[Rezension] Der größte Spaß, den wir je hatten – Claire Lombardo

[Rezension] Der größte Spaß, den wir je hatten – Claire Lombardo

20. September 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Wie hält man das Glück der eigenen Eltern aus?

Vierzig glückliche Ehejahre: Für die vier erwachsenen Sorenson-Schwestern sind ihre Eltern ein nahezu unerreichbares Vorbild – und eine ständige Provokation! Wendy, früh verwitwet, tröstet sich mit Alkohol und jungen Männern. Violet mutiert von der Prozessanwältin zur Vollzeitmutter. Liza, eine der jüngsten Professorinnen des Landes, bekommt ein Kind, von dem sie nicht weiß, ob sie es will. Und Grace, das Nesthäkchen, bei dem alle Rat suchen, lebt eine Lüge, die niemand ahnt. Was die vier ungleichen Schwestern vereint, ist die Angst, niemals so glücklich zu werden wie die eigenen Eltern. Dann platzt Jonah in ihre Mitte, vor fünfzehn Jahren von Violet zur Adoption freigegeben. Und Glück ist auf einmal das geringste Problem.

Rezension:

Familienromane, sind etwas was ich nicht so oft lese, auch wenn es immer wieder spannend ist in andere Familien einzutauchen, wie z.B. „Die unsterbliche Familie Salz“. Nun lernte ich also die Familie Sorenson kennen mit den Eltern Marilyn und David, die eine mehr oder weniger perfekte Ehe führen und sich auch Jahrzehnte nach der Hochzeit noch immer lieben und es anderen auch zeigen.

Ihre Kinder haben ständig das Gefühl, nicht an ihre Eltern heranreichen zu können. Die älteste, Wendy, hat ihre große Liebe kennengelernt und sie auch wieder beerdigt und keiner der nachfolgenden Männer kann auch nur im Geringsten an ihre große Liebe heranreichen. Dazu hat sie noch eine Totgeburt hinter sich und versucht nun, mit Alkohol und Männern ihre Gefühle zu betäuben.

Violet ist die zweite Tochter von Marilyn und David und ist so etwas wie die perfekte Tochter mit dem perfekten Mann und den perfekten kleinen Söhnen, und die so gar nichts an sich heranlässt und alles kontrolliert und plant.

Liza, kommt danach und sie hat einen eher depressiven Lebensgefährten von dem sie dann auch noch schwanger wird. Sie geht ihm fremd und er trennt sich dann auch von Liza.

Nun zum Nesthäkchen, Grace, die weit von ihren Eltern wegzieht und ihrer Familie erzählt, wie toll es in ihrem Leben laufe. Das ist allerdings mehr oder weniger eine Lüge.

Dann taucht Jonah auf die Bildfläche auf. Er ist ausgerechnet der Sohn von Violet, dieser ach so perfekten Mutter und Ehefrau, den sie zu Adoption freigegeben hat. Beim ersten Treffen zusammen mit Wendy konnte sie ihn noch nicht einmal ansprechen. Sie verhält sich wie eine Rabenmutter und sucht auch keinen Kontakt zu ihm.

Jonah wird immer mehr zum Katalysator in der Familie. Er lebt erst bei Wendy und dann bei Marilyn und David, die er zunehmend liebt und Wendy ist auch immer mehr wie eine große Schwester für Jonah und hilft ihm einige Male aus der Patsche, auch wenn sie ihn aus verschiedenen Gründen vorher auf die Straße setzt bzw. zu ihren Eltern abschiebt, was für Jonah ein Glücksfall ist.

Das Buch hat über 700 Seiten und man kann es sehr gut lesen. Man wird gut unterhalten. Ich habe ja nun schon einiges erzählt über die Familie Sorenson, aber man kann noch viel mehr erleben. Von Seite zu Seite wird man immer mehr Mitglied dieser Familie mit ihren Schattenseiten, aber auch mit einigen lustigen Situationen, wie es halt in einer normalen Familie so ablaufen könnte. Gut, diese Familie ist gut situiert, also Vater Arzt, Wendy hat reich geheiratet, Violet hat einen Anwalt geheiratet und hat selbst Jura studiert, Liza ist Professorin und dann Grace, die nichts auf die Reihe bekommt, aber es ist nie abgehoben oder so, dass man denkt, als Ottonormalverbraucher kann man sich da nicht reindenken und reinfühlen. Ich sage, nein, dem ist nicht so. Was mich am Anfang ein wenig irritiert hat, war das hin und her switchen zwischen den einzelnen Personen. Hat man dies einmal verstanden, dass man auch mal in einem Kapitel zwischen allen Familienmitgliedern hin und herschalten kann und dadurch immer wieder die verschiedenen Standpunkte kennenlernt, wird man von Seite zu Seite immer besser und intelligenter unterhalten. Für mich einfach ein Roman zum Lachen, Nachdenken und Weinen. Man hat alle Emotionen, die man auch so aus der Familie kennt, mit allen Missverständnissen und unausgesprochenen Worten, die man gelegentlich runterschluckt. Mich würde es auch mal reizen, was die Autorin noch so schreibt. Es müssen ja nicht immer 700 Seiten sein, aber den Schreibstil finde ich interessant und angenehm zu lesen, auch ehrlich und nicht zu abgehoben. So kann ich mir sicherlich noch einige Romane vorstellen und ich hoffe, sie auch. Auch wenn Familie nicht immer der größte Spaß ist, den man je hatte -aber so ist nun mal das Familienleben, mit einem Auf und Ab und kleineren und größeren Lügen oder Missverständnissen.