Die Jagd

[Rezension] Die Jagd – Sasha Filipenko

Klappentext:

Aus dem Russischen von Ruth Altenhofer

Ein Journalist, der zu viel weiß. Ein Sohn, der seinen Vater verrät. Ein Oligarch, der keine Gnade kennt. Ein korrupter Schreiberling ohne jeden Skrupel. Medien, die auf Bestellung einen Ruf ruinieren. Sasha Filipenko erzählt die Geschichte des idealistischen Journalisten Anton Quint, der sich mit einem Oligarchen anlegt. Worauf dieser den Befehl gibt, Quint fertigzumachen. Die Hetzjagd ist eröffnet.

Rezension:

Also mit Sasha Filipenko da könnte sich wirklich eine Bücherfreundschaft entwickeln. Ich habe ihn ja schon bei „Der ehemalige Sohn“ abgefeiert, aber „Die Jagd“, die die Geschichte eines Oligarchen erzählt, der den Auftrag gibt, eine Hetzjagd auf einen ungeliebten Journalisten zu eröffnen, ist noch besser.

Man lernt am Anfang die Personen kennen. Ich fange mal mit Lew an, einem Mann, der seine Kindheit und Teile der Jugend im Geld geschwommen ist, dessen Vater aber dann Pleite ging und der gerne reich leben will und dafür auch über Leichen geht. Er war Sportjournalist und heiratete die Tochter des Zeitungsverlegers. Sie haben eine Tochter. Aber man strebt ja immer nach mehr oder der besseren Frau, Freundin und stellt manche Frauen auf einen Sockel. Vor allem bei einer macht er all dies und riskiert dabei seine Ehe, die dann auch daran zerbricht und dabei hat er noch nicht mal Sex mit dieser Frau. Dadurch, dass seine Ehe in die Brüche gegangen ist, hat er auch kein Geld mehr und seine Stellung in der Zeitung hat er auch verloren. Durch Zufall bekommt er einen Job, wo er sich um die Vernichtung von Existenzen im Internet kümmert, sprich er ist einer dieser Trolle, die Meinungen in den sozialen Netzwerken formen. Nur dass er auch noch andere Möglichkeiten hat, welche im Laufe des Buches immer wichtiger werden.

Des Weiteren lernt man die Familie des Oligarchen kennen, die ihren Lebensmittelpunkt in Frankreich aufgebaut hat. Dem Oligarchen rückt aber der Journalist Anton Quint immer mehr auf die Pelle, so dass die Familie zurück muss, was besonders für den Sohn schwierig ist. Er ist nun mal homosexuell und dies ist in Russland ja nicht gerade gerne gesehen. Außerdem spielt er in Frankreich in einer der unteren Fußballliegen und wird auf Betreiben des Oligarchen zu einem Topverein in Moskau transferiert, obwohl es der Sohn gar nicht will, schon alleine, weil er in Frankreich viel freier sein kann und seine große Liebe ja auch aus Frankreich kommt. Auch der Rest der Familie will eher nicht nach Moskau zurück.

Danach lernt man auch den Autoren Anton Quint kennen. Es gibt, oder eher gab, ja so etwas ähnliches wie freie Presse in Russland vor dem Ukraine Krieg. Einer dieser Journalisten ist eben dieser Anton Quint, der über die Machenschaften des Oligarchen und Politikers Slawin aufklären will. Dabei tritt er ihm immer mehr auf die Füße.

Dieses ganze Buch ist wie ein Theaterstück, oder ein Konzert, aufgebaut. Es gibt einige Begriffe, die man bei einem Theaterstück oder Konzert kennt. Vor allem durch die angezeigten Pausen kann man immer wieder erkennen, dass sich die Personen und die Situation in der Geschichte ändert.

Es ist ein erschreckendes Buch. Es wird besonders hart, als die Jagd beginnt. Es ist immer nur punktuell beschrieben, aber dieser laufende Psychoterror nimmt einen schon mit. Es ist nie so die große Gewalt, sondern es sind immer so Kleinigkeiten, wie laufend laute Musik in der Wohnung unter der des Journalisten. Man spielt immer wieder mit den Ängsten von Anton Quint. Es werden immer mehr Dinge eingestreut, die die Familie von Anton Quint betreffen.

Aber auch der Sohn des Oligarchen hat immer wieder Probleme, denn sein Standing in der Mannschaft ist alles nur nicht gut. Da er ja auch in Frankreich in einer unteren Liga gespielt hat, ist er nicht gut genug für die russische erste Liga. Und natürlich bekommt er von seinen Mitspielern da des Öfteren eins rein. Mobbing kann sehr brutal sein.

Ich fand es fesselnd geschrieben, mit einer guten Tiefe der Figuren. Mit dem Schreibstil muss man sich erstmal anfreunden, aber ich fand es gut zu lesen sobald ich mich eingegroovt hatte. Man versteht die Beweggründe, warum die Person gerade so reagiert und warum sie das macht, was sie eben macht.

Nebenbei lernt man noch etwas über Russland und findet bestimmte Mechanismen, die man auch momentan im Krieg mit der Ukraine immer wieder erlebt. Man bekommt ja momentan auch einiges mit, wie die Medien in Russland so funktionieren und in dem Buch realisiert man dann doch auch, wie sie wohl auch in Friedenszeiten manipuliert werden. Die Jagd auf Anton Quint hat etwas mit einer Hetzjagd gemein, nur, dass es eine Jagd auf einen Menschen ist, der wirklich nur Missstände aufdecken will und versucht die Wahrheit über einen Politiker und Oligarchen zu schreiben.

Wenn ihr euch also für Russland interessiert und wissen wollt, wie manche Dinge in diesem Land wohl so funktionieren, dann kann ich euch dieses Buch ans Herz legen. Wobei ich immer dafür plädiere, geht in eine Buchhandlung, lest ein paar Seiten rein, oder blättert im Internet durch eine Leseprobe. Dann könnt ihr einfach mal antesten, ob euch der Schreibstil zusagt, denn ich habe irgendwie das Gefühl, dass man dieses Buch entweder liebt oder hasst. Ich bin gespannt, wie es bei euch ist. Ich habe es nun mal wirklich geliebt und ich hatte vorhin kurz den Gedanken, huch es ist ja schon vorbei. Hoffentlich geht es euch genauso.

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