Ein Raubtier namens Mittelmeer – Ghayath Almadhoun

Inhalt:

Ghayath Almadhoun, der 2008 vor dem Regime in Syrien nach Schweden floh, erhebt mit seinen Gedichten die Stimme: für die Opfer des Krieges, für die Fliehenden und Asylsuchenden, für die Verletzten und Zurückgebliebenen. Mal poetisch-weich, mal rau und wild, dringen seine Texte mit ungeahnter Kraft in unsere Vorstellung ein und legen eine Wirklichkeit frei, die kein Foto festhalten, kein Zeitungsbericht vermitteln kann. Trauer und Tod, Krieg und Zerstörung, Flucht und Heimweh, Schuld, Liebe und Schmerz treten uns so dicht vor Augen, dass ein Wegschauen unmöglich ist. Für Ghayath Almadhoun ist die Lyrik eine Möglichkeit geworden, das Unsagbare in Worte zu fassen.

 

„Almadhoun bewegt sich ebenso geschmeidig zwischen Damaskus und Europa wie zwischen Gedichtform und lyrischer Prosa.“ Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung

Rezension:

Gedichte und ich – das passt nicht. So etwas Ähnliches dachte ich ja schonmal bei Kurzgeschichten, aber ich versuche mich ja trotzdem immer wieder an etwas Neuem. Diesmal an einem Gedichtband von Ghayath Almadhoun, der als Kind palästinensischer Emigranten in Syrien aufwuchs. Er wurde 1979 in Damaskus geboren, wo er auch studierte. Er ist dann 2008 von Damaskus nach Stockholm geflohen. Warum ich dies schreibe? Weil man in jeder Zeile der Gedichte merkt, dass er Heimweh hat. Dass es nicht einfach ist, als Flüchtling in einem anderen Land zu leben, ungeachtet, ob man die Sprache kann oder ob man Rassenhass ausgesetzt ist. Man bekommt irgendwann Heimweh. Und wenn man die Stadt nicht erreichen kann, wenn die Mutter noch immer in der Stadt des Herzens lebt, dann wird das Heimweh immer greifbarer.

So ging es mir zumindest in den Gedichten, die von Larissa Bender übersetzt wurden. Gut, das Versmaß sucht man vergebens, zumindest ist es mir nicht aufgefallen, aber was mir aufgefallen ist, war die Tiefe der Gedichte. Ich habe des Öfteren einen Kloß im Hals gehabt und musste fast nach jedem Gedicht erstmal etwas anderes machen, um die Gedichte zu verarbeiten.

Mir wurde aber auch die belgische Stadt Ypern nähergebracht. Dort wurden die ersten Chemiewaffen im 1. Weltkrieg zum eingesetzt. Dies hat mich auch zu dessen Mit-Entwickler, Fritz Haber, einem deutsch-jüdischen Chemiker geführt, dessen Forschung maßgeblich zum Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon beigetragen hat, dem Vorläufer des Zyklon B wodurch viele Juden ihren Tod gefunden haben.

Ich habe auch mal wieder Alfred Nobel und den Nobelpreis hinterfragt. Und da ist noch einiges mehr, was mir diese Gedichte gegeben haben.

Es ist wirklich so, dass mir diese Gedichte teilweise die Augen geöffnet und meinen Blickwinkel noch ein wenig verändert haben. Ich könnte wirklich zu jedem Gedicht etwas schreiben, aber das einzige, was ich dazu noch zu sagen habe ist, dass man jedes Gedicht oder jede Geschichte hinterfragen kann und einem der Kloß im Hals immer weiter anwächst. Es wird einem immer klarer, dass bei den Kriegen unserer Welt eigentlich alle nur Verlierer sind. Ich wünschte mir, dass auch mal Rechtspopulisten so etwas lesen und vielleicht all die verschiedenen Standpunkte mal hinterfragen. Aber ich denke, dass wird wohl eher nicht passieren. Aber wünschen kann man es sich doch einmal, oder?

Verlag: Arche – Verlag

ISBN: 978-3-7160-2768-4

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