Ein Mensch brennt – Nicol Ljubic

Inhalt:

Aufrüttelnd und provokant, zugleich warmherzig und witzig.

Wenn es um Fußball geht, kann man dem zehnjährigen Hanno Kelsterberg nichts vormachen. In Sachen Protest allerdings auch nicht. Seit zwei Jahre zuvor der asketische Hartmut Gründler ins Souterrain der Familie zog und sich als unbeugsamer Politkämpfer entpuppte, steht Hannos einst heile Welt auf dem Kopf. Statt Fußball zu spielen, muss er nun mit zu Demos und verteilt Handzettel. Während der Vater den Mann im Keller zunächst belächelt, gerät die Mutter in den Bann des kompromisslosen Idealisten, die Ehe zerbricht. Ein provokanter und berührender Roman über eine Familie, die unversehens von der Zeitgeschichte gestreift wird.

Rezension:

Ich gestehe, mit dem Buch tue ich mir so richtig schwer. Mein Umfeld hat dies nicht nur einmal gemerkt, da ich immer wieder über das Buch sprechen möchte, weil mich dieser Roman nicht richtig loslässt. Am Anfang dachte ich wirklich, dass dieser Hartmut Gründler fiktiv ist, denn wie krank muss man sein, dass man sich selbst ansteckt?

Ziemlich krank dies kann ich schon jetzt sagen, denn Hartmut Gründler gab es wirklich. Er war wirklich ein Aktivist, der den Bund für Umweltschutz (BfU) mitgegründet hat. Jetzt stößt dieser Mensch zur fiktiven Familie Kelsterberg und da im Besonderen auf die Mutter von Hanno. Bei ihr trifft Hartmut auf offene Ohren und sie hilft ihm bei seinem Kampf gegen die Atomlobby.

Gut, dass eine Mutter ihr Kind mit auf eine Demo nimmt, alles im grünen Bereich und gut so, auch wenn es in diesem Fall wohl zu oft vorkam. Wenn dann der 9-Jährige Hanno von Tübingen nach Kassel mit genommen wird, da der liebe Hartmut ja im Hungerstreik ist, den er nicht in ihrem Haus machen konnte, da Hannos Vater dagegen war, dann finde ich das schon einen Schritt zu weit. Hannos Vater ist der komplette Gegenentwurf zu Hartmut. Er ist einer der gerne Fleisch isst, schnell Auto fährt, ein „paar“ Kilo zu viel auf den Rippen hat, eine Baufirma hat und der sagt, die Atomkraft sei sicher.

Dass es da einiges an Konfliktpotential geben wird, ist wohl vollkommen klar. Zu allem Überfluss nimmt die Mutter auch den kleinen Hanno mit, als sie Hartmut in Hamburg besucht, nachdem sich dieser verbrannt hat – und der 9-Jährige Hanno sieht den verbrannten Hartmut. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass dies einen bleibenden Eindruck bei dem Kind hinterlassen hat, der gewiss nicht förderlich war.

Dies alles und noch einiges mehr hat mich so sehr bewegt, dass ist dachte „O Gott, wie krank ist dies denn?“ Der Autor schafft es, den Figuren so eine Tiefe zu geben, dass ich immer wieder das Gefühl hatte, dies ist eine reale Familie, es muss einfach so sein, auch wenn die Mutter irgendwie so richtig verbohrt ist und am Ende noch etwas anderes rauskommt.

Und nein, die beiden waren kein Liebespaar, sondern einfach nur Aktivisten. Aufgrund der Tiefe, der Figuren bin ich mir noch immer auch nach 24 Stunden nicht so wirklich sicher, was fiktiv ist und was Realität in diesem Roman und genau das macht für mich das Besondere an diesem Roman aus. Er lässt einen noch Stunden später nicht wirklich los und man lernt nebenbei doch einiges an deutscher Geschichte, die gerade in der Zeit der RAF und frühen Öko-Bewegung in meinem Geschichtsunterricht ein wenig zu kurz gekommen ist. Ich könnte vieles über diesen Roman schreiben, aber dann würde ich viel zu viel über die Story schreiben und nur selbst lesen ist das richtige.

Ich würde mich sehr darüber freuen, mehr von den Autoren zu lesen, denn er hat einen wirklich sehr intensiven Schreibstil und ich denke er kann viele wichtige Themen in einen guten Roman verpacken. Und gerade deswegen sollte er auch gelesen werden.

Verlag: dtv – Verlag

ISBN: 978-3-423-28130-0


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