[Rezension] Mord in Sunset Hall – Leonie Swann

Inhalt:

Eigentlich hat Agnes Sharp mit der Hüfte, dem Treppenlift und den Bewohnern ihrer umtriebigen Senioren-WG genug zu tun. Und dann ist da auch noch die Tote im Schuppen. Und die Tote im Nachbarsgarten. Ganz klar: das englische Idyll trügt, und ein perfider Mörder hat es auf alte Damen abgesehen! Kurzentschlossen machen sich die streitbaren Senioren samt Schildkröte auf Mörderjagd – eine Suche, die sie nicht nur auf das trügerische Parkett des örtlichen Kaffeetreffs führt, sondern auch in den dubiosen Lindenhof und schließlich tief in die eigene Vergangenheit. Denn auch Agnes und ihre Mitbewohner haben das eine oder andere Geheimnis zu hüten …

Rezension:

Nun arbeite ich mit meinem persönlichen Lektorat nun schon seit ein paar Jahren zusammen. Ab und zu liegt sie mir mit ein paar Autorinnen im Ohr. So unter anderem mit Leonie Swann und da im Besonderen mit „Gray“. Also war für mich einfach ja zu sagen, als ich diesen Buchtitel sah. Mit voller Inbrunst habe ich, Ja ich will, gesagt. Zumal ich gerade etwas Lustiges gebrauchen konnte, hat es doch recht gut gepasst. Wenn das Leben laut scheiße schreit, ist ein lustiges Buch doch immer wieder gut für die Seele.

Somit zog ich nun in eine Senioren-WG ein. Diese lebt in Sunset Hall, etwas außerhalb des verträumten Dorfes Duck End. Als Erstes lernt man die Schildkröte Hettie kennen, das Haustier in Sunset Hall. Im Laufe des Krimis hat mich die Frage beschlichen, wo war eigentlich Edwina am Anfang des Krimis? Ansonsten war sie irgendwie immer in der Nähe von Hettie und hat sie gehegt und gepflegt. Hettie stolpert also über Lillith, die erste Tote in diesem Buch. Darüber macht sich die Senioren WG auch eher weniger Gedanken. Es wird höchstens drüber nachgedacht, wann man der Polizei von der Toten erzählt. Lillith ist nämlich nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern wurde sauber mit einem Kopfschuss bei der Gartenarbeit umgebracht.

Die Bewohner der Senioren WG sind im übrigen Agnes, die Besitzerin des Hauses und eine wohl ehemalige Kriminalbeamtin, besagte Edwina, die irgendetwas mit dem Geheimdienst zutun hatte und eines sicher nicht kann, nämlich Kekse backen, die müssen wohl so hart sein, dass sie auch als Geschosse hätten dienen können, ansonsten ist sie eher die Person, die wohl von den meisten im Haus belächelt wird. Dann gibt es noch Marschall, einen Mann, den man wohl eher als Gentleman bezeichnen würde, dem aber so langsam die Demenz zu schaffen macht. Sein Enkel Nathan kommt öfter zu Besuch. Zu guter Letzt sind da noch Winston, der Mann im Rollstuhl, der trotzdem sehr mobil rüberkommt, Bernadette, welche blind ist, aber vielleicht auch dadurch, einiges mehr mitbekommt und als letztes die neueste Mitbewohnerin, Charlie mit ihrem treuen Wolfshund Brexit.

Wie bereits gesagt, Lillith ist die erste Tote. Als nächste wird Mildred im Nachbarhaus mit derselben Pistole erschossen. Marschall kann sich nicht erinnern, wo er die Pistole hingelegt hat und als Olive, eine passionierte Bäckerin und Tratschtante des dörflichen Kaffeetreffs in ihrem Haus, wird ebenfalls mit dieser Pistole erschossen aufgefunden wird, ist Sunset Hall vollkommen in Aufruhr.

Ihr merkt schon, es passiert viel und noch viel mehr in diesem Buch und ganz ehrlich, ich habe mich in jeden dieser älteren Menschen verliebt. Vor allem Edwina zusammen mit der Schildkröte Hettie und dem Hund Brexit sind immer wieder für einen Lacher gut. Dazu eine Brise Wortwitz und man vergisst doch relativ schnell die Sorgen des Alltags. Ganz ehrlich, ich würde lieber in Sunset Hall leben und die Geheimnisse der Menschen, die mit mir leben bewahren, als in einer sterilen und in dem Buch sicherlich etwas überzeichneten Seniorenverwahranstalt zu leben.

Sicherlich, ich kam schon recht schnell darauf, wer in dem Buch der Böse ist, aber dieser Wortwitz und die Personen des Buches lassen einen nicht mehr los. Leonie Swann gibt einem einen Einblick in die Psyche eines älteren Menschen und man kann sich, auch wenn man jünger ist, vielleicht vorstellen, dass die Oma oder der Opa genau so denken und mit genau diesen Problemen zu kämpfen haben. Aber eines sollte man nie – diese Menschen unterschätzen, denn jeder von ihnen hat sein Leben gelebt und seine Erfahrungen gemacht. Ich kann z.B. Nathan sehr gut verstehen, warum er gerne wieder in dieser besonderen WG zu Besuch sein will. Wie wäre es mit einem Besuch von ihnen in dieser WG ?

 Verlag: Goldmann

ISBN: 978-3-442-31556-7

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