Lesung: Natasha Korsakova mit Tödliche Sonate in Gießen

Natasha Korsakova ist nun keine Unbekannte mehr für mich. Ich durfte sie auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt bereits interviewen. Schon da war sie mir von Anfang an sympathisch. Gut, man könnte sagen, dass dies ja leicht sei, da Frau Korsakova wirklich gut aussieht, aber dies ist es nicht. Sie ist einfach eine Frau mit einem sympathischen Wesen, das von innen heraus strahlt.

Beim Interview auf der Buchmesse hatte sie vorgeschlagen, dass Heike und ich bei der Lesung in Gießen dabei sein könnten. Da muss ich sagen: Danke an den Veranstalter des Krimifestivals in Gießen, dass sie dies möglich gemacht haben! Ich war irgendwie nervös, als wir bei mir losfuhren. Zum einen die Frage, erkennt sie mich wieder, freut sie sich, und zum anderen, viel wichtiger, wie kommt sie die Lesung rüber? Wie bei einem dramatischen Helden könnte sich eine enorme Fallhöhe ergeben. Auch wenn mir der Schreibstil von ihr bis jetzt sehr zusagt, hatte ich ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend. Zwischen Interview und Lesung kann es doch große Unterschiede geben.

Ich fragte mich auch, ob sie bei der Lesung vielleicht etwas auf ihrer Geige spielt. Natürlich hatte ich mich schon schlau gemacht, und mir einige Stücke mit ihr angehört, aber live, da war ich mir sicher, hat das Ganze eine andere Intensität.

Feststellung Nummer eins: Frau Korsakova ist bei der Lesung genauso sympathisch wie bei einem Interview und ihr Lese- und Vortragsstil ist fesselnd.

Feststellung Nummer zwei: Ja, sie spielt Geige bei der Lesung. Es ist ein toller Einstieg in den Roman. Die beiden ersten Stücke zum Beginn waren von Johann Sebastian Bach – Sarabande und Chaconne aus der Partita Nr.2, BWV 1004 für Violine solo. Stellenweise fragte ich mich, wie man so schnell so klar Geige spielen kann. Und noch viel wichtiger, wie merkt man sich diese ganzen Noten?

Noch mehr ist es mir bei Arcangelo Corelli mit La Follia (Auszüge) aufgefallen. wobei ich sagen muss, dass er mir im ersten Moment nichts sagte, aber als ich die Musik hörte, kam ein leichtes ach ja da war mal was.

Kommen wir nun zur Lesung. Die Kapitel, welche sie rausgesucht hatte, waren wirklich gut gewählt auch die Erklärungen zu den Personen und den Ereignissen waren wirklich gut. Ich hatte das Gefühl, ja, dieses Buch ist wirklich in ihr verankert. Jedes Mal, wenn sie angefangen hat, etwas vorzulesen war so ein leichtes Strahlen zu erkennen. Auch ist der Akzent während dem Lesen immer wieder anders. Mal findet man einen russischen Sprachton, mal färbt es sich mit italienischem Klang und teilweise ist es richtiges Hochdeutsch, was in Anbetracht der Tatsache, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, umso erstaunlicher und bemerkenswerter ist. Heike und ich konnten ihr sehr gut folgen und es war richtig angenehm, auch was den Rhythmus beim Vorlesen betraf.

Nach einer kurzen Pause, in der wir erst einmal Luft holten und das Erlebte gemeinsam austauschten, ging es auch diesmal mit der Violine weiter. Diesmal startete Sie mit neueren Komponisten. Zum einen Eugène-Auguste Ysaÿe mit Sonate Nr. 5 Op. 27, 1. Satz „L’Aurore“, wo wir uns nach der Lesung nicht so einig waren. Es ist einfach immer wieder spannend, was gerade klassische Musik in uns hervorruft, mal mehr mal weniger intensiv und bei jedem ist es anders.

Einig waren wir uns bei dem, auch für das Buch wichtigen, Stück von Heinrich Wilhelm Ernst – Variationen über „Die letzte Rose des Sommers“. Es nimmt irgendwie jeden mit auf eine musikalische Reise.

Danach hat sie uns wieder mit ihrem Buch eingefangen und auch für mich ein Kapitel vorgelesen, welches ich nicht kannte. Ich bin noch am Lesen des Buches und bin sehr gespannt darauf, wer nun der oder die Täter bzw. Täterin ist.

Abgerundet wurde der Abend mit einer Zugabe auf ihrer Geige. Diesmal Johann Sebastian Bach – Giga aus der Partita Nr.3 BWV 1006, für Violine solo, welches sich gewünscht wurde.

Mein Fazit zu der Lesung: Frau Korsakova hatte durch ihre sympathische Art im Interview die Messlatte sehr hoch gelegt, aber mit ihrer Art zu lesen und die Musik zwischendurch, haben es nochmal überboten. Da ist gar nichts gefallen, weder die Messlatte noch die Dramatik. Man kann einfach nur den Hut ziehen und sagen, ja Frau Korsakova, ich bin ein Fan von Ihnen.

Mir fehlen noch ein paar Seiten bis zum Ende des Romans und es zieht mich immer mehr zu dem Buch zurück, daher komme ich nun zum Schluss. Insgesamt schätze ich die Art und Weise, wie beim Krimifestival in Gießen durch das Programm geführt wird, und ich bin der Meinung, dass die Organisatoren immer ein gutes Händchen bei der Auswahl der Locations und der Moderatoren für den Abend an den Tag legen. Ich denke, dies macht auch einen Teil des Erfolgs des Krimifestivals in Gießen aus.

Dass Frau Korsakova eine Violinistin mit Weltruhm ist, konnte man sehr gut hören. Ihr Spiel war atemberaubend, aber ich bin der Meinung, sie hat noch eine zweite Berufung, nämlich gute Krimis zu schreiben und man kann ihr bei Lesungen sehr gut folgen. Ich würde mich freuen, sie noch das eine oder andere Mal in Gießen, oder in unserer Gegend, lesen zu hören und zu sehen.

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