[Interview] über Hummeln und dem Kinder Buch Frau Hummel und Herr Grummel mit Ulrike Wolf

[Interview] über Hummeln und dem Kinder Buch Frau Hummel und Herr Grummel mit Ulrike Wolf 2

1. Wie viele Hummelarten gibt es und wo liegen die Hauptunterschiede?

Da gibt es leider keine konkrete Angabe: Laut Bund-Naturschutz sind es 41, der Nabu hingegen schätzt, daß es noch um die 30 Hummelarten in Deutschland gibt. Ich befürchte, es sind mittlerweile weniger. Es gibt die sogenannten „Big Five“, die fünf häufigsten Arten: Acker-, Wiesen-, Baum-, Garten- und Erdhummel, zu unterscheiden an ihrer Färbung. Dafür gibt es wirklich gute „Bestimmungsschlüssel“, oder man schaut einfach bei „Frau Hummel und Herr Grummel“ im Vorspann nach…

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2. Wie kommt es, dass das Fell der Hummel fast wasserdicht ist?

Aufgrund der Dichtheit des „Fell“-Wachstums. Wenn es aber richtig schüttet oder gewittert suchen auch Hummeln einen Unterschlupf. Den Ausdruck „wasserdicht“ nutzte ich, um in kindergerechter Sprache zu erklären, warum Frau Hummel trotz Regens fliegt.

3. Wie problematisch ist es, dass immer weniger Blumen in den Städten und Ortschaften für Hummeln und andere Insekten da sind?

Tatssächlich weisen Studien das Gegenteil nach, nämlich daß die Hummelvielfalt in Städten zunimmt, da aufgrund von Monokulturen, Zerstörung der Nistplätze und Gifteinsätzen auf dem Land, das (Über-)Leben schwer ist.

4. Worauf sollten wir Menschen in unserer Umgebung achten, um sie für Insekten, im Besonderen für die Hummeln, besser zu gestalten?

Jeder Quadratmeter zählt! Ob nun eine ungemähte Rasenfläche mit viel Klee oder ein Blumenkasten am Fenster, jeder kann einen wichtigen Beitrag leisten. Gerade Wildbienen haben einen kleinen Flugradius. Die Wiesenhummel fliegt beispielsweise bloß ca. 150 m um ihren Nistplatzort. Eine Hummel mit vollem Magen ist nur 40 Minuten vorm Verhungern entfernt…

5. Wie kommt es überhaupt, dass die Hummel fliegen kann?

Wenn Sie auf das „Hummel-Paradoxon“ anspielen: Dies entstand in den 1930er Jahren als Scherz, und das Gerücht hält sich merkwürdigerweise bis heute. Gekrümmte Flügel, Schlagbewegungen, Flügeldrehungen um die Längsachse, Vorderkantenwirbel, Hinterflügel – die Hummel wirft so einiges an Physik in die Waagschale, um sich in die Luft zu heben.

6. Was sollte man machen, wenn man eine Hummel in der Wohnung hat?

Sie ins Freie geleiten (z.B. mit einem Glas und einem Pappdeckel), wie alle anderen Tierchen auch…

7. Was ist zu tun, wenn sich ein Hummelnest im Rollladenkasten oder ähnliches gebildet hat?

In Rollladenkästen entdeckt man eher die solitär nistenden Mauerbienen oder staatenbildende Feldwespen (beide Arten sind absolut friedlich und faszinierend zu beobachten). Generell gilt: Alle Wildbienen- und Wespenarten stehen unter Artenschutz, ein Nest darf man nicht einfach zerstören. Also wenn ein Nest im Garten oder Balkon auftaucht, wo es nicht bleiben kann, muss man Profis kontaktieren, die das Nest fach- und artgerecht umsiedeln.

8. Wo leben Hummeln und worauf sollte man achten?

Sie leben überall wo Natur (erhalten) ist. Wer etwas für Hummeln tun möchte, pflanzt/sät (Wild-)Blumen: Sie lieben und benötigen eine Vielfalt an Pollen und vor allem Lippenblütler, da sie wegen ihrer Blütenform auf ihre langen Rüssel abgestimmt sind. Auch Schmetterlingsblütler sind wichtig. Besonders hummelfreundliche Pflanzen sind u.a.: Klee, Distel, Salweide, Natternkopf, Flockenblume, Klatschmohn, Wilde Karde, Allium, Fingerhut, Eisenkraut, Wiesensalbei, Kriechender Günsel, Ysop, Ziest, Mazedonische Witwenblume, Kolkwitzie, Kornblume, Wilde Malve, Fetthenne, Echtes Herzgespann, Lavendel, Herbstastern, alle blühenden Kräuter…

9. Warum werden Bienen zum Honig sammeln genutzt, aber Hummel nicht?

Zu allererst: Hummeln gehören auch zu den „Echten Bienen“ (sie sind nicht nur Wildbienen). Die meisten Menschen assozieren mit dem Wort „Biene“ leider nur die Honigbiene (welche Nutztiere sind, wie Kühe und Hühner). Honig ist für Honigbienen (Winter-)Vorrat – wenn Imker diesen entnehmen, wird stattdessen Ersatznahrung in den Stock gegeben. Eine Hummelkönigin bildet bei Nestgründung nur einen sehr kleinen Honigtopf, der ihr bei einem Wettereinbruch für ein paar Tage hilft, nicht zu verhungern.

10. Wie viele Kinder bekommt eine Hummel?

Unterschiedlich je nach Hummelart. Die Größe eines Volks variiert zwischen 50 und 600 Individuen.

11. Was sollte man machen, wenn man sich einen Hummelstich einfängt?

Vorab: Hummelweibchen können zwar stechen, machen dies aber nur bei äußerster Bedrohung. Sie warnt auch vorm Stechen, indem sie ein mittleres Beinchen hebt (ihre Drohgebärde). Hummel-Drohnen (Männchen) verfügen über keinen Stechapparat. Einen Stich, so wie bei allen anderen Instektenstichen, am besten kühlen.

12. Was ist für Sie das besondere an Hummeln?

Sie sind die einzige Wildbienenart, die nicht solitär nistet. Und sie sind noch fleißigere Bestäuber als die Honigbienen: Sie bestäuben in der gleichen Zeit die 3-5 fache Blütenanzahl, fliegen bis zu 18 Stunden am Tag, auch bei Kälte, Wind oder Regen, und aufgrund ihrer langen Rüssel bestäuben sie auch tiefere Blütenkelche.

13. Wie wichtig ist die Artenvielfalt bei Insekten, im Besonderen bei den Hummeln?

Der Rückgang an Insektenvielfalt ist äußerst besorgniserregend (nicht nur bei Hummeln). Im Moment bewegen wir uns auf das 6. Massensterben in der Geschichte des Lebens zu. Jedes Jahr verlieren wir ca. 2,5% aller Insekten – Forscher gehen davon aus, daß in 100 Jahren vermutlich alle Insekten ausgestorben sein werden, wenn alles so weitergeht… Die folgen sind jetzt bereits fatal, das Ungleichgewicht steigt: Vögel und Amphibien finden nicht mehr genug Nahrung, Wildblumen (die teils auf ihre spezialisierten Bestäuber angewiesen sind) sterben aus. Das regionale Insektensterben ist breitflächig feststellbar, so ist auch der nicht mehr überall vorhandene genetische Austausch dramatisch.

14. Was können wir für eine Artenvielfalt bei den Insekten tun?

Den Garten naturnah halten: Wilde, ungemähte Flächen auf dem Rasen zulassen, eine Totholz-Ecke anlegen, Insektentränke aufstellen, den Garten nicht „winterfest“ machen – also im Herbst nicht gleich verblühte Blütenstängel zurückschneiden und das Laub bis zum Frühjahr liegen lassen (dort nistet und überwintert eine Vielzahl an Insekten), und natürlich Wildblumen säen/pflanzen. Vor dem Kauf oder Bau von „Bienennisthilfen“ unbedingt vorher gut informieren. Man findet leider sowohl im Handel als auch im Internet extrem viele untaugliche oder schlecht fabrizierte Nisthilfen…

15. Wird es noch weitere Kinderbücher über Hummeln oder andere Insekten von Ihnen geben?

Das hoffe ich doch! An Ideen mangelt es nicht…

16. Wie kam es zu der Idee des Wendebuches?

Ein Herzensprojekt, da so viele Menschen nicht wissen, wo (oder daß) Hummeln überwintern, daß sie einen Nistplatz finden müssen, und daß man mit Zuckerwasser Leben retten kann! Wer einer geschwächten Königin im zeitigen Frühling hilft, rettet nicht nur ein einzelnes Tierchen, sondern auch das ganze (im Entstehen begriffene) Volk!

17. Wie war für Sie die Arbeit mit Matthias Holländer und wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Matthias Holländer entdeckte ich auf Instagram und war von seinem unverwechselbaren Stil begeistert. Dank Unterstützung der Kulturstiftung Hessen konnte ich ihn für die Illustrationen meines Kinderbuches beauftragen. Die Zusammenarbeit lief reibungslos, und daß obwohl der Austausch aufgrund der Pandemie-Situation nur telefonisch und via Mail möglich war.

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