[Rezension] Väterland – Martín Caparrós

24. Juni 2020 0 Von Markus

Inhalt:

Der rätselhafte Tod einer Politiker­Tochter, eine mächtige Clique rücksichtsloser Patrioten und eine Stadt unter Hochspannung: Ein atmosphärisch dichter Roman aus dem flirrenden Buenos Aires der dreißiger Jahre – mit einem sympathischen Antihelden, der noch einiges lernen muss.

Buenos Aires, 1933. Die Krise ist überall, die Stadt ein Pulverfass. Ablenkung bietet nur der Fußball, der gerade als Volksdroge entdeckt wird. Ausgerechnet jetzt verschwindet der berühmteste Spieler des Landes – angeblich um mehr Gehalt von seinem Verein River Plate zu erpressen. Oder hat er doch etwas zu tun mit dem mysteriösen Tod eines Mädchens aus der Oberschicht?

Andrés Rivarola, ein charmanter Tagedieb und verhinderter Tangodichter, will eigentlich nur einem Bekannten, dem Kokain-Dealer des Fußballers, aus der Patsche helfen. Mit dabei: Raquel, eine polnische Jüdin mit zurückgegelten roten Haaren, die elegante Herrenanzüge trägt und wenig von festen Bindungen hält. Sie ist entschlossen, die Wahrheit über den Tod ihrer Freundin herauszufinden. Ungebremst schlittert das Duo in eine politische Verschwörung hinein, die um einige Nummern zu groß ist für die beiden.

Mit viel Sprachwitz lässt Martín Caparrós das Buenos Aires der dreißiger Jahre lebendig werden: halbseidene Bars, verqualmte Zeitungsredaktionen, skurrile Nebenfiguren, Dichtercafés, faschistische Aufmärsche, dampfende Schlachthöfe – ein Tango am Abgrund.

Rezension:

Wenn man das erste Mal ein Buch eines für einen selbst neuen Verlag in die Hand nimmt, ist es für mich, wie wenn ich einen neuen Menschen kennenlerne. Hält die Verpackung (Klappentext) das, was sie verspricht? Wie ist der Druck, das Papier, die Sprache, die Bindung etc.? Ich sah mir also alles genau an und war schon von dem Buch als solches total begeistert. Es ist eindeutig ein Verlag, der auf Kleinigkeiten Wert legt!

Und dann wollte ich mal das Buch ein wenig anlesen, einfach mal so ein paar Seiten. Ich wollte noch nicht mal meine Brille aufsetzen, weil ich ja nicht lange lesen wollte. Und Schwupp war ich in Argentinien im Jahre 1933 und lernte Rivarola kennen, der sich in einem Billard -Café mit Freunden trifft. Er unterhält sich bis in den nächsten Morgen mit einem Freund darüber, dass der berühmte Fußballer Bernabé Ferreyra ihm noch eine Menge Geld schuldet, da dieser bei ihm Kokain gekauft hat. Rivarola verspricht seinem Freund, den verschollenen Bernabé Ferreyra zu suchen, und gerät damit in eine Situation, die ihm wohl nicht so gut schmeckt. Er stößt mit einem sehr zweifelhaften Rinder-Großhändler zusammen, der stellvertretender Präsident von River Plate ist und somit auch ein Interesse daran hat, das der „verschollene“ Spieler wieder zurückkommt.

Rivarola wird sehr schnell von besagten Rindergroßhändler bezahlt, aber auch erpresst, woraufhin Rivarola sich bei der Zeitung einschleust und dadurch auch den ermittelten Polizisten kennen lernt. Er bekommt somit immer mehr Einblicke in die Ermittlungen.

Dazu kommt er der polnischen Jüdin Raquel immer näher und verliebt sich auch noch komplett in sie. Sie ist eine sehr toughe Persönlichkeit, die einfach grade heraus ist und sich nimmt, was sie will. Sie ist aber trotzdem sehr feinfühlig und kann sehr gut auf Menschen eingehen.

Komme ich nun zu meinem Fazit. Es ist ein tolles Buch, egal ob es die Verarbeitung ist, oder die Sprache. Es ist mit so viel Gefühl geschrieben, dass man teilweise riechen kann, wie es in Buenos Aires riecht. Man geht in Clubs, die man so nur aus Filmen wie Casablanca kennt, gut, natürlich mit der passenden Musik, dem Tango aus Argentinien.

Der Krimi kommt ein wenig zu kurz, aber ich bekam wirklich das Gefühl, man lernt dieses Land, oder besser diese Stadt, gut kennen. Ich wollte das Buch in den letzten Tagen nur schwer aus der Hand legen. Wenn ich nicht gemusst hätte, wäre ich wohl nicht einkaufen gegangen oder sonstige Haushaltspflichten erledigt. Mit einem Auge war ich immer auf dem Buch und ich freue mich auf das Versprechen auf der letzten Seite, dass die Fortsetzung folgt. Es freut mich, noch mal in das Buenos Aires der 30er Jahre einzutauchen. Wie wäre es, wenn auch Sie diese Stadt und dieses Land kennenlernen? Das Buch „Väterland“ machte zumindest mich mehr wie nur leicht neugierig.

Verlag: Klaus Wagenbach

ISBN: 978-3-8031-3323-6

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