Schallplattensommer

[Rezension] Schallplattensommer – Alina Bronsky

Klappentext:

Als einziges Mädchen im Umkreis von 13 Kilometern ist Maserati Aufmerksamkeit gewohnt. Dabei will sie nur eines: Den Feriengästen selbstgemachte Limonade ihrer Oma servieren und die Tage bis zur Volljährigkeit zählen. Mit der Liebe will sie nichts zu tun haben – und schon gar nichts mit den Annäherungsversuchen der Söhne der reichen Familie, die gerade die Villa im Dorf gekauft hat.

Doch dann stellen Caspar und Theo verbotene Fragen: Warum hat Maserati kein Smartphone? Wovor hat sie solche Angst? Und wie kann es sein, dass ihr Gesicht das Cover einer alten Schallplatte ziert? Plötzlich steckt Maserati bis zum Hals in Geheimnissen zweier Familien und im eigenen Gefühlschaos.

Rezension:

Alina Bronsky, da war doch was, oder? Manchmal verfluche ich mein Gedächtnis. Es war 2017 mit dem Buch „und du kommst auch drin vor“. Da hatte ich schon einmal etwas von der Autorin gelesen.

Diesmal lernt man das einzige Mädchen im Umkreis von 13 Kilometer kennen. Sie hilft bei ihrer Oma in der Gaststätte. Sie hat mehr oder weniger eine Beziehung mit dem etwas älteren Georg, der taub ist und bei dem sie sich recht geborgen fühlt. Sie geht morgens im benachbarten See schwimmen und passt auf ihre Oma auf, die für die kleine Gaststätte, in der sie bedient, kocht.

Dann zieht eine reiche Familie in die Villa am Ende der Straße ein und renoviert alles. Es kommen auf einmal Bauarbeiter in die Gaststätte und sie lernt Caspar und Theo kennen. Die beiden finden eine Schallplatte, wo ein Gesicht darauf ist, dass dem von Maserati sehr ähnlich sieht.

Schnell wird klar, dass Maserati ein paar Geheimnisse hat, aber auch Caspar und Theo haben einige Geheimnisse, die einem nicht gleich ins Auge fallen. Als der Deutschlehrer von Maserati auf der Bildfläche erscheint und fragt, warum sie nicht mehr in die Schule geht, wird klar, dass es viel tiefer geht, denn ihre Oma leidet an Demenz.

Auch bei Theo kristallisiert es sich immer mehr heraus, dass er depressiv ist und auch schon an Selbstmord gedacht hatte.

Es wird zunehmend deutlicher, dass Maserati sich in Caspar verliebt hat und die beiden kommen sich auch immer näher.

Es gibt viele Elemente, die in diesem Buch thematisiert werden. Da ist die Mutter von Maserati, die wohl ein erfolgreiches Modell ist, die immer wieder von Maseratis Oma mit Maserati verwechselt wird. Ein weiteres Thema ist die Trennung von der eigenen Mutter und die Vernachlässigung, welche sie früher erleben musste. Der Bruder wuchs in einer Pflegefamilie auf.

Maserati versucht es, allen irgendwie recht zu machen und auf ihre Großmutter aufzupassen. Es übersteigt aber eigentlich ihre Kräfte. Haben sie schon mal auf eine Demenzerkrankte Person aufgepasst? Das kann sehr anstrengend sein, selbst wenn es in einem Anfangsstadium ist.

Es spielt sich in diesem Buch vieles zwischen den Zeilen ab. Manchmal wünschte ich mir, die Autorin hätte es mehr als nur leicht angedeutet und genau das macht dieses Jugendbuch aber auch so besonders. Es ist zum einen leicht zu lesen, zum anderen muss man doch ein wenig darüber nachdenken und nachfühlen über das, was man da gerade gelesen hat.

Wie so oft, ist weniger manchmal mehr. Es ist wie bei einem Thriller oder bei einer Liebeszene. Wenn nicht alles bis ins kleinste Details erzählt wird, belebt es die Fantasie. Man erlebt die Situation intensiver und denkt mehr darüber nach.

Ich denke, dieses Buch zeigt sehr gut auf, dass ein Jugendbuch nicht nur für Jugendliche ist, sondern auch in einem erwachsenen Menschen Empfindungen hervorrufen und interessant sein kann. Ein Jugendbuch muss nicht immer leicht sein, sondern darf einen auch mal fordern, denn viele Gefühle, die man als Erwachsener hat, hat man auch als Jugendlicher.

Und genau dies wurde mir bei jeder Seite, jeder Zeile, immer klarer und damit wird auch immer logischer, warum Frau Bronsky für ein Jugendbuch etwas länger braucht. Sie setzt auf Qualität nicht auf Quantität. Dieses Buch kann man auch sehr gut im Deutschunterricht als Lektüre gebrauchen, denn man kann sich in fast jedem Absatz etwas fragen und sich selbst auch mal hinterfragen.

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