[Interview] Das Leben in den Zeiten von Corona…mit Rebecca Gablé

(c)Olivier Favre
Wie hat sich Ihr Alltag verändert in den letzten Wochen?
Vielleicht weniger als bei den meisten anderen Menschen, weil ich ja auch unter normalen Umständen zuhause arbeite. Aber jenseits der Arbeit ist der Alltag natürlich wesentlich ruhiger geworden. Und weil man nicht mehr viele Dinge machen kann, gehe ich mehr spazieren als früher. Das ist toll!  
Wo schreiben Sie aktuell – Schreibtisch, Sofa, Küchentisch, Balkon, Garten?
Wie üblich am Schreibtisch.  
Wer leistet Ihnen zu Hause Gesellschaft?
Mein Mann.  
Welche Schutzmaßnahme fällt Ihnen überraschend leicht?
Offen gestanden, die allermeisten. Auf Kino, Theater, Stadtbummel und dergleichen zu verzichten, macht mir viel weniger aus, als ich gedacht hätte – jedenfalls noch.  
Und was fehlt Ihnen am meisten oder wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Am meisten fehlen mir die persönlichen Kontakte zu Freunden und Familie. Und ich bin ziemlich geknickt, weil wir Karten für ein Carl Palmer-Konzert Anfang April hatten, das natürlich abgesagt werden musste. Die meiste Disziplin brauche ich für die Vorbereitung eines Vortrags, zu dem ich Ende Mai an der Universität in Cambridge eingeladen bin, weil ich davon ausgehe, dass auch der abgesagt wird. Aber falls nicht, stünde ich schön blöd da.  
Was hilft, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Haben Sie einen Tipp?  
Bewegung an der frischen Luft und natürlich lesen.  
Wovon haben Sie Vorräte angelegt?
Pinot Grigio  
Wie viele Rollen Klopapier besitzen Sie aktuell?
Offen gestanden, weniger, als mir lieb ist. War gestern in vier einschlägigen Geschäften – überall leere Klopapierregale …  
Was ist die richtige Lektüre, um die nächsten Wochen zu überstehen?
Das kommt darauf an, was man möchte. Wer dem Schrecken ins Auge sehen und dabei vortrefflich unterhalten werden will, sollte THE STAND von Stephen King lesen. Wer der Realität lieber entflieht, dem sei DER MEDICUS von Noah Gordon oder DER RITTER DER KÖNIGIN von Elizabeth Chadwick ans Herz gelegt.  
Welches Kinderbuch empfehlen Sie, wenn der Vorlesestoff demnächst ausgeht?
Die BULLERBÜ-Bücher von Astrid Lindgren. Die heitern auch Mama und Papa gleich mit auf.  
Warum lohnt es sich, Ihr aktuelles Buch zu lesen?
Weil es ein spannender und gründlich recherchierter Roman über ein selten behandeltes historisches Thema ist.  
Welches Buch lesen Sie selbst gerade?
DER BALLHAUS-MÖRDER von Susanne Goga.  
Was möchten Sie dem Buchhandel zum Durchhalten mitgeben?
Ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass der Buchhandel sonderlich an meinen Durchhalteparolen interessiert wäre. Es ist eine sehr schwierige Situation für alle, die vom gedruckten Wort leben. Aber ich hege die leise Hoffnung, dass die Zeit der Entschleunigung, die jetzt alle Menschen notgedrungen erleben, zu einer Renaissance, einer neuen Wertschätzung für das Buch führen wird, die uns allen nach der Krise zugute kommen wird.  
Welchen Lieblingsbuchhändler/Lieblingsbuchhändlerin möchte Sie an dieser Stelle besonders grüßen?
Das Team vom prolibri-Buchladen in Mönchengladbach, mit dem gemeinsam ich einen so aufregenden Bücherherbst 2019 erlebt habe. Mögen so lebhafte Zeiten bald zurückkommen.  

(c) Bastei Lübbe

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