[Interview] Peter Hahne über Seid ihr noch ganz bei Trost!

1. April 2020 0 Von Markus

Peter Hahne über heiße Eisen, Glaubwürdigkeit und Prinzipien

  • In Ihren Büchern empören Sie sich sehr treffsicher über faselnde Politiker, kleinkarierte Bürokratie und andere alltägliche Ärgernisse – und landen jedes Mal zuverlässig auf der Bestsellerliste. Welchen Nerv treffen Ihre Kolumnen?

Es sind die Themen, die sozusagen auf der Straße liegen, über die sich alle schon mal geärgert haben. Eine spezielle Zielgruppe gibt es nicht. Es sind ja oft heiße Eisen. Klartext, kein Kuschel-Journalismus. Warum wird der Berliner Flughafen nicht endlich fertig? Brauchen wir einen Bläh-Bundestag von über 800 Angeordneten? Gerade bei der Klimapolitik, inzwischen geradezu eine Religion mit hysterischen Zügen, fragt man sich: Wer soll das alles bezahlen, und was darf man künftig eigentlich noch? Und was ich immer wieder aufspieße: diese Heuchelei von Politikern, die anderen Wasser predigen und selber Wein trinken. Da platzt mir der Kragen, das benenne ich mit Ross und Reiter. Ich habe übrigens noch kein Politikerkind gesehen, das in eine Willkommensklasse oder eine Brennpunktschule geht…

  • Wenn Sie Gelegenheit hätten, der Bundesregierung Ihr Buch persönlich zu überreichen, welche Widmung stünde im Exemplar für Angela Merkel? Oder in dem für Andreas Scheuer oder Horst Seehofer?

Die hatte ich ja alle schon „vor der Flinte“, Merkel und Seehofer x-mal in den legendären Sommerinterviews. Aber ich würde Herrn Seehofer schon fragen, wo sein „C“ geblieben ist, während die Polizei und damit unsere Sicherheit kaputtgespart werden. Und warum er seine vollmundigen Ankündigungen nach Abschiebung illegaler oder konsequenter Strafverfolgung krimineller Migranten nicht in die Tat umsetzt? Das Volk fühlt sich allein gelassen, das ist das Schlimmste in einer Demokratie. 

  • Waren Sie selbst jemals versucht, in die Politik zu gehen? Was hat Sie davon abgehalten?

Ich bin seit 48 Jahren Journalist mit Leib und Seele. Da wechselt man nicht die Seiten, weil es ja kein Zurück mehr gibt. Ich verstehe meinen Beruf als Dienstleistung. Meine Zuschauer und Leser haben einen Anspruch auf Information, dazu gehören Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Und wenn es um Meinung geht, dann bitte kein Wischiwaschi, sondern klare Kante!

  • Sie kritisieren nicht nur Politik und Behörden, sondern auch Ihre Journalisten-kollegen. Was sollten die Medien Ihrer Meinung nach anders machen? Und hat sich Ihr Blick auf die Medienlandschaft nochmal verändert, seit Sie Ihre Arbeit für das ZDF beendet haben?

Ich sage heute nichts anderes als zu meiner aktiven Zeit beim ZDF. Das wäre mir zu billig, erst nach Toresschluss anzufangen, aus den Kulissen zu schießen. Ich trete nicht nach, sondern sage, wie ich’s von meinem ersten Intendanten 1971 hörte: Kein Missionsjournalismus, der die Menschen bekehren und belehren will, sondern klare Trennung von Meldung und Meinung, von Nachricht und Kommentar. Heute habe ich immer mehr den Eindruck, dass dieses Grundprinzip journalistischer Ethik nichts mehr gilt.

  • Wen und was möchten Sie mit Ihren Kolumnen erreichen?

Ich möchte eigentlich gerne alle erreichen, jung und alt, Stadt und Land. Denn das, was die Menschen wirklich bewegt, ist doch überall gleich: sie wollen, um es mal harmlos auszudrücken, nicht veräppelt werden. Sie suchen nach Fairness und Gerechtigkeit. Sie brauchen Politiker und Medien, die ihnen helfen, in der Flut der Informationen nicht zu ertrinken. Information heißt ja: in Form bringen, so wie es ein Trainer mit seiner Mannschaft macht. Den Leuten helfen, mit den Problemen des Alltags fertig zu werden, ohne dauernd neue zu schaffen. Wir brauchen also keine Panikmacher, sondern Mutmacher. 

  • So sehr Sie sich ereifern – die Fassung verlieren Sie nie. Was ist das Fundament dieser Kraft? 

Man muss über sich selbst lachen können. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Und ich erlebe die fröhliche Gelassenheit, die mir mein christlicher Glaube schenkt. Über allem, was einem Kummer macht an den Zuständen unserer Zeit, eins nicht vergessen: Die Lebensfreude. Motivation statt Resignation, das ist mein Motto.