Die Namen der Toten – Sarah Bailey

Die Namen der Toten – Sarah Bailey

26. Juli 2018 0 Von Markus

Inhalt:

Detec­tive Richard Vega fühlt sich wie in einem schlech­ten Traum, als nahe der süd­eng­li­schen Klein­stadt Tun­bridge Wells die Lei­che eines 15-Jäh­ri­gen gefun­den wird. Denn vor sechs Jah­ren stand er an der­sel­ben Stel­le schon ein­mal über die Lei­che eines Teen­agers gebeugt, der auf die­sel­be Wei­se getö­tet wur­de. Hat Vega damals den Fal­schen ver­haf­tet? Hat er erneut Schuld auf sich gela­den? Denn dies wäre nicht der ein­zi­ge Tod, der auf sei­nem Gewis­sen las­tet …

Rezen­si­on:

Manch­mal steht man da und weiß nicht, wie man ein Buch anpa­cken soll. Vor allem die Roman­fi­gur Detec­tive Vega, der sich in sei­ne Vor­ge­setz­te, Daria, ver­liebt, mit ihr eine Affä­re hat und ein Kind erwar­tet. Sie ist aber mit einem Psy­cho­lo­gen ver­hei­ra­tet und liebt die­sen wohl auch. Irgend­wie ist der Ehe­mann so ein Schmier­lap­pen. Auch wenn man nicht viel mit ihm zu tun hat, aber das was man über ihn erfährt, macht ihn nicht gera­de sehr sym­pa­thisch!

Pro­ble­ma­tisch war das Buch für mich aber, weil es da noch eine jun­ge gibt, die bei Vega wohnt und die er als sei­ne Qua­si-Toch­ter bezeich­net. Sie hat ein Dro­gen­pro­blem. Die­se Kon­stel­la­ti­on gibt dem Buch so eine beson­de­re Tie­fe und die hat es für mich sehr schwer gemacht.

Man muss dazu sagen, dass ich vor einem Jahr auf­ge­hört habe zu rau­chen. Ich kann zwi­schen Rau­chern ste­hen, Alko­hol dabei trin­ken – es macht mir alles nichts aus. Aber die Sze­nen in denen Vega sich eine anzün­det oder eine selbst dreht, haben, auch wenn sie nicht über­mä­ßig beschrie­ben wur­den, son­dern eher bei­läu­fig sind, das Ver­lan­gen aus­ge­löst, mir eine zu dre­hen und nein, ich habe nicht wie­der ange­fan­gen zu rau­chen. Dies zeigt aber, wie gut der Film in mei­nem Kopf war.

Man muss nicht immer einen Toten episch erklä­ren. Manch­mal reicht es auch, es anzu­deu­ten, wie ein Hau­fen Men­schen in einer Jau­che­gru­be lie­gen und ver­we­sen, die umher­schwim­men­den Augen oder Haa­re zu erwäh­nen und dies geschickt zu beschrei­ben, um mir einen Schau­er über den Rücken lau­fen zu las­sen.

Gut, aber immer wie­der die­ses Geplän­kel zwi­schen Daria und Vega könn­te man viel­leicht ein wenig kür­zen. Aller­dings ist dies schon die Suche nach dem Haar in der Sup­pe.

Inter­es­sant ist das Grund­the­ma, das im Ver­lauf der Sei­ten immer inten­si­ver wird. Ich nen­ne es mal den moder­nen Skla­ven­han­del in Euro­pa – in dem Fall in Eng­land. Man möch­te die­ses Buch man­chen Poli­ti­kern in die Hand geben, damit sie viel­leicht mal ein wenig nach­den­ken. Das Pro­blem sind näm­lich auch die, die sich an die­sen Men­schen berei­chern wol­len, die sich in Euro­pa ein bes­se­res Leben erhof­fen und dafür viel Geld in die Hand und gro­ße Stra­pa­zen auf sich neh­men und nicht sel­ten auf der Fahrt in ein bes­se­res Leben ihr Leben ver­lie­ren oder das eines nahen Ange­hö­ri­gen.

Ich könn­te noch eini­ges über die­sen Kri­mi schrei­ben, der durch eine tol­le Sto­ry, ein wenig Herz und viel Schmerz daher­kommt. Zwi­schen­durch hat er mal kur­ze Län­gen. Es gibt auch mal Situa­tio­nen, da hat man einen Kloß im Hals. Oder man denkt, war­um schon wie­der die Bezie­hung zwi­schen Daria und Vega the­ma­ti­sie­ren und war­um ist sie in man­cher­lei Hin­sicht so ein kal­tes Mist­stück. Zwi­schen­durch dann der Gedan­ke, wo ist denn nur mein Tabak und mei­ne Blätt­chen zum dre­hen?

Es gibt vie­le Situa­tio­nen in die­sem Buch, die es lesens­wert machen und ich freue mich, wenn dies der Auf­takt zu einer lan­gen Rei­he wird, wenn die Autorin es schafft, immer wie­der beson­de­re The­men anzu­fas­sen und die­se in einem span­nen­den Kri­mi zu ver­pa­cken. Es gefällt mir, dass sie ein inter­es­san­tes, wenn auch nicht gera­de über­ra­schen­des, Ende kon­stru­iert. Nicht nur die Ermitt­ler sind gut gezeich­ne­ten, son­dern auch bei den „Bösen“ wird immer wie­der klar, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, son­dern das da auch vie­le graue Farb­tö­ne dabei sind. Jeder, mag er noch so bru­tal sein, hat auch sei­ne guten Sei­ten. So sind mir komi­scher­wei­se sogar die Täter, zumin­dest zum Teil, ans Herz gewach­sen. Das ist für mich auch ein komi­scher Gedan­ke, da ich die­se Kon­stel­la­ti­on nicht gera­de häu­fig habe.

Ver­lag: Pen­gu­in – Ver­lag

ISBN: 978–3-328–10174-1