Für immer Zuckerfrei – Anastasia Zampounidis

Für immer Zuckerfrei – Anastasia Zampounidis

18. April 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Glücklich essen statt verzichten

Anastasia Zampounidis ist trockener Sugarholic. Jahrzehntelang griff sie zu Süßigkeiten, wenn sie sich beruhigen, trösten oder belohnen wollte, und erweckte damit nur neuen Heißhunger. Ein regelrechter Suchtkreislauf aus kurzfristiger Befriedigung und baldigem Verlagen nach mehr entstand. Dann ging sie auf Entzug, mit großartigen Folgen: Sie verlor Gewicht, fühlte sich ausgeglichener und fitter, zudem sieht die Endvierzigerin aus wie Anfang dreißig.

Welche Folgen hat Konsum von Zucker also wirklich? Wie wirkt er, wo steckt er überall drin und wie nascht man ohne das süße Gift? Anastasia Zampounidis erzählt von ihrem Weg aus der Zuckerhölle, sie klärt über seine Wirkungsweise auf und verrät Tipps und Rezepte, die zuckerfrei glücklich machen.

Rezension:

Zuckerfrei leben – das hat sich gewiss so mancher an Silvester vorgenommen und an Aschermittwoch gedacht, nun mache ich es aber wirklich. Es ging mir nicht anders. Der Verstand sagt, dass zu viel Zucker nicht gut für den Körper ist, aber leider vermeldet der Magen, dass er ihn haben will. Oder ist es vielleicht doch eher das Suchtzentrum im Hirn? Egal was der Grund ist – süßes schmeckt einfach gut und die meisten Menschen wollen nicht völlig darauf verzichten.

So ähnlich geht es auch Anastasia Zampounidis. Sie beschreibt hier sehr plastisch, wie ihre persönlichen Erfahrungen mit hohen Zuckerkonsum ihren heutigen Ernährungsstil geprägt haben. Man kann wirklich sagen, es hat bei ihr klick gemacht. Jeder Mensch hat einen Auslöser für Veränderungen und oft ist es eine gesundheitliche Einschränkung. Egal wie groß oder klein diese ist, für den Betroffenen reicht es und es ist für jeden etwas Anderes.

Diese Individualisierung hat mir besonders gut gefallen. Frau Zampounidis versucht nicht mit dem erhobenen Zeigefinger alles was Zucker hat zu verteufeln und einen besonderen Ernährungstrend als den einzig seligmachenden darzustellen, sondern sie betont immer wieder, dass sie hier von ihren Erfahrungen spricht. Eigentlich vermischt sie verschiedene Ernährungslehren und Stile und kreiert ihre eigene Variation. Sie macht Exkurse in die griechisch-mediterrane Küche, Ayurveda und TMC (traditionelle chinesische Medizin) mit der Fünf-Elemente-Lehre. Sie pickt sich überall die für sie leckersten Rosinen raus und schnürt ein Packet, das ihr offenbar gut tut. Ich fand es sehr schön zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin, die irgendwie in vielen Ernährungskonzepten logische Ansätze sieht, aber auch nicht nur dem einen folgen will. Das Leben ist zu schön, um einzelne Elemente komplett daraus zu verbannen.

Wie passt das nun aber zum Zuckerverzicht? Ganz einfach – Anastasia Zampounidis verzichtet „lediglich“ auf industriellen Kristallzucker. Klingt lapidar, ist es aber nicht. Sie beschreibt auf herrlich humorvolle Weise, wie schwer es manchmal ist ganz normale Lebensmittel ohne Zucker zu finden. Es ist schon erstaunlich, wieviel Zucker in herzhaften Lebensmitteln steckt. Die Prise Zucker an der Tomatensoße kennt ja (fast) jeder, aber oft ist es doch signifikant mehr als nur eine Prise, was sich in verarbeiteten Lebensmitteln findet. Passend dazu gibt es dann im Anhang auch eine sehr ausführliche Liste mit verstecktem Zucker und Zuckerersatzstoffen sowie ein paar Kommentaren dazu. Insgesamt finde ich die Übersichten im Anhang sehr praktisch, vielleicht nicht erschöpfend, aber ein guter Start.

Nochmal zurück zum Verzicht auf Zucker. Im Anhang gibt es auch ein paar Rezepte, die absolut süß sind. Wie das geht? Ganz einfach, es gibt natürliche Wege ein Gericht zu süßen. Schon in der Antike und auch im Mittelalter hat man dazu auch Trockenfrüchte verwendet. Ja, sie sind auch sehr süß und haben Kalorien und vom physiologischen Brennwert her ist es egal, ob die 100 Kalorien aus Datteln oder Kristallzucker kommen, aber es gibt da noch andere Komponenten. 100g Blei sind genauso schwer wie 100g Federn, aber das Volumen ist ein ganz anderes. So ist es auch mit den Kalorien aus (Trocken-)Obst im Vergleich zu Zucker. Im Obst steckt noch mehr, wie Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe.

Frau Zampounidis widmet sich auch dem Problem der geschmacklichen Konditionierung. Ja, diese fängt sehr früh an, aber jeder ist letztlich für sich selbst verantwortlich und kann sich und seinen Geschmack verändern. Ihr Buch ist dazu eine gute Inspiration, es auch nach dem x-ten Fehlversuch nochmal anzugehen und seine Ernährungsgewohnheiten kritisch zu hinterfragen. Es sind eben einfach „nur“ Gewohnheiten, die man zwar liebgewonnen hat, aber wie ein verschlissenes Lieblingskleidungsstück muss man sie manchmal ablegen, um ein neues Lieblingsteil zu entdecken.

Verlag: Bastei Lübbe  

ISBN: 978-3-431-03997-9