sehnsuchtsland von mir. Sie rollt diesmal einen wirklichen Fall auf, nämlich die Geschichte um die unbekannte Tote im Isdal bei Bergen. Sie verwebt gekonnt die wahre Geschichte mit der Fiktion. Auch wenn ich mir aufgrund der Vielzahl der Themen in dem Roman vielleicht ein wenig mehr gewünscht hätte, habe ich ihn gern gelesen.

Teilweise hechelt man doch durch die Geschichte und einiges, was zumindest im Geschichtsunterricht nicht mal tangiert wird. Ein Grundthema sind die Frauen, die mit deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg zusammen waren und von den anderen Norwegern wie aussätzige behandelt wurden. Nach dem Krieg wurden sie sogar ohne Beschluss interniert.

Dann geht es weiter mit der Suche einer Mutter nach ihrer Tochter, die von Norwegen nach Ostdeutschland gebracht wurden. Die DDR hatte die Identitäten dieser Kinder übernommen, um so Spione nach Norwegen zu schicken.

Es sind so viele Themen, die Frau Hippe in diesen 220 Seiten anfasst, dass mir gelegentlich mal aufgrund der Informationsfülle schwindlig wurde. Und das schlimme ist, dies gab es alles wirklich!

Dies alles in einer Familiengeschichte zu verweben ist schwierig und könnte eigentlich auch in verschiedenen Romanen verarbeitet werden, denn gelegentlich wünschte ich mir ein wenig mehr Information oder einen etwas langsameren Übergang und ein wenig mehr Platz für die Story, zumal die Autorin wirklich tolle Themen in diesem Roman verwoben hat.

Die Sichtweise aus der sie die Geschichte erzählt wird im Laufe des Romans immer klarer und auch spannender. Was mich ja mal interessiert, ist wie das eigentlich mit der Verfilmung ist, da dieser Roman als Vorlage für den 2012 erschienen Film „Zwei Leben“ diente.

Man muss dann dazu sagen, dass Frau Hippe an dem Roman 18 Jahre gearbeitet hat und so kommt es auch, dass der Roman zuerst verfilmt wurde und nun 2018 als Buch erschienen ist.

Mein Fazit ist, viele Interessante Themen, die vielleicht ein wenig mehr Platz verdient hätten. Aber trotzdem ist es berührend und wird mit zunehmender Dauer immer mehr zu einem Pageturner. Es bleibt aber für mich so, dass in dem Buch leider nur an der Oberfläche gekratzt wird. Da Ase und Katrine wirklich sehr interessante Charaktere sind, die ich gerne noch ein wenig besser kennengelernt hätte und dies noch gepaart mit den brisanten Themen, hat mich doch noch etwas länger beschäftigt als nur während der Lesezeit dieses Buches. Vielleicht ist dies auch beabsichtigt? Dann muss ich sagen, hat Frau Hippe es erreicht, da ich noch viel viel mehr über diese Themen wissen möchte. Und ich wie so oft auch mit der jüngeren Geschichte mal wieder feststellen musste, dies sind wieder Dinge, die ich nicht vorher wusste und die man kennen sollte.

Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-26205-7