[Rezension] Turmschatten – Peter Grandl

Inhalt:

Ein spektakulärer Fall von Selbstjustiz versetzt eine Kleinstadt in Aufruhr. Drei Neonazis werden im Keller eines Turms festgehalten, der Geiselnehmer überträgt          das Ganze live im Netz und fordert seine Zuschauer zum Voting auf: Freilassung oder Hinrichtung? Gleichzeitig beginnt eine großangelegte Befreiungsaktion.    Womit die Polizei nicht gerechnet hat: Sie haben es mit einem ehemaligen Mossad-Agenten zu tun, der nicht bereit ist zu verhandeln … Ein packender   Thriller, der die Grenzen von Gut und Böse aufhebt. Wer hat das Recht auf seiner   Seite, und wo fängt Unrecht an? Was muss ein Mensch getan haben, um den Tod zu verdienen?

Rezension:

Social Media ist ja immer so eine Sache. Da liest man von einem Autoren, der sein Buch bewirbt und denkt, ah ja, ich soll mal wieder Werbung für ein Buch machen. Nun habe ich dann dadurch Kontakt zur Eulenspiegel Verlagsgruppe gesucht. Da mich so oder so das Verlagsprogramm dieser Verlagsgruppe so oder so sehr reizt. Sofort meldete sich meine Bloggerkollegin Anett von „Anettsbücherwelt“ über Twitter bei mir und sagte, dass sei ein tolles Buch.

Nun bin ich generell ein wenig skeptisch, wenn andere Kollegen ein Buch so extrem loben und gehe noch kritischer an das Buch ran. Schon nach den ersten 60 Seiten dachte ich, das kann unmöglich noch besser werden, so begeistert war ich!

Aber langsam erst mal. Es beginnt 1945 an einem Turm an einem Ortsrand mit einem Parteifunktionär der NSDAP der verhindern wollte, dass Menschen, die nicht der Partei angehören, in den sicheren Turm gelangen, sondern, wie die Familie Engelhard, sich in den weitaus unsichereren Kellern im Dorf vor den Luftangriffen schützen sollen. Dieser Mann war der Großvater von Manfred Danner, einem der Polizisten, der nun im Jahre 2010 zu einer Einsatzgruppe der Polizei gehört, die eben diesen Turm quasi belagern und eine Stürmung versuchen. Ausgerechnet dort verschanzt sich ein Jude, Ephraim Zamir, der drei Neonazis als Geisel hält. Sobald 1 Million Menschen auf der Homepage versammelt für den Tod der Geisel auf seiner Homepage gestimmt haben, will er sie vor der Kamera umbringt.

Die drei Neonazis sind im Turm, nachdem sie auf ihre Art und Weise besagtem Juden erklären wollten, dass er nicht für die neue Synagoge vor Ort spenden solle. Dabei hat der 13jährige Thomas Worch, der mit zu derselben Kameradschaft gehört wie die drei erwachsenen Neonazis, die taube Haushälterin Esther Goldstein erschossen. Der 13jährige wird dann von den drei anderen nach Hause geschickt und mit seinen Schuldgefühlen alleine gelassen. Ephraim Zamir hat Auschwitz überlebt und wurde beim Mossad ausgebildet. Er kommt in den Turm und mit etwas Glück aber auch Geschick überwältigt er die drei Neonazis, welche diesen alten „Opa“ vollkommen unterschätzt haben. Er stellt sie nacheinander vor die Kamera und lässt jedem der drei die Chance, sich zu verteidigen. Durch seine Verbindungen zum Mossad hat er auch die Lebensgeschichte der drei herausbekommen.

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Der Private Sender Tele Pro bekommt von der Geiselnahme Wind und schickt sofort ein Außenteam zu dem Turm und überträgt ab da live, entweder aus dem Studio oder direkt vor Ort. Dies macht noch mehr Menschen auf den Stream des alten Juden Ephraim Zamir aufmerksam.

Ich könnte nun stundenlang über den Funktionär der NPD erzählen, der die vier zu dem Juden geschickt hatte. Ich könnte über jeden einzelnen der drei etwas schreiben, oder über den Todesschützen Thomas, auch über Ephraim Zamir selbst, oder den skrupellosen Senderchef von Tele Pro, den Moderator des Senders, oder den Polizisten, vor Ort, den SEK Beamten, oder besagten Enkel des NSDAP Mitglieds, aber das würde den Rahmen sprengen und die Handlung vorwegnehmen. Es sind so viele Handlungsstränge und Personen, die da zusammenkommen und Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, dass dies die Rezension vollkommen aus dem Ruder laufen lassen würde.

Was vollkommen spannend ist, ist, dass die Grenze zwischen Gut und Böse laufend am verschwimmt. Ja, ich hatte sogar zeitweise Mitgefühl für einen der drei Neonazis. Also bitte nicht falsch verstehen! Ich kann diese Denkweise der Rechten nicht nachvollziehen, aber in dem Buch vermischt sich das Gute und Böse und gerade dadurch ist es spannend und gut zu lesen, da wir alle immer wieder den Spiegel vor unser Gesicht gehalten bekommen. Es verwebt persönliche Schicksale vieler Art.

Es ging mir bei diesem Buch ähnlich wie bei „Die Hungrigen und die Satten“ von Timur Vermes, wo ich mich auch teilweise vor mir selbst geekelt habe. Für mich ebenso wie „Turmschatten“ ein Thriller, der mich immer wieder zum Denken angeregt hat, der brutal war in dem, was er in mir ausgelöst hat und den ich jedem nur ans Herz legen kann, der intelligent geschriebene Thriller mit besonderen Themen mag. Ich würde mich auf weitere Bücher von Peter Grandl freuen und bin gespannt, welche Themen er noch anfasst. Dem Verlag kann ich einfach nur für diesen Mut gratulieren so etwas zu verlegen.

Verlag: Das Neue Berlin

ISBN: 978-3-360-01356-9

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