NSA – Nationales Sicherheits-Amt – Andreas Eschbach

NSA – Nationales Sicherheits-Amt – Andreas Eschbach

22. November 2018 0 Von Markus

Inhalt:

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …

Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computergegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – undderen totale Überwachung?

Rezension:

Meine ehemalige Abteilungsleiterin war ein absoluter Fan von Andreas Eschbach, und als das Buch vor mir lag, war ich schon etwas ergriffen. Es ist ein spannendes Thema und die Idee, wie es gewesen wäre, wen die Nazis schon die Möglichkeiten gehabt hätten, die die NSA (National Security Agency) der Amis heute hat, ist wirklich faszinierend.

Und wenn sie nun sagen, diese Möglichkeiten, die Andreas Eschbach in dem Buch beschreibt, stehen den Amis heute noch nicht zur Verfügung, so muss ich doch größtenteils widersprechen. Gut, das mit den Implantaten zur Steuerung der Menschen am Ende des Romans durch einen gewissen Mengele, der die Operation durchgeführt hat, ist meines Wissens noch nie so gemacht worden, aber irgendetwas sagt mir, dass es doch schon möglich wäre.

Viele Dinge, wie die Verfolgung der Juden oder das Aufspüren von Fahnenflüchtigen durch die NSA, könnte man so oder so ähnlich sicher machen und es zeigt auch, wie gläsern wir wären, wenn wir kein Bargeld mehr benutzen würden, sondern nur noch, wie es uns die Werbung suggeriert, mit der Kreditkarte etc. zahlen würde.

Wir werden immer gläserner durch unser Handy, welches immer am Mann ist, und was man bei jeder Gelegenheit aus der Tasche holt. Manchmal wäre es angebracht, das Gerät zuhause zu lassen. Andreas Eschbach zeigt drastisch, wie gläsern wir sind und was man mit den Daten alles machen kann.

Es ist schon interessant, zu sehen, dass man bei der NSA das Handy ausgeschaltet beim Pförtner abgegeben muss, wie er die Geschichte der Computer, oder wie er es geschrieben hat „Komputer“ einfach gut 100 Jahre früher spielen lässt und er manche Begriffe ins Deutsche umwandelt wie z.B. Programmstrickerin anstatt Programmiererin.

Es sind viele Dinge, die mich Schlucken ließen, weswegen ich einen Kloss im Hals hatte, wie zum Beispiel die Atombombe, oder die Möglichkeit anderer Projekte, die die Nazis vielleicht dann in Auftrag gegeben hätten. Wie leicht es wäre, verschiedene Menschen an anscheinend verschiedenen Projekten arbeiten zu lassen und wie ein im ersten Moment scheinbar gutes Projekt doch gegen die Menschen in einem Staat gerichtet werden kann, ist erschreckend und faszinierend zugleich.

Wie einfach die Überwachung von uns eigentlich wäre – oder bereits ist.  Gut, Lettke ist nicht gerade ein Sympathieträger in dem Roman, aber ohne ihn wäre es nur der halbe Roman. Denn nur durch die Liebesgeschichte von Helene zu ihrem Arthur, dem Fahnenflüchtigen, wäre der Roman sicherlich nicht so spannend gewesen. Lettke spielt eine nicht unwesentliche Rolle beim Spannungsaufbau.

Wobei man auch sagen muss, dass das Buch gelegentlich ein paar Längen hat, wo man denkt, ok, ein bisschen weniger ist manchmal mehr. Aber ich glaube, diese Stellen sind für die gesamte Entwicklung des Romans wichtig, ansonsten würde man das wieso und warum nicht so gut verstehen.

Aber trotzdem ist das Ende erschreckend und hat mir wirklich sehr viel Angst gemacht. Ich bin teilweise noch immer wie paralysiert, auch wenn das Ende des Romans schon eine Nacht hinter mir liegt. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir ein anderes Ende erhofft habe, vielleicht aber auch, weil ich Angst davor habe, dass es bis auf die Nazis und andere Dinge, die es nicht mehr so gibt, doch noch so werden kann.

Vielleicht ist Andreas Eschbach doch näher an der Zukunft als man denkt, auch wenn er den Roman in der Vergangenheit spielen lässt. Und vielleicht ist es genau dies, was mich so erschreckt hat. Wer weiß dies schon?

Wie gesagt bis auf ein paar Längen im Roman, ist er absolut lesenswert und regt zum Nachdenken an.

Verlag: Bastei – Lübbe

ISBN: 978-3-7857-2625-9