[Interview] Das Leben in den Zeiten von Corona – mit Sabine Weiß

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Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?
Rein praktisch ist ziemlich viel Zeitdruck weggefallen: ich muss weder meinen Sohn zu seinen Terminen kutschieren, noch in die Unibibliothek fahren, um zu recherchieren. Da ich ohnehin von Zuhause aus arbeite, hat sich in dieser Hinsicht auch nichts geändert. Leider kann ich auch keine neuen Sachbücher ausleihen, keine Museen besuchen und Hintergrundgespräche nur am Telefon führen. Aber natürlich beschäftigt mich die Corona-Krise auch. Mein Roman „Der Chirurg und die Spielfrau“ ist erschienen, ohne dass eine Buchhandlung geöffnet hatte. Lesungen mussten abgesagt werden – traurig. Die wirtschaftliche Bedrohung für Buchhändler, Verlage und auch Autoren ist teilweise existenziell, und lässt auch mich nicht kalt. Am wichtigsten ist jedoch die Gesundheit. Und da sowohl meine Mutter als auch meine Schwiegereltern Rentner sind, mache ich mir auch Sorgen.  
Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?
Mal so, mal so. Die Reihenfolge ist aber, weil ich Frühaufsteher bin, eher Küchentisch, Garten, Schreibtisch. Wenn mir Zuhause alles „zu bunt“ wird, ziehe ich mich in unseren Camper zurück, der ja leider auf dem Parkplatz stehen muss.  
Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Mein Mann und unser Sohn.  
Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?
So wenig wie möglich einkaufen zu gehen.  
Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
In letzter Zeit war ich dreimal die Woche in der Boulder- und Kletterhalle – das fehlt mir enorm. Ich würde außerdem gerne meine Mutter besuchen, die alleine lebt; so telefonieren wir täglich. Ich habe sie auch schon mit Büchern versorgt.  
Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?
Sport! Ich gehe laufen, mache Yoga oder ein Ausgleichstraining, damit ich beim Bouldern und Klettern nicht wieder von vorne anfangen muss.  
Wovon haben Sie Vorräte angelegt?
Espresso, Käse, Mehl, Schokolade – aber in Maßen.  
 
Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?
Mehr als genug. Als Autorin von historischen Romanen und Sportlerin bin ich da ohnehin schmerzfrei. Kennen Sie das Buch „How to shit in the Woods“? (lacht) Es geht auch ohne vierlagiges Klopapier. Meine Großeltern haben noch Zeitungen dafür kaputtgeschnitten und haben es auch überlebt.  
 
Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?
Mit nur einer einzigen Lektüre komme ich nicht weit. Wenn mir jemand auf die Nerven geht, brauche ich einen heftigen Thriller. Für Mußestunden versenke ich mich in Hilary Mantels „Spiegel und Licht“. Neben meinem Bett liegt von Jorge Bucay das philosophische „Drei Fragen“. Außerdem schreibe ich gerade an einem neuen Fall meiner Kommissarin Liv Lammers, die auf Sylt ermittelt, und lese polizeiliche Fachliteratur.  
Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
Ich finde die Kinderbücher des finnischen Zeichners Mauri Kunnas beispielsweise um Herrn Schnorchelmütz herrlich. Die Bücher von Daniel Napp sind klasse, wie die um Doktor Brumm oder auch „Die Schnüffelnasen“. Für etwas ältere Kinder empfehle ich die Reihen „Die kleine Drachenschule“ oder „Warrior Cats“.  
Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
Weil man mit „Der Chirurg und die Spielfrau“ tief in die Historie eintauchen kann, faszinierende Charaktere kennenlernt, sich von einer spannenden und bewegenden Geschichte mitreißen lassen kann und dabei vielleicht auch noch etwas Neues erfährt.  
Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
Siehe Frage 9  
Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben? Bücher sind Lebens-Mittel! Eine Buchhandlung ist ein Ort der Begegnung, des Wissens und der Fantasie. Geben Sie nicht auf – Sie leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag!  
Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchte Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Ich habe auf meinen Lese-Reisen so viele großartige und engagierte Buchhändlerinnen und Buchhändler kennengelernt, ob im Norden oder im Süden Deutschlands, im Westen oder im Osten, dass es mir schwerfällt, einzelne zu nennen. Diese Büchermenschen tun alles, damit die Bücher zu den Leserinnen und Lesern gelangen. Dafür gilt ihnen mein Dank. Stellvertretend möchte ich die Buchhandlung Peterknecht in Erfurt und, bei mir um die Ecke, die Buchhandlung Hanstedt nennen.  
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