[Interview] Das Leben in den Zeiten von Corona … mit Leo Born

1.) Wie hat sich Ihr Zuhause oder Ihr Platz zum Schreiben in den letzten Wochen verändert?
Der Schreibplatz eigentlich gar nicht. Ich schreibe nicht abgeschieden und in Ruhe, sondern immer „mittendrin“ im Familienleben, wo es immer recht turbulent zugeht. Also irgendwie wie Kommissarin Mara Billinsky, mitten in der Action.

2.) Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Meine Familie. Meine Romanfiguren.

3.) Was haben Sie Neues gelernt in den letzten Wochen?
Vor allem etwas Altes: mal wieder ganz gelassen zu werden und nicht alles so ernst und wichtig und dringlich zu nehmen.

4.) Und wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Genau wie vor Corona: für das tägliche Pensum Schreibarbeit.

5.) Wofür oder für wen haben Sie die Regeln gebrochen?
Meine Mutter. Sie ist 87. Und ist in der bisher heißesten Corona-Phase umgezogen – zum ersten Mal seit 60 Jahren. Eine heikle Mission …

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6.) Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?
Ausflüge in Fantasiewelten, da gibt es keine Grenzen, keine Zollkontrollen, keine Geschwindigkeitsbegrenzungen.

7.) Können Sie der aktuellen Zeit auch etwas Positives abgewinnen?
Das „Runterfahren“ kann auch bedeuten, dass man neue Kräfte sammelt und alles, was vorher Alltag war, neu betrachtet – und vielleicht neue Richtungen und Wege entdeckt, die man sonst nicht gesehen hätte.

8.) Gibt es etwas, wofür Sie sich interessieren, wofür Sie sich vor Corona noch nicht interessiert haben?
Die Reproduktionszahl …? Nein, eher nicht.

9.) Was sind Ihre Pläne für die Zeit nach Corona? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Auf das, was jetzt verwehrt ist. Reisen, Leute treffen. Und das alles dann wieder viel mehr zu genießen und wertzuschätzen.

10.) Was ist die richtige Lektüre, um auch die nächsten Wochen zu überstehen?
„Als ich im Sterben lag“ von William Faulkner (aber das ist immer die richtige Lektüre).

11.) Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
„Krabat“ und „Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“.

12.) Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
Wenn man sieht, wie heftig die Corona-Krise Fleischbetriebe betrifft, dann liegt das nicht allein an der Pandemie an sich, sondern an den seit vielen Jahren schon höchst bedenklichen Zuständen in den Betrieben und an dem Gebaren der in diesem Industriezweig agierenden Unternehmen. Und genau das wird eindrücklich beschrieben in „Blutige Gnade“, meinem aktuellen Thriller, dem vierten Band der Mara-Billinsky-Reihe. Zustände, die im Übrigen schon lange bekannt sind, ohne dass Veränderungen herbeigeführt werden – vielleicht „hilft“ die Pandemie in diesem Falle sogar, positive Entwicklungen anzustoßen …

13.) Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
„Amok“ ( ;-) ) von Emmanuel Carrère und „Beneath a ruthless sun“ von Gilbert King.

14.) Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchten Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Buchhandlung Schutt in Frankfurt-Bornheim – großartig!! Kauft alle eure Bücher dort!

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