[Rezension] Im Schrank – Tereza Semotamová

[Rezension] Im Schrank – Tereza Semotamová

24. Juli 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Aus dem Tschechischen von Martina Lisa

Eine junge Frau zieht in einen Schrank. Ausgedient und knarzig steht er in einem Prager Hinterhof, der Winter naht. Es ist ihr Raum. Und es ist der radikale Entschluss, sich allen Zwängen, auch aller Geborgenheit zu entziehen, das Resultat zu vieler missglückter Anpassungsversuche.

Tereza Semotamová rekonstruiert die mal absurden, mal bitteren Episoden jener Suche nach dem eigenen Weg in einer Welt, in der niemand mehr genau weiß, wo es eigentlich lang geht.

»Kaum zu glauben, was man alles in einen Schrank packen kann. Ein ironisches, absurdes und sehr witziges Buch. Man lacht, man weint. So muss es sein!«

Jaroslav Rudiš, Schriftsteller

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Rezension:

Manchmal da stolpert man mehr oder weniger durch Zufall über Bücher. Diesmal geschah es an der Arbeit beim Programm des Literarischen Zentrums in Gießen.

Ich fand das, was ich dort über die Lesung gelesen habe, sehr spannend. Hätte mich nicht die Sommergrippe erwischt, wäre ich sicherlich da auch noch aufgeschlagen. Daher habe ich dann das Buch aufgeschlagen und lernte Hana kennen, eine Frau, die in Deutschland eine sehr vergiftete Beziehung geführt hatte. Darin war wohl keiner wirklich glücklich, auch wenn man sich wohl geliebt hat. So zieht sie mehr oder weniger freiwillig in einen Schrank, den sie von ihrer Schwester bekommt, da sie ihr erklärt, dass sie diesen für Freunde benötigt. Sie zieht bei ihrer Freundin aus und in die Nachbarschaft ihrer Schwester in besagten Schrank.

Es hört sich am Anfang echt lustig an und ich fand diese Idee auch wirklich erheiternd, bis ich mich Seite um Seite mehr in dieses Buch eingefühlt und mich selber auch immer mehr in diesem Buch gefunden habe.

Ab da wurde es sehr schwierig für mich, denn immer häufiger musste ich nach ein paar Seiten das Buch weglegen. Ich konnte es aber nicht abbrechen, auch wenn ich manchmal dachte, warum mache ich das eigentlich, warum lese ich immer weiter und stelle mich meinen eigenen Ängsten immer mehr?

Vielleicht liegt es wirklich daran, dass ich mich zunehmend darin wiedergefunden habe. Die Autorin hat mich deswegen immer mehr gefesselt, auch wenn ich wegen dem „sich selbst finden“ immer nur wenige Seiten am Stück gelesen habe und teilweise abends vollkommen angegriffen war.

Manchmal, waren die Kapitel für mich nicht zusammenhängend, aber trotzdem schlüssig. Manchmal musste ich Sätze noch einmal lesen, und hatte dann ganz andere Empfindungen, obwohl ich den Satz erst Minuten vorher bereits gelesen hatte.

Ihr merkt es, auch nach dem Beenden des Buches ist für mich noch immer viel in Bewegung. Ich könnte zum einen lachen, aber auch weinen und ich hätte gerne zwischendurch Hanna angebrüllt und gesagt, komm Hanna nimm doch einfach die Hilfe an, dein ganzes Umfeld will dir helfen, aber ich verstehe auch, warum sie so reagiert hat.

Für mich war es ein Buch, welches man lesen sollte – aber nur dann, wenn man mit sich selbst im reinen ist. Man sollte es bitte nicht querlesen, denn diese Kleinigkeiten, die man in dem Buch finden kann, sollte man auch bemerken und aufnehmen. Manchmal sollte man auch die Seiten und Sätze mal laut lesen, damit man sie besser versteht, damit man es hört und so noch etwas mehr vertiefen kann. Ich für meinen Teil bin Dankbar, dass ich das Buch gelesen habe, auch wenn, oder gerade weil, ich mich ein Stückweit wieder selbst kennengelernt habe. Ich kann verstehen, warum Hana sich im Schrank vor ihrer Familie und allen anderen Menschen verstecken wollte. Aber noch mal, lasst dieses Buch auf euch wirken, wenn ihr es lest. Ich glaube jeder von uns wird andere Dinge aus diesem Buch ziehen. Der eine wird mehr lachen, der andere mehr weinen und wieder ein anderer wird selbst etwas finden. Und so komme ich doch zu dem Schluss, dass ich ein tolles Buch gelesen habe, was mich mehr beschäftigt hat als mir oft lieb war.  

Verlag: Voland & Quist  

ISBN: 978-3-863912-24-6