Natürlich fit – Felix Klemme

Natürlich fit – Felix Klemme

24. Mai 2017 0 Von Markus

Inhalt:

Effektives Workout für Starter und Profis

TV-Moderator und Sportwissenschaftler Felix Klemme zeigt, was der Körper braucht, um gesund und widerstandsfähig zu sein: Tägliche Bewegung, Natur und ein kurzes, aber knackiges Workout. Die 60 Übungen seines Fitness-Trainings sind individuell zusammenstellbar und sowohl für motivierte Einsteiger als auch für routinierte Profis ein Gewinn.

Mit zahlreichen Fotos und ausführlichen Übungsanleitungen sowie einem Test zur persönlichen Fitnesssituation kann jeder sein persönliches Trainings-Programm starten – mit wenig Aufwand und ohne teure Geräte.

Rezension:

So, Fasching ist rum und damit wird es jetzt endlich Zeit, sich um die kleinen Pölsterchen zu kümmern, die seit der Adventszeit fröhlich gewachsen sind. Aber mal ehrlich – die Kekse waren auch zu lecker, die Essen mit Familie und Freunden zu gesellig und in den paar Wochen bis Karneval lohnte es sich ja auch nicht so recht, nach der Ernährung zu schauen, und das Wetter war eh so schlecht, dass man kaum raus konnte. Aber jetzt ist Schluss! Ich achte wieder auf die Ernährung und mache regelmäßig Sport!

Klingt bekannt, oder? Das war eine kleine Auswahl meiner persönlichen Ausreden, an denen meine Trainerin schon leicht verzweifelte. Mit ihrer Hilfe habe ich in den letzten zwei Jahren meinen BMI von 44 auf 37 reduziert und bin sogar einen kleinen Walking-Event mitgelaufen. Für manche Menschen sind 5 km walken ein Spaziergang, für mich war es eine sportliche Leistung. Ohne sie würde dieses Buch nach dem Lesen garantiert dort verschwinden, wo schon viele andere zum Thema gesunde Ernährung und Sport gelandet sind – eingestaubt in meinem Bücherregal. Somit gehöre ich zu einer recht großen Gruppe von Menschen, die zwar sehr genau wissen was sie falsch machen, es aber trotzdem nicht ändern. Es fehlt der letzte Motivations-Kick. Dieser ist so individuell wie wir Menschen eben sind.

Fortsetzung: Ostern ist rum.

Jetzt habe ich aber wirklich angefangen! Mein „normales“ wöchentliches Training lief ja, aber meine zusätzlichen Trainingseinheiten nicht wirklich. Ich wollte ja das Buch nicht nur lesen, sondern auch testen.

Mit der Ernährung hat es schon ganz gut geklappt – trotz Schokohase. Nur das mit der Bewegung ist so ein kleines Problem. Darüber lesen ist gut, aber eben nur der erste Schritt. Der zweite ist viel schwerer – die Umsetzung.

Der Theorie-Teil des Buches von Felix Klemme ist prima. Er schreibt informativ, aber auch so, dass man alles ohne Studium von Medizin und Ernährungswissenschaften versteht. Es ist sehr verständlich, was zu wenig Bewegung mit unserem Körper macht. Er geht auch auf die üblichen Ausreden wie Erkältung, mir tut da was weh oder auch die Angst zu viel Muskeln aufzubauen ein. Auch der Bereich Regeneration wird gut abgedeckt. Das Kapitel Essen und Trainieren ist gut geschrieben und hat mir sehr schön den Spiegel vor die Nase gehalten. Was fehlende Nährstoffe machen, ist schon nicht ohne. Dazu hätte ich gerne noch mehr erfahren. Die Nährstoffanalyse durch ein entsprechendes Blutbild hat mich neugierig gemacht. Daraufhin habe ich dem Hinweis entsprechend auf seiner Internetseite nachgeschaut, dort allerdings nichts zu den relevanten Nährstoffen gefunden, nur die Angebote zum Outdoor-Gym und seine Bücher.

Auf die 10.000 Schritte am Tag komme ich eigentlich nie. Er erklärt auch schön, dass einfach nur Bewegung allein nicht zu Gewichtsreduktion führt. Es geht um gezielte Bewegung – Muskelaufbau. Die fünf motorischen Grundeigenschaften, die er beschreibt, sind mir einleuchtend. Kraft, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit und Schnelligkeit sind Fähigkeiten, die der Mensch schon immer brauchte und auch heute noch genauso nötig hat. All das zu trainieren soll nun auch schnell gehen? Im Prinzip ja, aber. Das im Übungsteil erläuterte Intervalltraining nimmt gerade mal 22 Minuten in Anspruch. Jetzt aber auch daran denken, dass man erst mal raus in die Natur sollte – vorzugsweise nicht direkt mit dem Auto vorfahren, sondern laufen oder Rad fahren. So habe ich es jedenfalls verstanden.

Das Training mit dem was man in der Natur vorfindet klingt zwar gut, allerdings finde ich nie die passenden Äste. Wenn ich also erst mal eine halbe Stunde im Wald nach meinen Utensilien suche, habe ich zwar Bewegung aber kein Training und 30 Minuten weniger für anderes zur Verfügung. Auch die Verfügbarkeit von passenden Ästen, Stämmen und Steinen in unseren aufgeräumten Parks und Wäldern ist etwas eingeschränkt. Bei meiner letzten Walking-Runde habe ich mal gezielt darauf geachtet und musste feststellen, dass ich so auf Anhieb nichts Passendes gesehen habe. Ich gebe zu – ich schummele derzeit. Die meisten Übungen kann man auch zu Hause machen. Das ist jetzt meine Interpretation von variabel trainieren. Auch wenn es kein schlechtes Wetter sondern nur falsche Kleidung gibt, ist es kein Wetter, das mich persönlich motiviert draußen aktiv zu werden. Also lieber drinnen, als gar nicht.

Die Übungen starten mit einem Fitness-Check. Demnach gehöre ich immer noch zu den Anfängern, wenn auch mittlerweile im oberen Bereich. Da hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel getan. Damals konnte ich noch nicht eine einzige Liegestütze!

Die meisten Übungen kannte ich schon vorher und meine Trainerin hatte mir da bereits ein paar Fehler von früher ausgetrieben. Als Anfänger finde ich es allerdings schon nicht einfach, die Haltung richtig einzuschätzen – zumal in Feld, Wald und Wiese der Spiegel zur Kontrolle fehlt. Da dürfte ein Trainingspartner hilfreich sein. Daher fand ich es besonders gut, dass Herr Klemme genau diese Haltungsfehler proaktiv anspricht. So beschreibt er beim Rudern in der Kniebeugenposition das natürliche Hohlkreuz und es wird in den Fotos sehr deutlich gezeigt. An dieser Stelle sollte auch mal der Fotograf lobend erwähnt werden, der sogar die Muskelgruppen deutlich getroffen hat, so dass man bei der Übung Brustpresse mit Ast klar sieht wie sie angespannt werden, obwohl der Ast gewiss kein großes Gewicht für Herrn Klemme ist. Als Anfänger kann ich nur sagen, dass es mir nicht leicht fällt, solche Übungen mit entsprechender Spannung durchzuführen, aber die Bilder helfen dabei, dass ich mir den passenden Muskel vorstellen und ansteuern kann. Gut finde ich auch die Hinweise bei den Übungen, wie man die Intensität steigern kann. Ich denke, dies ist besonders wichtig, wenn man sich langsam aus dem Starter-Level heraus in den Pro-Level hinein bewegt. Welche Übung eher Anfänger, oder doch schon Fortgeschritten ist, liegt wohl ein Stück weit auch im Auge des Betrachters. Während ich „Rudern am Geländer“ schon sehr heftig für den Anfänger halte, finde ich die „Böse Rolle“ gar nicht so schlimm. Jeder hat halt seine persönlichen Stärken und Schwächen, die er aber auch realistisch einschätzen sollte.

Jetzt mache ich die Übungen schon die zweite Woche und muss sagen, es bringt was. Das Buch hat leider den gleichen Fehler wie alle anderen dieser Art – es hilft nicht, wenn es nur gelesen wird. Man muss es auch Umsetzen. Wenn sich der Frühling jetzt doch irgendwann mal bequemt, Einzug zu halten, gehe ich auch raus. Versprochen!

Bis dahin – Buch holen lesen und mitmachen! Wir sehen uns im Wald.

Verlag: Droemer – Knaur

ISBN: 978-3-426-67514-4