John Irving – In einer Person

John Irving – In einer Person

16. Oktober 2014 0 Von Markus

Inhalt:

Auf der Lai­en­büh­ne sei­nes Groß­va­ters in Ver­mont lernt Wil­liam, dass gewis­se Rol­len sehr gefähr­lich sind. Und dass Men­schen, die er liebt, manch­mal ganz ande­re Rol­len spie­len, als er glaubt: so wie die geheim­nis­vol­le Biblio­the­ka­rin Miss Frost. Denn wer sich nicht in Gefahr begibt, wird nie­mals erfah­ren, wer er ist.

Wil­liam Dean jr., Sohn eines ver­schwun­de­nen GI und einer Souf­fleu­se, ver­bringt sei­ne Jugend hin­ter und auf der Büh­ne des groß­vä­ter­li­chen Klein­stadt­thea­ters in Neu­eng­land. In den düs­te­ren Dra­men von Shake­speare und Ibsen lernt er sei­ne Fami­lie – und sich selbst – in ganz uner­war­te­ten Rol­len ken­nen, die ihn beun­ru­hi­gen, aber auch fas­zi­nie­ren. Und er erfährt, dass kei­ner die Per­son ist, die er zu sein scheint – zual­ler­letzt er selbst. Wil­liam will nicht Schau­spie­ler wer­den, son­dern Schrift­stel­ler, und um her­aus­zu­fin­den, wer er wirk­lich ist, macht er sich auf die Suche nach sei­nem Vater. Eine aben­teu­er­li­che Rei­se in sei­ne Ver­gan­gen­heit und um die hal­be Welt beginnt – von New York über San Fran­cis­co bis nach Ham­burg und Wien

 

 

Rezen­si­on

John Irving erzählt in ein­dring­li­chen aber auch lus­ti­gen Wor­ten, von einem Bi-Sexu­el­len  Jun­gen im Ver­mont der 50er Jah­re, wel­cher sich selbst noch nicht ver­steht und somit auch die Welt, die ihn umgibt nicht ver­steht. Er fühlt sich immer wie­der zu der wesent­lich älte­ren Biblio­the­ka­rin Mrs. Frost hin­ge­zo­gen. Er sagt immer wie­der er liebt Sie.

Er erzählt auch, wie er sich als Teen­ager in einen Mit­schü­ler „ver­liebt“ hat, der ihn aber irgend­wie immer nie­der macht. Immer wie­der stellt er fest, dass er sich zu Jun­gen oder Män­nern hin­ge­zo­gen fühlt, aber auch zu Frau­en – am bes­ten mit brei­ten Schul­tern und wenig Brüs­ten.

Sein Berufs­wunsch ist Schrift­stel­ler zu wer­den, und die­sen wird er  sich auch erfül­len. Sehr oft beschreibt er, wie man als Schwu­ler in den USA immer wie­der dis­kri­mi­niert wur­de und wie es war, wenn man damals eine ande­re sexu­el­le Nei­gung hat­te.

 

Was mich auch sehr bewegt hat­te, war die Art wie John Irving beschreibt, wie es in den 80er Jah­ren war, als die AIDS Wel­le ihren Höhe­punkt hat­te und immer mehr sei­ner Freun­de und Weg­ge­fähr­ten, auch die aus der Schu­le oder dem spä­te­ren Umfeld von Wil­liam unse­ren Roman „Hel­den“

 

Je län­ger man die­ses Buch liest, des­to mehr wach­sen einem die Figu­ren in dem Buch ans Herz und man fühlt mit. Es beschäf­tigt einen und man ist froh, in einer tole­ran­te­ren Zeit zu leben. Wobei man immer auch das Gefühl hat, dass noch nicht alles per­fekt ist.

 

Was das Buch so lesens­wert macht ist, dass NIE mit einem erho­be­nen Zei­ge­fin­ger gesagt wird so war es und das war schlecht.

Nein, es wird ein Plä­doy­er für die Offen­heit zwi­schen den Men­schen und ihren ver­schie­de­nen Nei­gun­gen gehal­ten.

Es wer­den Pro­ble­me auf­ge­zeigt, die man immer irgend­wie hat. Wo man denkt, ist man nun wirk­lich noch nor­mal? Jeder Mensch hat etwas wo er sagt, ich glau­be das ist doch nicht nor­mal.

Aber anstatt das wir es offen aus­spre­chen, was uns bedrückt, fres­sen wir es immer wie­der in uns rein. Wir sind nicht offen uns gegen­über, geschwei­ge denn unse­rem Umfeld. Ich den­ke, dass vie­les was in dem Buch beschrie­ben wird nur des­we­gen pas­siert ist, weil wir nicht offen mit­ein­an­der umge­hen.