[Rezension] Ein gutes Mädchen – Emma Rowley

Inhalt:

Ausreißerin?

Oder Entführungsopfer?

Was geschah mit Sophie Harlow?

Domestic Noir aus England – düster, packend und überaus clever erzählt

Auch zwei Jahre nach dem plötzlichen Verschwinden ihrer 16-jährigen Tochter Sophie hat Kate Harlow die Suche nach Antworten nicht aufgegeben. Zwar hat die Polizei Sophie wegen einer entsprechenden Notiz des Mädchens recht schnell als Ausreißerin eingestuft, doch Kate kann sich einfach nicht vorstellen, weshalb ihre Tochter hätte weglaufen sollen.

Werbung

Seitdem arbeitet Kate bei einer Hotline für Ausreißer – wo sie eines Nachts einen erschütternden Anruf erhält: »Ich war nie weg«, sagt eine Mädchen-Stimme, dann wird aufgelegt. War es tatsächlich Sophie? Fieberhaft geht Kate erneut alle Unterlagen durch, nimmt Kontakt zu Sophies alten Freunden auf – und entdeckt schließlich etwas, dass das Verschwinden ihrer Tochter und ihre idyllische Kleinstadt-Nachbarschaft in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt …

Rezension:

Jetzt habe ich das Buch beendet und die Nacht, oder besser gesagt ein paar Stunden, geschlafen, aber dieses Buch lässt mich noch immer nicht los. Ich habe fünf Stunden wach gelegen und konnte nicht einschlafen. Immer wieder gingen mir Situationen aus dem Roman durch den Kopf. Wie hätte ich als Kate Harlow reagiert, wenn meine Tochter bei meiner Arbeit anruft, insbesondere, wenn man bei einem Verein arbeitet, der Nachrichten von geflüchteten Kindern übermittelt?

Wie hätte ich die Jahre über reagiert, wenn alle halbe Jahr eine Postkarte bei mir ankommt mit Bildern aus Spanien, Frankreich etc. aber man kann erkennen, dass die Postkarten in London abgeschickt wurden? Nun könnte ich ja sagen, das kenne ich. Man kauft sich meinetwegen in Straßburg ein Stapel Postkarten, da man mit einem Freund in den Vogesen wandern will und es ja nicht überall Postkarten gibt. Letztlich landet man dann in Paris, Amsterdam, Brügge, etc. und versendet laufend Karten mit Bildern aus den Vogesen aus lauter schönen Städten in Europa. Alles schon vorgekommen und warum es nicht genauso machen, wenn man schon weggelaufen ist.

Aber eine Mutter wird nie aufgeben, ihr geliebtes Kind zu suchen, bis sie Gewissheit hat, wo ihre Tochter nun wirklich ist oder sie es in den Armen hält. Wenn eine Mutter das Gefühl hat, dem Kind geht es nicht gut und da stimmt etwas nicht, dann wird sie auch dem geschriebenen Wort wenig Glauben schenken. Und so beginnt eine Suche, nach dem Kind, die über Jahre geht und an der die Mutter fast zerbricht. Ihre Ehe geht daran zugrunde. Ihre eigene Schwester will sie am liebsten in ein Krankenhaus schicken. Ihr eigener Vater glaubt ihr nicht. Und der Polizist, der diesen Fall betreut, na ja ist alles, nur nicht sympathisch oder gar emphatisch. Ob der diesen eigentlich kalten Fall richtig angeht, da hatte und habe ich meine Zweifel.

Der Thriller ist fast immer aus der Sicht von Kate, der Mutter der entlaufenen Sophie, geschrieben. Im zweiten Teil wechselt die Perspektive zwischen Kate und Sophie, so lernt man beide Seiten richtig gut kennen. Die Hauptperson ist jedoch die Mutter von Sophie und das ändert sich auch nicht. Emma Rowley ist eine Autorin, die mir echt gut gefällt. Sie hat es geschafft, mich vollkommen einzunehmen. Es ging immer weiter. Ich wollte immer wieder noch ein Kapitel und noch ein Kapitel lesen. Jede Störung war für mich eine zu viel. Hätte mich gestern, bei den letzten 250 Seiten, irgendjemand gestört, wäre ich wahrscheinlich zum Mörder geworden. Es ist spannend, zu lesen, mit tollen Wendungen, guten Charakteren und genau die Unterhaltung, die ich brauche, wenn ich Psychothriller lese. Es ist nicht blutig, aber toll erzählt. Es geht wie das Genre es will an die Psyche. „Ein gutes Mädchen“ ging mir einfach nur unter die Haut und ich bin gespannt, wie es Emma Rowley schafft, noch mal so einen Thriller nachzulegen. Ich als Leser wünsche es mir unbedingt, auch wenn ich dann wieder eine schlaflose Nacht haben werde, aber für einen guten Thriller, verzichte ich gerne auf einen geregelten Schlaf.

Verlag: Droemer – Knaur

ISBN: 978-3-426-52431-2

Bei einem unserer Partner bestellen:

Werbung

Kommentar verfassen