[Rezension] Liebes Kind – Romy Hausmann

[Rezension] Liebes Kind – Romy Hausmann

23. Mai 2019 0 Von Markus

Inhalt:

Dieser Thriller beginnt, wo andere enden

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.

In ihrem emotional schockierenden und zugleich tief berührenden Thriller entrollt Romy Hausmann Stück für Stück das Panorama eines Grauens, das jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

Rezension:

Ich habe das Buch gerade beendet und habe noch einen leichten Kloß im Hals. Man lernt gleich am Anfang Lena kennen, die zusammen mit ihrer Tochter Hannah aus einer Hütte im Wald geflüchtet ist, in der sie gefangen gehalten wurden. Dort wurde alles von ihrem Entführer kontrolliert. Ich meine damit wirklich alles! Natürlich war alles abgeschlossen, aber auch die Toilettenzeiten wurden vorgeschrieben und man hat die Hütte nie verlassen.

Die Fenster waren verschlossen. Lena wurde immer ans Bett gefesselt und laut Hannah waren die Handschellen ihr Armreif. Das zeigt eigentlich deutlich, wie es da abging. Die Kinder, Hannah und Jonathan, haben beide Vitamin D Mangel und sind sehr blass und für ihr Alter viel zu klein.

Dazu gibt es auf der anderen Seite Lenas Eltern Matthias und Karin, die nach 4825 Tagen die Nachricht erhalten, dass eine Frau gefunden wurde, die mit der Tochter eine gemeinsame Narbe an der Stirn hat und von einem Auto angefahren wurde. Diese Mitteilung bekamen sie von dem Patenonkel und Freund der Familie, dem Polizisten Gerd. Matthias und Karin machen natürlich gleich auf den Weg zum Krankenhaus. Dort stellen sie mit entsetzen fest, dass es nicht ihre Lena ist, aber die Tochter Hannah sieht ihrer Tochter zum verwechseln ähnlich. Dies führt schon im Krankenhaus zu großen Emotionen.

Die Kinder werden in ein Traumzentrum gebracht und Lena, die eigentlich Jasmin heißt, wird entlassen. Sie freut sich über die Freiheit, aber sie kann vor lauter Angst die Wohnung nicht mehr verlassen.

So viel zur Geschichte. Man sieht alles aus der Sicht der Figuren Matthias, Jasmin und Hannah und man kann die Figuren schon am Schreibstil erkennen. Es ist fantastisch, wie Romy Hausmann das gemacht hat. Es ging so weit, dass ich mitten im Kapitel angerufen wurde und ohne nachzuschlagen sofort wieder wusste bei welcher Figur ich gerade war.

Etwas nervig fand ich die Figur des Vaters von Lena. Er hat bei allen anderen die Schuld gesucht, im Besonderen bei dem Polizisten Gerd, der der Meinung ist, dass Jasmin etwas verheimlicht. Aber bei Hannah hat Matthias alle Augen zugedrückt. Das ging so weit, das er Jonathan nicht als seinen Enkel akzeptiert. Für ihn ist er nur „der Junge“. Ich fände es schon hart, wenn meine Oma mich nur „der Junge“ oder meine Schwester nur „das Mädchen“ nennen würde. Matthias vertraut noch nicht mal seiner eigenen Frau richtig, die er am liebsten beschimpfen würde, wie auch den Rest der Welt, aber Gefühle zeigt er nicht.

Jasmin kann ich dagegen sehr gut verstehen, mit dem sich einschließen, mit Niemanden reden oder sich treffen. Ich kann ihre Situation sehr gut nachvollziehen. Auch das Verhältnis zu ihrer Freundin, und dass man nicht immer alles sagt, kann man immer besser nachvollziehen je länger man liest. Trotzdem, oder gerade deswegen, ist sie der Kämpfer in dem Buch.

Bei der 13-jährigen Hannah merkt man so wirklich, dass ihr Papa ihr Gott war, der nicht nur für sie die Sonne scheinen lässt, sondern für alles zuständig ist. Wenn er etwas sagt, dann ist es richtig. Da gibt es keinen Zweifel. Bei anderen denkt sie oft, es sind kleine Trottel oder ähnliches. Das denkt sie nur und lebt ansonsten auch in ihrer eigenen Welt, was aber wohl auch daran liegt, dass sie ihr komplettes Leben in der Hütte im Wald verbracht hat.

Was die Story ansonsten betrifft, gibt es viele falsche Fährten auf die mich Romy Hausmann gebracht hat. Das fängt bei der Katze an und geht immer so weiter, bis zur Frage wer eigentlich der Täter war. Für mich war es vollkommend überraschend. Wenn man das Autorenfoto sieht und dann diese Vorstellungskraft und Tiefe in der Story sieht, da denkt man: „Abgefahren!“. Eines wird wieder deutlich, lasst euch nicht vom Äußeren blenden. Romy Hausmann ist eine Autorin, die ich beobachten muss. Ich hoffe, dass da noch ein paar Bücher in dieser Qualität von ihr kommen. Die Psychothriller-Landschaft braucht mehr solche vielen falschen Fährten und Storys, die einen nicht mehr loslassen.

 Verlag: dtv Verlag

ISBN: 978-3-423-26229-3