[Interview] Das Leben in den Zeiten von Corona… mit Andreas Eschbach

Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?
Eigentlich nicht sehr. Sich hauptsächlich zu Hause aufzuhalten ist ja der alltägliche Lebensstil aller Schriftsteller. Wenn mal eine Epidemie ausbräche, die es erforderlich machte, sich den ganzen Tag in großen Gruppen im Freien aufzuhalten – das wäre hart!  
Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?
Wie üblich an meinem Schreibtisch. Der ohnehin mein Lieblingsplatz ist.  
Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Meine Frau.  
Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?
Alle. Dass mir das confinement leicht fällt, heißt nicht, dass ich mir keine Sorgen machen würde, im Gegenteil. Wenn Experten über die Risiken bei bestimmten Vorerkrankungen reden, fühle ich mich deutlich angesprochen. Ich sollte Covid-19 definitiv besser nicht kriegen. Da fällt Vorsicht leicht.  
Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Am meisten bedaure ich, vor der Ankunft der Epidemie nicht noch einmal beim Frisur gewesen zu sein. Und am meisten vermisse ich die Treffen mit Freunden – ah, und unsere gelegentlichen Restaurantbesuche. In Frankreich leben und nicht ins Restaurant gehen zu können, c’est complètement absurde!  
Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?
Hierzu kann ich nicht mit Tipps dienen, tut mir leid. Ich bin geübter Stubenhocker, mir fällt die Decke nie auf den Kopf. Ob einem allerdings nicht eines Tages der Himmel auf den Kopf fallen könnte, da bin ich mir nicht so sicher …  
Wovon haben Sie Vorräte angelegt?
Von allem. Wir leben hier am äußersten Rand des Kontinents, da ist man Stromausfälle und zeitweise Versorgungsschwierigkeiten gewöhnt. Eine gewisse Vorratshaltung war hier schon immer unabdingbar.  
In Deutschland gibt es derzeit durch Hamsterkäufe kein Toilettenpapier und kein Mehl. Was ist derzeit in der Bretagne ausverkauft und wie viele Exemplare (oder Stück – je nach Antwort) besitzen Sie persönlich davon? Es klingt wie ein Klischee, aber hier ist es tatsächlich der Wein, der aus den Läden verschwunden ist. Und Chips und Salzbrezeln. Nun habe ich zwar einen recht gut sortierten Weinkühlschrank, aber mich mit Salzbrezeln einzudecken, daran habe ich nicht gedacht …   
Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?
Jede, die Spaß macht und einen so richtig wegsaugt. Ich jedenfalls gehe derzeit meine Buchregale ab, in denen noch allerhand ungelesene Bücher stehen, und lasse mich rein vom Lustprinzip leiten.  
Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
Selbstverständlich die Kinderbücher, die meine Frau Marianne Efinger geschrieben hat! Die »Bille Boss«-Reihe etwa oder die Trilogie »Lisa und die Brombeerprinzessin«.  
 Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
In »NSA« geht es um Überwachungstechnologien und wohin sie uns im schlimmsten Fall bringen können. Das Buch mag als Gegengift dienen gegen die gerade grassierenden Bestrebungen, im Namen des Seuchenschutzes die Überwachung von uns allen noch weiter voranzutreiben. Die Idee etwa, dass man etwa künftig das Haus nur noch mit einem Tracker in der Tasche verlassen dürfen soll, über den der Staat jeden unserer Schritte nachverfolgen kann, ist definitiv inakzeptabel, Virus hin oder her!  
 Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
Gänzlich unoriginell habe ich dieser Tage »Die Pest« von Camus noch einmal aus dem Regal gezogen, die uralte Ausgabe aus Schulzeiten.  
Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben? Vielleicht die Aussicht, dass es im Herbst ein neues, wunderbar dickes Buch von mir unter die Leserschaft zu bringen gilt, ein Buch, das möglicherweise das schönste ist, das ich je geschrieben habe?  
Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchte Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Wenn ich’s recht bedenke, kenne ich eigentlich nur Lieblingsbuchhändlerinnen und Lieblingsbuchhändler, und ich grüße sie alle!  
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