Diese ganzen belanglosen Wunder

[Rezension] Diese ganzen belanglosen Wunder – Leona Stahlmann

Klappentext:

Auf einer stillgelegten alten Saline lebt Zeno mit seiner Mutter Leda. Hier in den Salzmarschen gelten eigene Gesetze, ab und an steigt der Fluss ins Haus, die Vögel werden immer weniger. Als Leda dem Jungen nicht länger beim Verlieren seiner Welt zusehen kann, verschwindet sie. Doch Zeno hält sich noch an die kleinsten Wunder. Über die verschlungenen Wege einer App lernt er Katt kennen, die auf der Flucht vor dem Ende einer Liebe ist – und das Zusehen aushält. Und bald zieht es auch andere, dem Großstadtleben am Rande der Apokalypse müde Menschen in die karge, schöne Marschlandschaft. Ein schillernder Roman über die Sehnsucht nach Natur, lebensrettende Wahlverwandtschaften und die Hoffnung, die in den Gezeiten liegt.

Rezension:

Es gibt Bücher, da sitzt man am Abend da und hat nach dem Lesen einen Kloß im Hals. Dieser Roman, der in einer nicht allzu fernen Zukunft spielt, beginnt in einer alten Saline. Dort lebt eine Mutter mit ihrem Sohn. Die Mutter heißt Leda und ihr Sohn heißt Zeno. Sie leben von dem, was die Besucher der Saline ausgeben.

Irgendwann kommt ein Mann dazu, mit dem Leda dann wohl verschwindet und ihren Sohn in der Saline alleine lässt. Zeno geht weiter zur Schule und sucht mit einer App Menschen, die er zu der Saline lotst und die mit ihm dann dort leben.

Besonders Katt ist ihm sehr nahegekommen und auch sie will Zeno schützen. Sie ist gerade von ihrer Liebe verlassen worden und so war sie leicht zu Zeno zu lotsten. Später kommen noch vier weitere Personen zu der Saline. Sie leben dort recht bescheiden zusammen mit den Seidenhühnern, welche noch von Leda angeschafft wurden.

Das Marschland der Saline ist total düster beschrieben. Auch bei anderen Themen ist es immer wieder sehr dunkel und beängstigend, vor allem, wenn man bedenkt, dass immer wieder von Bränden die Rede ist. Wenn ich da an die momentanen Waldbrände vor Augen habe, finde ich es schon sehr dicht dran. Gerade das, macht das Ganze für mich sehr hart zu lesen. Die Frage, die ich mir immer wieder stellte, war, wie weit ist dieses Szenario von uns entfernt.

Menschen, die laufend auf den Bildschirm schauen, gibt es ja mittlerweile genug. Viele tindern nach ihrem Partner. Und so ähnlich läuft es, soweit ich es verstanden habe, auch bei der App von Zeno ab. Die Menschen sind alle alleine in ihren Wohnungen und alles ist irgendwie gleichgeschaltet.

Interessant fand ich den Filmemacher, der den größten Erfolg hat, der immer wieder Objekte filmt, wie z.B. einen Toaster und dies über Stunden. Den neuen Lebensgefährten der Mutter, der Tonaufnahmen von Fischen machte, fand ich abstoßend.

Ganz ehrlich, dass eine Mutter ihr Kind verlassen kann, damit komme ich auch nach dem Beenden des Buches nicht zurecht. Vor allem aber, wie erwachsen Zeno war, ist für mich nicht greifbar gewesen.

Ein paar Mal war ich kurz davor, dieses Buch zu abzubrechen, weil es viel von einem fordert. Es ist sehr emotional, die Sprache verschlungen und nicht einfach. Ich war oft nahe am Wasser gebaut, aber da waren dann die kleinen Wunder, wie dass man immer wieder neue Menschen kennenlernt, die für einen da sind und aufeinander achten.

Wie die Gruppe ihr Überleben gesichert hat und wie wichtig das Kind in ihrer Runde war, ist erstaunlich, Zeno war verbindend. Dies wird in einigen Situationen wirklich klar, auch wenn ich sie nicht beschreiben möchte.

Es gibt viele kleine Wunder, die man nicht sofort sieht, die aber auch immer wieder wichtig sind, denn ansonsten ist dieser Roman nur schwer auszuhalten. Wie gesagt, die Sprache ist nicht die einfachste, aber man kann das Buch nur schwer loslassen, auch wenn es mich so sehr beschäftigte, wie nur selten ein Buch vorher. Gerade deswegen wollte ich es das ein oder andere Mal abbrechen. Aber die Figuren und dieses Miteinander, welches sie erleben, ist so ergreifend, dass der Roman immer wieder nach einer Pause in die Hand genommen werden muss. Das Buch sollte gelesen werden, damit dieses Buch nicht Realität wird und es wie in diesem Buch einen Brandbericht zusammen mit einem Wetterbericht gibt.

Man sollte aber emotional gefestigt sein und man sollte sich gelegentlich auch mal in dem Literaturbereich bewegen, ansonsten ist man leicht mit der Sprache überfordert. Wobei man sich auch auf alle Fälle auf diese Art von Literatur einlassen sollte. Sie ist es wert. Ich würde mich freuen, sie in einer Buchhandlung das Buch kaufen zu sehen, denn wir alle brauchen gute Literatur und einen guten stationären Buchhandel!

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