Frischluftvergiftung bei minus 20 Grad – Siina Tiuraniemi

Frischluftvergiftung bei minus 20 Grad – Siina Tiuraniemi

5. März 2018 0 Von Markus

Frischluftvergiftung bei minus 20 Grad – Siina Tiuraniemi

Inhalt:

Ein geteil­tes Las­ter

Im Auf­trag sei­ner Mut­ter soll der ewi­ge Stu­dent Mis­ka sich um sei­ne älte­re Ver­wand­te Bir­git­ta küm­mern, die bein­am­pu­tiert im Pfle­ge­heim liegt. Bir­git­ta macht sich nicht viel aus Blu­men und über­re­det Mis­ka, ihr statt­des­sen Haschisch zu besor­gen. Und auch die ande­ren Heim­be­woh­ner seh­nen sich nach ver­bo­te­nen Sub­stan­zen – wie z.B. Fleisch­wurst! Zwi­schen dem Ein­zel­gän­ger Mis­ka und der bär­bei­ßi­gen Bir­git­ta ent­steht eine unge­wöhn­li­che Freund­schaft.

Rezen­si­on:

Ich bin haupt­säch­lich wegen des Titels auf die­ses Buch auf­merk­sam gewor­den und auch der Text auf dem Cover ver­sprach ein lus­ti­ges Buch – kif­fen­de älte­re Dame im Pfle­ge­heim, ein etwas selt­sa­mer Stu­dent, der sei­ner Tan­te Bir­git­ta manch­mal einen Joint mit ins Pfle­ge­heim bringt, lus­ti­ge Din­ge erlebt und wo sich eine genera­ti­ons­über­grei­fen­de Freund­schaft ent­wi­ckelt. Dies waren so mei­ne Gedan­ken, als ich die­ses Buch in die Hand nahm.

Eine Blog­ge­rin aus Finn­land hat­te es bereits mehr oder weni­ger ankün­digt. Und ja, es gibt ver­dammt viel Situa­ti­ons­ko­mik in dem Buch, aller­dings hat ein ande­rer Aspekt dann immer mehr über­wo­gen. In mei­nen Augen geht es doch auch um Ein­sam­keit, nicht nur bei Bir­git­ta im Alten­heim, son­dern auch die Ein­sam­keit von Mis­ka, der mit Vil­le, sei­nem bes­ten Freund, in einer WG wohnt, aber gera­de in eine Bezie­hung mit Emma gekom­men ist.

Mis­ka gerät immer mehr in den Dro­gen­sumpf der Volks­dro­ge Alko­hol. Manch­mal hat man das Gefühl, dass er eigent­lich lau­fend einen gewis­sen Pegel hat und er selbst hin­ter­fragt sich immer häu­fi­ger, ob dies so gut ist, was er da gera­de macht. Er benimmt sich näm­lich zuneh­mend wie ein Arsch gegen­über Vil­le und Emma. Dazu nutzt ihn Bir­git­ta immer mehr aus, die ihm das Blaue vom Him­mel ver­spricht und ihn mit Geld ködern will. Dabei macht er dies alles, weil er Bir­git­ta mag und er eigent­lich nur ihr Freund sein möch­te.

Teil­wei­se hat man das Gefühl, dass Bir­git­ta die ein­zi­ge ist, die ihn ver­steht und ich mach­te mir zuneh­mend auch Gedan­ken um Mis­ka, denn er ist immer häu­fi­ger gesprun­gen, wenn sie geru­fen hat. Dies lag zum einen dar­an, dass er sich schul­dig gefühlt hat, da er ihr Geld ange­nom­men hat­te und sich damit einen neu­en Fern­se­her und Play­sta­ti­on gekauft hat­te, aber auch dar­an, dass Bir­git­ta ver­sucht ihn zu erpres­sen, da er ihr ja Joints mit in Pfle­ge­heim gebracht hat.

Und gera­de durch die­se Erpres­sungs­ver­su­che und die Über­heb­lich­keit von Bir­git­ta wird das Buch immer erns­ter, dadurch konn­te ich immer weni­ger über die Situa­ti­ons­ko­mik lachen. Trotz­dem woll­te ich immer wei­ter­le­sen. Ich woll­te wis­sen, wie es mit Mis­ka wei­ter­geht.

Es ist in mei­nen Augen ein genera­ti­ons­über­grei­fen­der Roman, der einem hilft, sich selbst zu hin­ter­fra­gen, wie man nach außen hin­wirkt und ob es nicht an der Zeit ist, sich selbst ein wenig zu ver­än­dern. Aber, und dies ist viel­leicht genau­so wich­tig, man soll­te auch bestimm­te Din­ge in Pfle­ge­hei­men mal über­den­ken, denn was sagt dies über unse­re Pfle­ge aus, wenn auf­grund des Salz­ge­hal­tes die Fleisch­wurst ein Tabu ist. Im Alten- und Pfle­ge­heim wirkt dies ist ein wenig über­spitzt. Man soll­te mehr dar­auf ein­ge­hen, was die Men­schen wol­len, damit sie sich ein­fach wohl füh­len. Wenn jemand weit über 80 fast 90 ist, ist es doch egal ob er einen Monat län­ger oder kür­zer lebt,  solan­ge der Mensch sich ein­fach gut fühlt und sein Leben lebt und genießt so gut es geht.

Es gibt vie­le Punk­te, die in dem Buch ange­spro­chen wer­den und zum Nach­den­ken anre­gen, aber auch zum Lachen und ich den­ke, dass gera­de dies bei so einem The­ma wich­tig ist, auch wenn gera­de jetzt das Nach­denk­li­che bei mir über­wiegt.

Ver­lag: dtv – Ver­lag

ISBN: 978–3-423–26169-2

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